Die Sprache der Kaninchen lernen

Tierwelt 41/2013
Kaninchen signalisieren ihr Befinden mit ihren Ohren, der Körperhaltung, mit Lauten und mit Düften. Die Welt der Geruchskommunikation bleibt uns verschlossen, doch die anderen Signale können wir lernen zu verstehen. 

Tierhaltung hat viele Facetten. Eine der faszinierendsten ist, die Sprache der Tiere zu verstehen. Kaninchen sind leise Tiere, sie sprechen weit mehr über Ohren- und Körperhaltung als über Laute. Wer die wichtigsten «Vokabeln» ihrer Sprache kennt, kommt seinen Tieren näher. Zur Kommunikation braucht das Kaninchen natürlich ein Gegenüber. Man beobachtet also eine Kaninchengruppe oder beginnt selber mit seinem Lieblingskaninchen einen «Schwatz».

Allein schon die Körperstellung des Lang­ohrs drückt einiges aus. Sitzen oder Liegen ist eine Frage der Sicherheit. Aus dem Sitzen kann ein Kaninchen sehr schnell fliehen, nicht jedoch aus liegender Stellung. Ein Kaninchen liegt deshalb nur, wenn es sich sicher fühlt. Deshalb sitzen rangtiefe Tiere in Gruppenhaltung meistens.

Die Beinstellung verrät Freundlichkeit oder Aggression: Ein freundliches Kaninchen hält die Vorderläufe nahe beisammen, ein kampflustiges Langohr steht hingegen breitbeinig da. Zur Besänftigung angriffslustiger Artgenossen setzen defensive Kaninchen auf die Fellpflege: Ein Tier, das sich intensiv putzt, signalisiert damit, dass es nicht in Kampfstimmung ist.

Die Ohren des Kaninchens sind auch ein aussagekräftiges Stimmungsbarometer
Die Löffel (Ohren) sind nicht nur Markenzeichen der Kaninchen, sondern auch ein wichtiges Stimmungsbarometer. Zur richtigen Interpretation müssen jedoch alle Körpersignale beachtet werden. Angelegte Ohren etwa bedeuten je nach Kontext etwas völlig anderes: Augen halb geschlossen und Löffel entspannt auf den Rücken gelegt; das kennzeichnet ein gemütlich dösendes Kaninchen. Ein angstvolles Tier legt die Ohren ebenfalls auf den Rücken, doch seine Augen sind weit aufgerissen und es drückt sich flach auf den Boden. Nach hinten gelegte Ohren signalisieren Aggression, wenn der Körper angespannt ist, das Hinterteil erhoben und die Blume (Schwänzchen) steif aufgerichtet. Und schliesslich verlangt ein Kaninchen ebenfalls mit angelegten Ohren nach Streicheleinheiten: Es stupst mit der Schnauze gegen die Hand, senkt Kopf und Brust zu Boden und schiebt seinen Kopf der Hand entgegen. Diese Geste beherrschen übrigens bereits Nestlinge. Die meisten Kaninchen mögen es, an der Ohrbasis und an den Wangen gestreichelt zu werden. Ihr Wohlbefinden drücken sie durch aufgerichtete, eng aneinandergelegte Ohren aus. Wenn sich dann die Ohrspitzen noch überkreuzen, fühlt sich das Kaninchen nahezu im Paradies. 

Ein lustiges Bild gibt ein Langohr ab, das sich neugierig und vorsichtig zugleich etwas Unbekanntem nähert: Es reckt den Hals dem Objekt des Interesses entgegen, bleibt aber mit den Läufen schön auf Distanz, damit es bei Gefahr sofort Fersengeld geben kann. Die Ohren sind dauernd in Bewegung, sie zeigen deutlich den inneren Zwiespalt und nehmen als feine Antennen gleichzeitig alle Geräusche wahr.

Auch Kaninchen könnten gekränkt, eingeschnappt oder beleidigt sein
Möchte ein Kaninchen nett zu seinem Menschen sein, schleckt es dessen Hand. Temperamentvollere Tiere knabbern manchmal auch ein wenig, wie dies unter Langohren bei der sozialen Fellpflege so Brauch ist. Das kann von einem ungeübten Halter als Beissen fehlgedeutet werden. Reagiert er jetzt abwehrend, ist dies für das Kaninchen eine Beleidigung. 

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