Schmetterer und Speerer

Bunter Fangschreckenkrebs im Meer

Der Bunte Fangschreckenkrebs (Odonto­dactylus scyllarus) hat seine Heimat im Indopazifik. Er ist aber auch ein beliebter Aquarienkrebs.

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Fangschreckenkrebse
Fangschreckenkrebse können einem schon mal die Suppe verderben. Sind sie aber selber auf der Jagd, hauen sie so richtig auf den Putz – mit Weltrekordtempo.

Sie sehen ein bisschen aus wie Aliens, aus einem Science-Fiction-Film der 1960er-Jahre, gemischt mit schielenden Clowns: Fangschreckenkrebse, Meerestiere, die nicht nur äusserlich bizarr sind, sondern auch mit den schnellsten und härtesten Waffen im Tierreich ausgerüstet sind. Fangschreckenkrebse (Stomatopoda) gehören, wie der Hummer auch, zu den sogenannten höheren Krebsen. 

Ihre Gestalt erinnert an eine Gottesanbeterin, daher auch ihr Zweitname: Heuschreckenkrebse. Ihre Grösse variiert von ein bis zwei Zentimeter bis hin zu weit über 30 Zentimeter. Zu Hause sind die fast 400 Arten meist auf Korallenriffen, vor allem im indopazifischen Raum. Bevorzugte Nahrung sind Garnelen, Krabben, Würmer, kleine Fische, Schnecken und Muscheln. 

Die Tiere landen aber auch selber mal auf dem Menüplan – auf dem des Menschen. In der chinesischen Küche gelten sie als Delikatesse – zumindest die grossen Exemplare sind geschmacklich mit einem Hummer zu vergleichen. Allerdings gibt es bei der Zubereitung ein kleines Problem: Beim Kochvorgang – wer könnte es ihnen verdenken – urinieren die Krebse noch einmal kräftig. Deshalb spiessen Küchenchefs die «Pisskrebse» vor dem Kochen auf, damit sie ihre Blase entleeren, bevor sie im Kochtopf landen.

Der schnellste Schlag des Tierreichs in Zeitlupe

Keulen wie Pistolenkugeln
Gehen sie auf die Jagd, können die Fangschreckenkrebse in zwei Gruppen unterteilt werden: Das sind, zum einen, die sogenannten «Speerer» die ihre Beute mit speziellen Fangbeinen aufspiessen, und zum anderen die «Schmetterer», die ihre Beute mit ihren Beinen, die zu Keulen umgebildet wurden, regelrecht zertrümmern. 

Und diese Schmetterer halten gleich zwei Weltrekorde. Sie haben den schnellsten und den härtesten Schlag im ganzen Tierreich. Ein Schmetterer-Schlag dauert gerade mal drei Tausendstel einer Sekunde, das ist 40-mal schneller als ein menschlicher Lidschlag. Mit Muskelkraft alleine lässt sich so ein blitzartiger Schlag natürlich nicht bewerkstelligen. Vielmehr können Fangschreckenkrebse ihre Fangbeine regelrecht verriegeln, indem sie Teile ihres Beinskeletts ineinander verhaken. Anschliessend spannen sie die Muskeln an, wodurch eine gewisse Vorspannung entsteht – wie bei einem starken Pfeilbogen Bei Bedarf können sie nun ihre Keulenbeine wie eine Peitsche vorschnellen lassen. 

Es gibt aber noch einen weiteren Trick: Wenn sich die Keulen mit hoher Geschwindigkeit durchs Wasser bewegen, erzeugen sie einen hohen Unterdruck. Dadurch bilden sich winzige Gasbläschen, die implodieren und dabei extrem viel Energie freisetzen. Diese sogenannte Kavitation erzeugt einen Knall – und manchmal sogar einen Lichtblitz. Das Opfer wird durch den Schlag betäubt.

Durch diese hohe Geschwindigkeit und die harte Aufschlagfläche der Keulen sind Fangschreckenkrebse in der Lage, auch den härtesten Krebspanzer oder eine Muschelschale zu zertrümmern. Es gibt Aquarianer, die behaupten, ihr Fangschreckenkrebs hätte die Glaswand ihres Aquariums zertrümmert. Die Aufprallwucht der Keulen ist nämlich durchaus mit der einer Pistolenkugel zu vergleichen.

Fangschreckenkrebs mit «Speer» in Zeitlupe

Drei Schichten für mehr Härte
Fangschreckenkrebse erreichen eine Schlagstärke, die dem 1000-Fachen des eigenen Körpergewichts entspricht. Zum Vergleich: Der für seinen «harten Punch» berüchtigte Boxer Mike Tyson hatte, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, eine Schlagkraft von 590 Kilo – das ist das sechsfache seines Körpergewichtes. Dass die Fangschreckenkrebse einen solchen Aufprall überstehen, ohne ihre eigenen Keulen dabei zu zertrümmern, hängt mit einer raffinierten Panzerung zusammen. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese Panzerung ihre extrem hohe Widerstandsfähigkeit der Tatsache verdankt, dass sie aus drei völlig unterschiedlichen Schichten aufgebaut ist.

Die oberste Schicht besteht aus einem sehr harten Material namens Hydroxylapatit, das normalweise nicht bei Krebsen vorkommt, wohl aber bei Wirbeltieren. Dort verleiht das Mineral zum Beispiel den Knochen und dem Zahnschmelz die nötige Härte. Aber Hydroxylapatit  hat den Nachteil, dass es eine sehr spröde Substanz ist. Damit allein würde die Schlagfläche sehr schnell zerbröseln. 

Hier kommt die zweite Schicht ins Spiel. Die besteht aus einem organischen Polymer namens Chitosan, das verhindert, dass sich Risse im Panzer weiter ausbreiten können, und dafür sorgt, dass die Trefferfläche insgesamt zäher wird. Und dann gibt es noch eine dritte Schicht, die aus verschiedenen weichen Substanzen besteht und der Schockabsorption dient. Sie dämpft die Energie des Aufschlags auf ein erträgliches Mass. 

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