Schnaps für die Kinder

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Die Fruchtfliege ist zuhause lästig, im Labor bringt sie aber immer wieder interessante Befunde zutage.
Botaurus/wikimedia.org
Fruchtfliegen
Fruchtfliegen zwingen ihre Jungen zum Alkoholkonsum. Und zwar aus einem guten Grund, wie Forscher herausgefunden haben. Ein kleiner Rausch kann nämlich Leben retten.

Forscher an der Emory University in Atlanta haben schon vor einem Jahr herausgefunden, dass die Drosophila melanogaster, die wir unter dem Namen Fruchtfliege kennen, Alkohol konsumiert, um parasitäte Wespen zu bekämpfen. Diese legen nämlich ihre Eier in den Larven der Fruchtfliegen ab; wenn die Jungen Wespen schlüpfen, fressen sie sich von innen her durch die Larve, die bei lebendigem Leib ausgehöhlt wird.  

Der gute Geist tötet Feinde
Alkohol ist hier die Rettung: Wespen vertragen ihn nämlich überhaupt nicht, während Fruchtfliegen eine Resistens dagegen entwickelt haben. «Betrunkene» Larven können also die fremden Eier in ihren Körpern abtöten und einem friedlichen Fruchtfliegenleben entgegensehen.  

Nun hat Evolutionsgenetiker Todd Schlenke, zusammen mit seinem Team, herausgefunden, dass nicht nur bereits infizierte Fruchtfliegenlarven einen Hang zu alkoholischen Nahrungsmitteln haben, sondern besorgte Fruchtfliegenmütter ihre Nachkommen – zur Vorbeugung – in einem alkoholhaltigen Umfeld zur Welt kommen lassen. Dies aber nur, wenn tatsächlich eine Gefahr von Wespen ausgeht.  

In einem Experiment haben die Forscher weibliche Fruchtfliegen in zwei zwei Käfige gesperrt, in denen sich je zwei Futterschalen mit Hefe befanden – eine alkoholfrei, die andere mit 6 Prozent Alkoholgehalt. In einem Käfig waren die Fruchtfliegen ungestört und legten ihre Eier zu 60 Prozent in die alkoholfreie Futterschale. Im anderen Käfig befanden sich weibliche Wespen. Und siehe da, die Fruchtfliegen haben die Gefahr erkannt und ihre Eier zu 90 Prozent in den alkoholhaltigen Nahrungsbehälter gelegt.  

Wespenmännchen sind keine Gefahr
Überraschend sind auch die Erkenntnisse der Forscher, wie die Fruchtfliegen in der Lage sind, männliche Wespen (die keine Gefahr darstellen, da sie keine Eier legen) von weiblichen zu unterscheiden.  

Entgegen der Erwartung, die Fruchtfliegen orientierten sich am Duft der Wespen, stellten die Wissenschaftler fest, dass auch Fruchtfliegen, die ihres Geruchssinnes beraubt worden waren, Wespenmännchen von –Weibchen unterscheiden können. Blinde Fruchtfliegen hingegen konnten diese Unterscheidung nicht machen.  

Also konnte die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Fruchtfliegen ihre Feinde visuell erkennen können, was beeindruckt, weil die optischen Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Wespen minimal sind.

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