Seelöwe rettet sich vor Orcas — bis ihn die Bootsführerin verjagt

Vom Glückspilz zum Pechvogel
Aufgeregt umkreisen Schwertwale ein kleines Fischerboot in der Bucht vor Vancouver Island. Der Grund: an Deck befindet sich ihr Zmittag — ein Seelöwe.

Die Robbe kann ihr Glück kaum fassen, hat sie sich doch mit dem beherzten Sprung an Bord das Leben gerettet. Vorerst. Sie ist nämlich Hauptnahrungsmittel der sogenannten «Bigg's Orcas», die nach dem Pionier der Orca-Forschung Michael Biggs benannt sind. 

Die in losen Gruppen von sechs bis zehn Tieren zusammenlebenden Meeressäuger haben ihre Reviere vor den felsigen Küsten im Westen Nordamerikas. Zur Jagd umzingeln sie ihre Beute und erschlagen sie dann mit ihrem mächtigen Kopf oder ihrer nicht minder grossen Schwanzflosse. 

Todesmutiger Seelöwe

Den flinken, aber viel kleineren Seelöwe rettet nur noch das Boot der kanadischen Fischerin. Doch die Kapitänin ist mit der Situation komplett überfordert. Als das Tier an Bord ist, versucht sie, es mit aller Kraft zu verjagen. «Oh mein Gott, du musst gehen. Du kannst hier nicht bleiben. Ich muss arbeiten», ruft sie, während sie die aufgeregten Orcas filmt. «Ich weiss, dass du Angst hast, Süsser, aber so ist die Welt nun einmal.»

Der Seelöwe weiss nicht, in welchen der beiden sauren Äpfel er nun beissen soll. Doch der Mensch der nervösen Stimme scheint ihm gefährlicher als die bis zu acht Meter langen Räuber und er trollt sich von Board. Die Bootsführerin startet den Motor und fährt langsam und vorsichtig davon. Dann bricht das Video ab, das von Twitter aus um die Welt geht.

Bootführerin rechtfertigt sich auf Twitter

«Ich weiss nicht, was ich tun soll»

Zugegeben — von einer Gruppe hungriger Schwertwale umzingelt in einem kleinen Fischerboot auf offener See zu treiben ist jetzt nicht die angenehmste Situation. Dennoch wird die Kapitänin für ihre Entscheidung, sich des Orca-Zmittags zu entledigen, in den sozialen Netzwerken scharf kritisiert. 

Im Video ist aber deutlich zu hören, dass die Frau Angst hat. «Ich weiss nicht, was ich tun soll, du musst gehen. Hilfe.» Und doch war ihre Entscheidung sehr durchdacht, wie sie selber in den Kommentaren klarstellt. Auf die Vorwürfe, sie hätte doch einfach mit dem Seelöwen davonfahren sollen, antwortet sie: «Ich konnte nicht. Stell dir vor, ich hätte mit dem Propeller am Boot einen von nur 250 Orcas verletzt. Stattdessen ist vielleicht einer von zwei Millionen Seelöwen gestorben.» Ob der unerwünschte Passagier überlebt hat oder nicht, verrät sich dennoch nicht. 

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