«Die Kritiker verstehen meine Botschaft nicht»

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Cesar Millan im Gespräch mit der «Tierwelt».
zVg
Cesar Millan
Der amerikanische Hundetrainer Cesar Millan ist bekannt und höchst umstritten wegen seiner TV-Sendung «Der Hundeflüsterer». Nun tritt er mit seiner neuen Show im Zürcher Hallenstadion auf. Die «Tierwelt» hat mit ihm gesprochen.

Mit 21 Jahren wanderte er mittellos aus Mexiko in die USA ein und machte eine grosse Karriere – er lebt den «American Dream», quasi vom Tellerwäscher zum Millionär: Cesar Millan. Doch sein Umgang mit Hunden stösst bei Tierschützern auf harsche Kritik. Sie werfen ihm vor, er arbeite mit veralteten Methoden, wende Gewalt an und schüchtere Hunde ein. Die «Tierwelt» hat mit ihm gesprochen. 

Cesar Millan, viele Tierschützer in der Schweiz forderten, dass Ihr Auftritt abgesagt wird. Was sagen Sie dazu?
Offensichtlich haben diese Leute meine Show nicht gesehen; sie konzentrieren sich auf bestimmte Szenen, die aus dem Zusammenhang gerissen sind und reduzieren alles darauf. Dabei habe ich über 300 Fernseh-Episoden gemacht. Die Kritiker kennen mich offenbar nicht und beurteilen mich sehr einseitig. 

Wie meinen Sie das?
Wenn man nur eine Seite eines Menschen betrachtet, kann man ihn nie ganz kennenlernen. Ich finde es falsch, mich zu kritisieren, wenn man mich nicht kennt. Ich will zeigen, dass Mensch und Hund glücklich zusammenleben können, wenn der Mensch mit der richtigen Energie mit dem Hund umgeht und klare Regeln vorgibt. Meine Methoden sind sekundär; aber Kritiker konzentrieren sich nur darauf und verstehen meine Botschaft nicht. 

Doch Ihre Methoden werden bemängelt.
Ich sage nicht, dass meine Methoden die einzig richtigen sind. Aber die Kritiker haben ihre Arbeitsweise, ich habe meine. Oft sind Hunde, mit denen ich arbeite, sehr schwierige Fälle. Die Leute versuchen mit allen Mitteln, mit ihrem schwierigen Hund klarzukommen, schaffen es aber nicht und rufen daher mich an. Ich bin oft ihre letzte Hoffnung, um ihren Hund wieder in die richtige Richtung zu lenken. Das Problem ist, die Leute warten bis zur letzten Minute, sie tun nichts dafür, um unerwünschtes Verhalten zu verhindern. Das ist es, was Kritiker nicht verstehen, dass ich die Leute dazu ermutigen will, ihre Hunde besser zu erziehen, indem man ihnen Grenzen setzt. Das hat nichts mit Bestrafen zu tun.  

Wie Sie mit dem Hund dann aber umgehen, wirkt brutal, beispielsweise Ihr Einsatz der Würgeleine.
Diese würgt den Hund nicht. Das Konzept ist es, den Hund nach vorne zu bringen. Mit dem Einsatz der Leine soll die Energie des Hundes gedrosselt werden. Die Leute wissen nicht, wie man sie benutzt, ich will das ihnen beibringen. Jeder, der eine Hundeshow macht, benutzt eine Leine. Dass die Leine so kurz ist, hat zwei Funktionen: Erstens, um die Nase des Hundes vom Boden fernzuhalten, und ausserdem wirkt der Hund dank der erhobenen Haltung stolz. Das hat aber nichts mit Würgen zu tun. 

Fügt das dem Hund nicht unnötig Schmerzen zu?
Mit der kurzen Leine nehme ich dem Hund Optionen weg und lenke ihn in die richtige Richtung. Ich sage damit dem Hund, wo es durchgeht; die Leine so eng zu halten ist aber nur nötig in kritischen Situationen, etwa wenn ich einen grossen Hund habe, der auf einen kleinen losgehen will. 

In einigen Szenen sieht es so aus, als würden Sie den Hund kicken.
Ich kicke nicht. Mit einer Fussbewegung will ich den Hund zu mir hinführen und will die Reaktionen hervorrufen, die ich haben will. Ich berühre ihn nur leicht mit dem Fuss. Der Gebrauch von Füssen beim Hund folgt einem ähnlichen Prinzip, wie wenn ein Reiter seinem Pferd mit den Füssen die Richtung vorgibt.  

