Tierbeobachtungen melden – aber wo?

Hermelin lugt hinter Mauer hervor

Wer gügselt denn hier so verschmitzt hervor? Ein Hermelin.

Stephan Morris/Shutterstock.com

Jeder ein Wildtierforscher
Wer auf einem Spaziergang einem Wildtier begegnet, hat die Möglichkeit, seine Beobachtung bei verschiedenen Stellen zu melden. Wir zeigen, wo.

Die Velofahrerin fährt auf einem Kiesweg am Zürichsee entlang. Plötzlich bremst sie ab, denn vor ihr auf dem Weg befindet sich ein Tier. «Eine Ratte», denkt sie erst und nähert sich vorsichtig noch ein bisschen. Dann erkennt sie: Es ist keine Ratte. Das Tierchen steht aufrecht auf den Hinterbeinen und hat ein schokoladebraunes Fell mit weissem Bauch. Es ist ein Hermelin. Als es die Velofahrerin erblickt, huscht es flink ins Gebüsch davon. Ganz deutlich zu sehen ist dabei die charakteristische schwarze Schwanzspitze.

Beobachtungen wie diese freuen nicht nur Velofahrer, Spaziergänger und Wanderer, sondern auch Forscherinnen und Forscher – wenn man sie meldet. Denn die Meldungen leisten einen wertvollen Beitrag zum Monitoring, zur Überwachung des Tierbestands. Nur wenn man weiss, welche Tiere wo leben und wie viele es von ihnen gibt, kann man Strategien zu ihrem Schutz erarbeiten und Druck auf die Politik ausüben, diese umzusetzen.  

Je mehr Daten, desto besser
Die Beobachtungsdaten fliessen aber auch in spezifische Forschungsprojekte ein. So wollte die Forschungsgemeinschaft Swild 2017 wissen, wie und wo die beiden Fellfarben des Eichhörnchens verbreitet sind («Tierwelt online» berichtete). Die Daten sind noch nicht fertig ausgewertet, doch es kam heraus, dass es in der Schweiz mehr dunkle als rote Eichhörnchen gibt (siehe «Tierwelt» 36/2019). 

Tierbeobachtungen melden kann man schon lange, neuerdings gibt es dafür sogar einen schicken Namen: «Citizen Science» oder «Bürgerwissenschaft» nennt es sich, wenn jederman mit seinen gesammelten Daten bei einem Forschungsprojekt mitwirken kann. Und grundsätzlich gilt: Je mehr Daten, desto besser. Dazu muss man aber natürlich wissen, welche Tierarten und -Gruppen man wo melden kann. Wir zeigen es in unserer Übersicht.

Info Fauna – Schweizerisches Zentrum für die Kartografie der Fauna (SZKF / CSCF)
Info Fauna ist die schweizerische Fachstelle schlechthin, wenn es darum geht, ökologische Daten zu erheben und Verbreitungskarten zu erstellen. Die Stiftung mit Sitz in Neuenburg wird seit 1990 vom Bund anerkannt und unterstützt. Sie betreibt auch die Biberfachstelle das Bundesamts für Umwelt (Bafu) und hat sich 2010 mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) zusammengetan, die bis dahin eine eigene Stiftung war. Bei der von Info Fauna betriebenen Plattform «Webfauna» kann man alle Tierbeobachtungen melden, ausser solche von Vögeln. Aus den umfassenden Datenbanken können auch ganz einfach Infromationen abgefragt werden. So zeigt das obige Bild zum Beispiel die aktuelle Verbreitung des Bibers.

Praktischerweise gibt es «Webfauna» auch als App für iOS und Android. Damit können Beobachtungen gleich im Feld erfasst werden. Wie Info Fauna betont, ist es wichtig, seine Beobachtung nur bei einer Plattform zu melden, um doppelte Erfassungen zu vermeiden. Die verschiedenen Meldeplattform arbeiten zusammen und geben ihre Daten an Info Fauna weiter.

Ornitho.ch
Auf der offiziellen Plattform der Vogelwarte Sempach können sämtliche Beobachtungen von Vögeln eingetragen werden. Ausserdem fungiert Ornitho.ch auch als Info-Zentrale für Ornithologinnen und Ornithologen in der Schweiz. So kann man sich die neusten Beobachtungen in seiner Nähe anzeigen lassen und bei einer Meldung von Raritäten flugs sein Fernrohr schultern und losdüsen. Wer allerdings selber nicht viel meldet, hat auch weniger Zugriff auf die Datenbank. Diesen muss man sich daher erst verdienen. Manche Beobachtungen wird man allerdings auch als besonders meldefreudiger Benutzer nicht zu sehen kriegen – diejenigen nämlich von besonders gefährdeten oder geschützten Arten.

Das Bediensystem von Ornitho.ch ist eher kompliziert und erfordert etwas Übung. Viel einfacher geht es zum Glück mit der dazugehörigen App «NaturaList», die es momentan jedoch nur für Android gibt. Neben anderen Partnern aus dem In- und Ausland arbeitet Ornitho.ch auch mit info fauna zusammen.

StadtWildTiere und Wilde Nachbarn
Die Projekte «StadtWildTiere» und «Wilde Nachbarn» wurden von der Forschungsgemeinschaft Swild ins Leben gerufen, um die Verbreitung der Tiere in den Städten sowie im ländlichen Siedlungsraum zu studieren. Das Ziel der Projekte ist es, die Biodiversität im Siedlungsraum besser zu verstehen und sie den Menschen näher zu bringen. Die Meldefunktionen auf beiden Websites sind identisch und sehr einfach zu handhaben. Auch die dazugehörige App «Wildtiere» (für iOS und Android) funktioniert nach dem gleichen Muster.

Die eingegebenen Daten fliessen ausserdem in den neuen Schweizer Säugetieratlas, an dem Swild derzeit mitarbeitet. Der letzte Atlas dieser Art erschein 1995, ist seit langem vergriffen und – davon darf ausgegangen werden – auch nicht mehr aktuell. Für eine Neuaflage ist es als höchste Zeit. Wann der neue Atlas erscheinen wird, steht allerdings noch nicht fest.

Kora
Wer ein Raubtier gesehen hat, kann dies auch bei der Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) melden. Die Kora ist zuständig für das offizielle Raubtiermonitoring der Schweiz. Dazu gehören neben Wolf, Luchs und Bär auch die Wildkatze, der Fuchs sowie die Marderartigen. Weiter überwacht die Kora eingewanderte und eingeschleppte Fleischfresser wie Goldschakal, Waschbär und Marderhund. Bei der Kora kann man seine Beobachtung allerdings nicht direkt online erfassen, sondern muss das entsprechende Meldeformular ausdrucken und es den Raubtierökologen per Post zukommen lassen.

Beobachtungen von Wölfen können zudem bei der Gruppe Wolf Schweiz gemeldet werden. Diese unterstützt die Kora beim Monitoring, indem sie ebenfalls Daten sammelt.

Info Flora
Natürlich können nicht nur Tiere gemeldet werden, sondern auch Pflanzen. Dies kann man bei Info Flora tun. Diese Stiftung ist das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Im Online-Feldbuch werden Sichtungen von einheimischen Wildpflanzen eingetragen. Daneben betreibt Info Flora noch ein Neophyten-Feldbuch, in dem invasive Neophyten gemeldet werden können. Parallel dazu gibt es die Apps «FlorApp» und «InvasivApp». Sie sind jeweils für Android und für iOS erhältlich (Android hier und hier, für iOS hier und hier).

Bei Info Flora können übrigens auch Pilze und Flechten gemeldet werden.

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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