Tümmler adoptiert Grindwal

Grösser Tümmler guckt aus Wasser

Grosse Tümmler adoptieren manchmal Kälber anderer Arten.

 Schnapps2012/Shutterstock.com

Neuseeland
Eine ungewöhnliche Entdeckung machten Forschende in Neuseeland: Ein Tümmler-Weibchen hatte augenscheinlich ein Grindwalkalb adoptiert – wahrscheinlich zum Leidwesen der Grindwalmutter.

Ein Junges, das um ein Vielfaches grösser wird als die Tiere, die es aufziehen – das kennt man in unseren Breitengraden vor allem von jungen Kuckucken und ihren unfreiwilligen Adoptiveltern. In Neuseeland passiert das aber auch im Wasser, wie Mitglieder der dort ansässigen Forschungsgruppe «Far Out Ocean Research Collective» kürzlich festgestellt haben.

In der Bay of Islands im Norden der Nordinsel beobachteten die Forschenden ein Tümmler-Weibchen, das mit einem Grindwalkalb unterwegs war. Zweimal wurde das ungleiche Paar gesehen, zuletzt Ende Mai. Grindwale gehören zwar ebenfalls zur Familie der Delfine, zählen jedoch zu deren grössten Mitgliedern – übertroffen werden sie nur noch vom Orca. Ausgewachsene Grindwale können bis zu sieben Meter lang und zweieinhalb Tonnen schwer werden. Ein Weibchen des Grossen Tümmlers dagegen bringt es auf etwa drei Meter und 300 Kilogramm.

Dass Grosse Tümmler die Kälber anderer Arten adoptieren und aufziehen, sei in der Vergangenheit schon öfters nachgewiesen worden, sagt «Far Out»-Forscher Jochen Zaeschmar gegenüber der neuseeländischen Website «Stuff». Normalerweise handele es sich dabei aber um Kälber kleinerer oder gleich grosser Arten. «Dass eine Art adoptiert wird, die grösser ist, ist schon sehr ungewöhnlich.»

Chancen auf ein Wiedersehen
Warum Delfine überhaupt Kälber anderer Arten adoptieren, wisse man nicht genau, aber Zaeschmar vermutet eine Art von «fehlgeleitetem Mutterinstinkt». Dieser führt dazu, dass Tümmler-Weibchen manchmal die Kälber anderer Tiere «stehlen» – ohne böse Absichten. Das geschieht zum Beispiel, wenn das Kalb des Tümmlers stirbt. «Da draussen schwimmt wahrscheinlich eine ziemlich aufgewühlte Grindwalmutter umher.»

Die Chancen, dass sie ihr Baby zurückbekommt, stünden aber nicht so schlecht. Denn beide Arten kommen in der Gegend vor und begegnen sich häufig. Gerade dieses Tümmler-Weibchen sei dafür bekannt, dass es gerne mit Grindwalen und Kleinen Schwertwalen mitschwimmt, wie «Far Out» auf Facebook schreibt. So sei es wahrscheinlich auch zu seinem Kalb gekommen, sagt Zaeschmer.

«Solche zwischenartlichen Adoptionen dauern meist nur einige Monate», erklärt der Forscher. Spätenstens wenn es so gross werde, dass die Tümmlermutter es nicht mehr mit genügend Milch versorgen könne, sei es wahrscheinlich, dass es zu seiner eigenen Art zurückkehre. Und dort wird es sicher Anschluss finden, denn Grindwale ziehen ihre Jungen in der Gruppe auf, so Zaeschmar.

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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