Wanderer, Kletterer und Springwunder

wasserbock-antilope.jpg
Ein männlicher Ellipsenwasserbock in Botswana.
Lookingforcats/Shutterstock.com
Antilopenarten
Ob in der Savanne, im Busch oder an Wasserlöchern: Kaum eine Safari im Süden oder Osten Afrikas, bei der man nicht Antilopen beobachten kann. Eine Auswahl der vielen Arten, von gross nach klein.

Grosse Kudus
Strepsiceros (Zentral-, Ost- und im südlichen Afrika)
Der Grosse Kudu, nach der Elenantilope die zweitgrösse Antilopenart, beeindruckt gleich mit zwei Merkmalen. Erstens mit den spiralförmig nach oben drehenden Hörnern der Männchen, die an der Schraubenwindung gemessen bis zu 1,80 Meter lang sind. Weibchen dagegen haben keine Hörner. Und zweitens mit ihrer Sprungkraft: Männchen wie Weibchen können aus dem Stand selbst zwei Meter hohe Zäune überwinden. Dies bei einer Schulterhöhe von bis zu 1,60 Metern. Kudus sind sehr scheu und geraten schnell in Panik. Charakteristisch für alle vier Arten sind die sechs bis zehn weissen Querstreifen auf dem graubraunen Fell der Männchen und dem mittelbraunen Haar der hornlosen Weibchen. Neben den Grossen gibt es auch den Kleinen Kudu.

Oryxantilopen
Oryx (südliches und östliches Afrika sowie Arabische Halbinsel)
Ob Beisa-Oryx, Büschelohr-Oryx, Säbelantilope, Spiessbock, Galla-Oryx oder Arabischer Oryx: Sowohl Männchen als auch Weibchen aller Arten sind nicht zu unterschätzende Kämpfer. Zur Selbstverteidigung setzen die bis zu 1,20 Meter hohen Antilopen ihre bis zu 1,50 Meter langen spitzen Hörner ein, die selbst für Löwen zur tödlichen Waffe werden können. So ist der aus dem altgriechischen entlehnte Name denn auch Programm: Oryx bedeutet «spitzes Werkzeug». Typisch für die je nach Art mal grauen, mal bräunlich fahlen oder mal weissen Tiere ist ausserdem ihre schwarz-weisse Gesichtsmaske. Ähnlich wie Kamele haben Oryx ein «Wärmetauschsystem», das sie vor Überhitzung schützt. 45 Grad und kein Wasser sind deshalb für die in Wüsten und Halbwüsten lebenden Tiere kein Problem.

Gnus
Connochaetes (Südosten und Süden Afrikas)
Von den zur Gruppe der Kuhantilopen gehörenden Gnus waren ursprünglich einzig die im südlichen Afrika verbreiteten Streifen- und Weissschwanzgnus als Arten anerkannt. Mittlerweile gelten auch das Östliche Weissbartgnu, das Serengeti-Weissbartgnu und das Weissbindengnu als eigene Arten. Streifengnus als grösste Art können über 1,50 Meter gross werden. Die kleinste Art, das ausschliesslich in Südafrika lebende Weissschwanzgnu, ist 20 Zentimeter kleiner. Alle Gnus, Kühe wie Bullen, haben kurze, kräftige Hörner und ein bräunlich oder bläulich schillernd dunkelgraues Fell. Sie leben in grossen Herden und sind für ihre langen Wanderungen berühmt. Oft sterben allerdings Tausende Tiere, da Zäune ihnen während der Trockenheit den Weg zu den Wasserlöchern versperren.