Können Sie von der Kritik auch lernen?
Ja klar, ich kann von den Kritikern lernen und sie von mir. Der Unterschied ist aber, ich bin offen dafür, sie nicht. Doch anstatt gegeneinander könnten wir ja zusammenarbeiten. Ich habe eine Plattform mit meinen Shows und meinen Fernsehsendungen und kann so Leuten meine Botschaft zeigen. Mein Weg ist nicht der einzig richtige, aber ich will den Leuten zeigen, wie einfach es ist mit Hunden umzugehen, wenn man Grundregeln beachtet.

Was wollen Sie mit Ihrer neuen Show erreichen?
Es ist eine sehr schnelle, unterhaltsame Show. Meine Botschaft ist: Wie kann man Glück erreichen, wenn man weiss, wie man einen Hund glücklich macht. Die meisten Leute versuchen das, sie wollen, dass der Hund glücklich ist. Sie realisieren aber nicht, wie ihre Energie den Hund beeinflusst und was der Mangel an richtiger Übung und geistiger Herausforderung für den Hund für Schäden verursachen kann. Man soll den Hund herausfordern, sodass er seine Energie trainieren kann. Dabei sollte man drei Grundregeln beachten, in dieser Reihenfolge: Übung, Disziplin, Zuwendung. Die meisten Leute geben dem Hund nur Zuwendung, Zuwendung und Zuwendung. Das ist der Fehler.

Nun kommen Sie in die Schweiz. Freuen Sie sich trotz der Kritik darauf?
Ich freue mich. Ich wuchs in Mexiko auf in einfachen Verhältnissen, es macht mich demütig, wenn so viele Leute mich sehen wollen. Die Show wird teilweise auf Deutsch übersetzt, ich hoffe, der Humor und die Unterhaltung kommen trotzdem gut rüber. 

Werden Hunde in den USA anders behandelt als in Europa?
In eurem Land geht man oft mit dem Hund im Wald spazieren, Amerikaner fahren mit den Hunden im Auto herum, das beeinflusst die Tiere. Hierzulande haben es Hunde gut bei Obdachlosen. Diese sind ständig zu Fuss unterwegs, da geht es dem Hund sehr gut, weil er in Bewegung ist. Mir ist es daher sehr wichtig, den amerikanischen Hundehaltern zu sagen, wie gut Bewegung ist. Das ist auch ein Weg, bei einem sogenannten Problemhund die Aggressivität und Furcht  zu reduzieren. Ich gehe häufig rollerbladen oder Rad fahren mit den Hunden, um sie so richtig auszupowern. 

Was müsste sich noch ändern im Umgang mit Hunden? 
Viele Menschen sind heute sehr individualistisch orientiert, sich in eine Gruppe oder mit anderen Worten ein Rudel einzufügen fällt vielen schwer. Deutschland hat im Fussball gerade den Weltmeister-Titel gewonnen, weil sie ein verschworenes Rudel bildeten. Meine Freunde sind mein Rudel, meine Hunde sind das auch. Meine Kritiker mögen es offenbar nicht, wenn ich so darüber spreche. Aber das ist mir egal. Hunde sind nun mal Rudelwesen. 

Wenn Hunde und Menschen ein Rudel bilden, wie Sie sagen: Besteht nicht die Gefahr, die Hunde zu vermenschlichen?
Ja, diese Gefahr besteht. Menschen haben heute weniger Kinder, oft haben sie Hunde, um diese Lücke auszufüllen, weil sie sich sonst einsam fühlen. Der Fehler ist aber, dass sie die Bedürfnisse des Hundes mit ihren eigenen verwechseln und dem Hund nicht das geben, was er eigentlich braucht. Mein Grossvater sagte immer, man soll nie gegen Mutter Natur arbeiten. Wenn man Hunde vermenschlicht, tut man genau das; dadurch wird das Verhältnis instabil. Ein Hund bleibt ein Hund.

Was können Menschen von Hunden lernen?
Ehrlichkeit, Integrität, wahre Liebe. Hunde lieben bedingungslos, können wir das auch? Das ist der Punkt: Lass sie Hunde bleiben. Sie sind die einzige Tierart, deren Identität wir verändern wollen, weil sie uns am nächsten sind. Das führt zu fehlender Balance, denn das Glück des Hundes hängt davon ab, wie wir ihn behandeln.

Der Auftritt von Cesar Millan findet am 3. Oktober im Hallenstadion in Zürich statt. Was seine Gegner über die Methoden des «Hundeflüsterers» sagen, lesen Sie in diesem Artikel.

Dieses Interview wurde ermöglicht dank der Unterstützung durch den Eventveranstalter
ABC Productions.

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