Den Glühwürmchen gehen die Lichter aus

Glühwürmchen auf Grasblatt

Der Anblick von leuchtenden Glühwürmchen erfeut die Menschen. Leider wird er immer seltener.

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Bedrohungen weltweit
Viele Glühwürmchen-Populationen rund um den Globus werden immer kleiner oder verschwinden ganz. Zum ersten Mal hat nun eine Studie die grössten Bedrohungen für die Leuchtkäfer ermittelt.

Glühwürmchen gehören wohl zu den beliebtesten Insekten. Wer sie einmal in der Nacht fliegen gesehen hat, vergisst diesen wunderschönen, fast magischen Anblick nie mehr. Und trotzdem geht es den Glühwürmchen nicht gut.

Die Glühwürmchen oder Leuchtkäfer sind eine Familie von Käfern mit ungefähr 2000 bekannten Arten. Sie kommen weltweit vor und bevölkern verschiedenste Lebensräume wie Wälder, Feuchtgebiete, Mangrovenwälder, Kulturland, Reisfelder oder Stadtpärke. Ihnen gemeinsam ist, dass die Larvenstadien oft Monate bis Jahre dauern, während die ausgewachsenen Glühwürmchen nur einige Tage leben, in denen sie sich fortpflanzen.

Ansonsten sind ihre Lebensweisen sehr unterschiedlich. Einige Arten versammeln sich zu Tausenden für ihre leuchtenden Paarungstänze. Das zieht oft auch Touristen an, die der Population schaden können (wie zum Beispiel in Mexiko, lesen Sie hier mehr dazu). Bei anderen Arten, wie dem in der Schweiz heimischen Grossen Leuchtkäfer, kann das Weibchen nicht fliegen. Es hält sich am Boden auf und lockt mit seinem Licht die Männchen zu sich. In der Schweiz leben vier Glühwürmchen-Arten. Um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen kürte Pro Natura 2019 den Grossen Leuchtkäfer zum Tier des Jahres.

Lebensraumverlust und Lichtverschmutzung
Aber nicht nur in der Schweiz haben die Glühwürmchen mit Problemen zu kämpfen, sondern überall auf der Welt. Ihr grösstes Problem ist auch nicht der Tourismus, wie die Forscherinnen und Forscher der Glühwürmchen-Gruppe der Weltnaturschutzunion IUCN in einer am Montag in «BioScience» veröffentlichten Studie schreiben.

Demnach ergab eine Umfrage unter 49 Glühwürmchen-Experten weltweit, dass Lebensraumverlust die grösste Bedrohung darstellt. Dies trifft zum Beispiel auf Arten, deren Larven auf Mangrovenwälder angewiesen sind, ganz besonders zu. Viele Arten sind aber auch Nahrungsspezialisten, die als Larven nur eine einzige Art von Beute fressen, deren Vorkommen wiederum stark von einem intakten Lebensraum abhängt.

Die zweitgrösste Bedrohung ist die Lichtverschmutzung. In Südamerika und Ostasien übersteigt sie sogar die Gefahr, die den Glühwürmchen durch Lebensraumverlust droht. Künstliches Licht bringt den natürlichen Rhythmus der Glühwürmchen durcheinander. Sie sind zudem auf dunkle Nächte angewiesen, damit ihr Licht von ihren Artgenossen gesehen wird und sie sich fortpflanzen können. Auch in der Schweiz kämpft der Grosse Leuchtkäfer mit diesem Problem, obwohl er sich eigentlich in vielen Habitaten wohlfühlen würde. Seine Larven ernähren sich von Schnecken, die ebenfalls überall reichlich vorhanden sind.

Nicht nur Glühwürmchen profitieren
Ein weiteres Problem, mit dem der Grosse Leuchtkäfer zu kämpfen hat, ist die intensive Landwirtschaft mit ihren Pestiziden. Und er ist nicht der Einzige: Laut der Studie sind Pestizide die drittgrösste Bedrohung für die Glühwürmchen weltweit. In tropischen Ländern sind Pestizide aber nicht nur der Landwirtschaft geschuldet, sondern werden auch zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Mücken eingesetzt (lesen Sie hier mehr dazu). Viele weitere Insektenarten werden dabei ebenfalls vernichtet.

Mit ihrer Studie wollte die Glühwürmchen-Gruppe in erster Linie die Bedrohungslage der Glühwürmchen einordnen. Sie sei keine Zählung der Glühwürmchen-Populationen, sagt die Biologin und Studien-Erstautorin Sarah Lewis zu der «Washington Post». Aber es sei das erste Mal, dass solche Informationen zusammengetragen worden seien. «Immer wieder berichten Menschen, dass sie keine Glühwürmchen mehr sehen», sagt Lewis. Nun kann man einschätzen, woran das liegt und etwas dagegen unternehmen. Davon würden nicht nur die Glühwürmchen profitieren, sind doch Lebensraumverlust und Lichtverschmutzung Dinge, die vielen weiteren Arten ebenfalls Probleme bereiten.

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