Gnu-Wanderung in der Masai Mara in Kenia (Video: TheSunworld):

Rrote Kuhantilope
Alcelaphus caama (südliches Afrika)
Wie die Gnus sind auch die Kuhantilopen Wanderer – und Zäune haben ihre Bestände dezimiert. Die bräunlich bis rötlich gefärbten Tiere haben einen dunkleren Rücken und schwarze Zeichnungen auf der Stirn und an der Schnauze. Auch der Schwanz und die Aussenseiten der Beine sind schwarz, während der Spiegel hell ist. Sie sind mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,50 Metern relativ gross und fallen durch ihre lange, schlanke Statur auf. Sie leben in grossen Herden von bis zu 100 Tieren. Rote Kuhantilopen haben einen nach hinten abfallenden Rücken, der einen hoppelnden Gang verursacht. Dies ist zwar ein seltsamer Anblick, hat aber den Vorteil, weniger Energie zu brauchen als ein Trab. Und: Bei kurzen Sprints können sie bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell werden.

Wasserböcke 
Kobus ellipsiprymnus und Kobus defassa (südliches und östliches Afrika)
Der Ellipsenwasserbock ist bis zu 1,30 Meter gross und hat eine kräftige Statur. Er hat ein langes, schon beinahe zotteliges, graubraunes Fell und einen elipsenförmen, weissen Kranz um den Schwanzansatz, der ihm seinen Namen gegeben hat. Was aussieht, als trüge er eine Zielscheibe hinter sich her, dient den nachfolgenden Herdenmitgliedern bei der Flucht als Orientierung. Beim Defassa-Wasserbock dagegen ist der Spiegel durchgehend weiss und nur unterhalb des Schwanzes. Wasserböcke leben an Dauergewässern in der Nähe von Wäldern oder mit Schilf oder Dickicht bewachsenen Gebieten. Während andere Antilopen auch mal zwei Wochen ohne Wasser auskommen können, müssen Wasserböcke täglich trinken. Sie sind morgens und abends aktiv und ruhen tagsüber.

Nyala
Nyala angasii (südliches Afrika)
Der Nyala gehört zur Gruppe der Waldböcke und ist eine der seltensten Antilopenarten, dank strengen Schutzmassnahmen haben sich die Bestände aber erholt. Die grössten Chancen, die mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,10 Meter mittelgrossen Antilopen zu sehen, hat man im Krüger-Park und den angrenzenden privaten Reservaten im Nordosten Südafrikas. Sie leben bevorzugt in dichtem Buschwerk und in Wassernähe. Männchen und Weibchen sehen sehr unterschiedlich aus: Die Böcke haben ein schiefergraues Fell und schraubenartig gedrehte Hörner, während die rötlich braunen Kühe und die Jungtiere hornlos sind. Einzig die bis zu 18 weissen Querstreifen haben alle Nyalas, weshalb sie auch mit Kudus verwechselt werden.

Impalas
Aepyceros (östliches und südliches Afrika)
Obwohl nur 90 Zentimeter hoch, sind die auch Schwarzfersenantilopen genannten Impalas nicht zu übersehen. Sie leben in grossen Herden und können selbst auf kargem Agrarland gut überleben. Da die robusten Impalas weniger anpassungsfähigen Antilopenarten den Lebensraum streitig machen und um ihre Bestände unter Kontrolle zu halten, werden sie im südlichen Afrika auch bejagt. Auf der Flucht erreichen die eleganten Tiere hohe Tempi und können bis zu neun Meter weit und drei Meter hoch springen. Hörner tragen nur die Männchen, deren tiefes Röhren während der Brunft man von so einem zarten Tier kaum erwarten würde. Impalas sind rotbraun und haben einen weissen Bauch. Der schwarzen Streifen am Hintern wegen werden sie scherzhaft auch «African McDonald’s» genannt.

