Saure Ozeane machen Fische doch nicht seltsam

Tropische Fische

Während der letzten Jahre legten mehrere Studien nahe, dass die Versauerung des Meerwassers auch die Orientierungsfähigkeit und das Verhalten von Korallenfischen beeinträchtigt. Doch dem ist nicht so.

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Studien legten nahe, dass die Versauerung der Meere seltsames Verhalten bei tropischen Fischen auslöst. In einer gross angelegten Studie haben Forschende dies nun jedoch widerlegt.

Die Ozeane schlucken grosse Teile der menschlichen CO2-Emissionen, was den pH-Wert des Meerwassers sinken lässt. Zum Leidwesen vieler Meeresbewohner: Beispielsweise nimmt die Fähigkeit von Korallen ab, ihr Kalkgerüst aufzubauen. Damit verschiebt sich die Balance zwischen Aufbau und Erosion der Korallenriffe, die Erosion nimmt Überhand. 

Während der letzten Jahre legten zudem mehrere Studien nahe, dass die Versauerung des Meerwassers auch die Orientierungsfähigkeit und das Verhalten von Korallenfischen beeinträchtigt. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Neuenburg hat diesen Effekt nun in einer gross angelegten Studie überprüft. Die neuen Ergebnisse widerlegen jedoch den bisherigen Verdacht. 

Effekte sind vernachlässigbar  

Wie das Forschungsteam im Fachblatt «Nature» berichtet, habe eine Versauerung des Meerwassers, wie sie bis Ende des Jahrhunderts zu erwarten ist, im Experiment essenzielle Verhaltensweisen verschiedener Fischspezies praktisch nicht verändert. Die Effekte seien vernachlässigbar, hiess es in einer Mitteilung der Universität von Montréal, Kanada, zur Studie. An der mehrjährigen Untersuchung waren auch Dominique Roche und Sandra Binning beteiligt, die sowohl an der Universität Montréal als auch an der Universität Neuenburg forschen.

Die Wissenschaftler untersuchten verschiedene Verhaltensweisen bei sechs Fischarten. Insgesamt umfasste die Studie 900 Individuen, die entweder in freier Wildbahn oder in Laborbecken bei etwas niedrigerem pH-Wert aufwuchsen. Die Forschenden beobachteten beispielsweise, wie gut die Fische Fressfeinden auswichen, wie aktiv sie waren und inwiefern sie während Aktivitäten eine Gehirnhälfte stärker als die andere nutzten. Bei diesen Verhaltensweisen stellten die Wissenschaftler keinen Effekt des saureren Wassers fest.

«Manche mögen überrascht sein über diese Ergebnisse, aber so funktioniert Wissenschaft», liess sich Binning in der Mitteilung zitieren. Es sei ein normaler und gesunder Prozess, veröffentlichte Ergebnisse zu hinterfragen. «Manchmal halten sie stand, manchmal nicht. Letztlich ist es das Sammeln von Evidenz, was zählt und uns der Wahrheit näher bringt.»

Klimawandel beeinträchtigt Fische trotzdem  

Die Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, das die Ozeanversauerung, die mit dem Klimawandel einhergeht, kein Problem ist, betonte Studienleiter Timothy Clark von der Deakin University in Australien. Die Klimaerwärmung habe bereits tiefgreifende Auswirkungen auf die Ökosysteme der Korallenriffe weltweit. 

Häufigere Stürme und marine Hitzewellen, die zu Korallenbleiche führt, beeinträchtigen den Lebensraum vieler Fische. «Trotz unserer neuen Resultate bedeuten steigende CO2-Konzentrationen der Atmosphäre eine Gefahr für Korallenriffe und ihre Fischgemeinschaften.»

Binning und ihre Kollegen hoffen, dass sich Forschende nun vermehrt auf anderen Aspekte des Klimawandels fokussieren, die dringender erforscht werden sollten. Beispielweise das Risiko für Infektionskrankheiten, die Zerstörung von Lebensräumen und Folgen sinkender Sauerstoffkonzentrationen im Wasser.

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