Seltene Tierarten fühlen sich auch im Zürcher Stadtzentrum wohl

Wespenspinne in Zürich

Lokal seltene Arten wie die Wespenspinne kommen sogar im Stadtkern von Zürich vor.

Joan Casanelles Abella, WSL

Stadt Zürich
Städte weisen weitaus vielfältigere Ökosysteme auf, als man gemeinhin annimmt: Auch viele seltene Tiere leben dort, wie erstmals erstellte Biodiversitätskarten für die Stadt Zürich zeigen.

Die Karten hat die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Donnerstag vorgestellt. Sie hatte in den vergangenen zehn Jahren das Vorkommen diverser Tierarten in der Stadt Zürich untersucht. Doktorand Joan Casanelles Abella hat dieses Inventar, das insgesamt 1446 Tierarten umfasst, nun ausgewertet.

«Die Auswertungen zeigen, dass die Stadt bezüglich der untersuchten Tiergruppen eine grosse Artenvielfalt aufweist», schreibt die WSL. In Zürich käme nicht nur eine Handvoll sehr weit verbreiteter Arten wie etwa der Haussperling oder die Gemeine Narzissenschwebfliege vor, die gut an die städtische Umwelt angepasst seien.

«Auch eine grosse Anzahl seltener Arten lebt in der Stadt Zürich.» Die WSL erwähnt die Rote Wespe – eine soziale Wespe, die im Boden nistet – oder den Tausendfüssler Haplophilus subterraneus, der nur in einem von 85 untersuchten Gärten gefunden wurde. Dabei kommen lokal seltene Arten wie die Felsspalten-Wollbiene oder die Wespenspinne selbst im Stadtkern vor.

Animierte Karte der Stadt Zürich mit Artenreichtum

Die ganze Stadt als wertvoller Lebensraum
Die Verbreitungsdaten kombinierte Casanelles Abella mit Angaben zum lokalen Klima, zur Art der Grünraumbewirtschaftung und zu weiteren Umweltdetails. Das so generierte Computermodell kann das Auftreten einer Art oder einer Artengruppe auf dem Stadtgebiet vorhersagen.

«Wir hatten ja nur Momentaufnahmen von unseren ausgewählten Stichprobenflächen», wird der Doktorand in der Mitteilung zitiert. «Dank dem Modell können wir abschätzen, wie gross die Artenvielfalt in der Stadt Zürich potenziell sein könnte.»

Eine Erkenntnis ist dabei, dass das Vorkommen der seltenen Arten in der Stadt Zürich keinem klaren ökologischen Muster folgt. «Vielmehr könnten Faktoren auf lokaler Ebene wie zum Beispiel das kleinräumige Klima an einem bestimmten Standort oder die Bewirtschaftung durch den Menschen eine grössere Rolle spielen.» Die Stadt sei damit als Ganzes ein wertvoller Lebensraum für Tiere, der geschützt werden müsse, folgert Casanelles Abella.

Nebenbei könnte dieser Schutz der Biodiversität für die Zürcherinnen und Zürcher einen angenehmen Nebeneffekt haben: «Jede zusätzliche Grünfläche ist nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern kann auch helfen, die Hitze in der Stadt zu mindern.»

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