Rennendes Impala, gejagt von einem Geparden (Video: lewinglobalUnboxing):

Springböcke
Antidorcas (südliches Afrika)
Die Springböcke werden oft mit den Impalas verwechselt. Sie sind etwa gleich gross, unterscheiden sich aber in ihrer Färbung: Springböcke haben eine zimtbraune Oberseite, einen breiten dunkelbraunen Seitenstreifen und einen weissen Bauch. Auch sie sind Springwunder: Ihr Name kommt von den senkrechten Sätzen, mit denen sie in die Höhe schnellen. Um Feinde wie Hyänen abzuschütteln, springen sie aus dem Stand bis über drei Meter hoch, drücken ihren Rücken durch und recken den Kopf nach unten. Die Jäger ignorieren die am höchsten und am weitesten springenden Tiere und konzentrieren sich auf die schwächeren Herdenmitglieder. Auf der Flucht sind Springböcke bis zu 90 Kilometer pro Stunde schnell. Die riesigen Springbock-Herden sind in ganz Südafrika zu sehen – kein Wunder nennt sich dessen Rugby-Nationalteam bis heute «springboks».

Springende Springböcke (Video: BBC):

Klippspringer
Oreotragus (südliches Afrika über Ostafrika bis nach Äthiopien)
Mit ihrem gelb bis braungrauen Fell und der weissen Unterseite sind Klippspringer auf den Felsblöcken gut getarnt – und fallen erst auf, wenn sie Balletttänzern gleich auf den Zehenspitzen über die Felsen balancieren. Denn diese mit knapp 60 Zentimetern zu den zierlichsten Antilopenarten gehörenden Tiere sind fantastische Kletterer, die sich selbst von steilsten Felsen nicht aufhalten lassen. Für besonders guten Halt an Steilwänden sorgen ihre Hufe, die Spikes-ähnlich zylindrisch geformt sind. An ihre bergig-kühle Heimat angepasst hat sich auch das Fell. Die Haare sind dicker und grober als bei anderen Antilopenarten und ausserdem innen hohl. Das spezielle Fell schützt die Klippspringer bei Stürzen und isoliert bei den tiefen Temperaturen in ihren bergigen Lebensräumen.

Klippspringer in den Klippen (Video: Michel Roszewitch):

Steinböckchen
Raphicerus campestris (südliches Afrika und Ostafrika)
Das knapp 50 Zentimeter grosse Steinböckchen ist in den Savannen weit verbreitet. Es wird immer wieder mit dem Bleichböckchen verwechselt, das allerdings vom Aussterben bedroht ist. Auffallend sind die grossen, markant gezeichneten Ohren des Steinböckchens, die so gar nicht zu dem zierlichen Kopf passen wollen. Die Männchen tragen gerade Hörner, die die Ohren nicht überragen. Die schwarze Markierung über der Nase und die Drüsen unter den Augen sehen wie Tränen aus. Die Zwergantilopen fressen grüne Pflanzenteile, die so wasserreich sind, dass sie kaum trinken müssen. Manchmal graben sie Löcher und knien hin, um an Pflanzenzwiebeln oder -knollen zu gelangen, die sie stehend nicht erreichen.

Kronenducker
Sylvicapra grimmia (ganz Afrika südlich der Sahara)
Noch kleiner als das Steinböckchen ist der Kronenducker. Seinen aus dem Afrikaans stammenden Namen «duiker» hat er erhalten, weil er bei Gefahr ins Unterholz abtaucht und dort bewegungslos liegen bleibt. Ist der Feind – Mensch oder Raubtier – nahe, rennt er im Zickzack davon. Kronenducker leben im Gegensatz zu anderen Antilopenarten nicht in Herden, sondern einzeln und markieren ihre Reviere mit Kothaufen.

Autor

Petra Stöhr

Petra Stöhr

Petra Stöhr ist «Tierwelt»-Redaktorin und geht als Historikerin gerne der Geschichte der Schweizer Nutztiere auf den Grund. Noch lieber geht sie für Geschichten ins Feld und macht sich für ihre Begegnungen mit den medidativen Kühen, den gmögigen Schafen und den quirligen Geissen auch die Gummistiefel dreckig oder lässt es über sich ergehen, dass sich Schweine überaus gerne an ihren Beinen reiben.

Kommentare (0)