So «überleben» Sie in der Schweizer Wildnis

Wald im Kanton Obwalden

Die Schweiz hat gemäss einem europäischen Bericht die grösste Fläche an Schutzwald.

Mario Krpan/Shutterstock.com

Zum «World Wildernis Day»
Mehr Wildnis — das wünscht sich die Schweizer Bevölkerung. Doch wie können Sie sicher durch unberührte Natur wandern, ohne sie zu belasten? Wie bereiten Sie eine Tour in der Wildnis vor und wie verhalten Sie sich bei Begegnungen mit deren Bewohnern? Wir haben zum heutigen «World Wildernis Day» einen Leitfaden zusammengestellt, mit dem Sie sich und Ihre Umgebung schützen können.

Klar ist: Die Schweizer Bevölkerung möchte mehr Wildnis. Eine Studie von «Pro Natura Schweiz» zeigt, dass «die Bevölkerung und auch Fachleute aus verschiedenen Gebieten sich mehr naturbelassene Räume in der Schweiz wünschen. Solche Gegenden sollten auch besser geschützt werden. 

Wer aber mehr will, der muss auch mit mehr umgehen können. Darum hier einige Tipps, wie Sie am besten durch die Schweizer Wildnis kommen.

1. Packen

Planen Sie gut, wie viel Wasser Sie brauchen. Als Daumenregel gilt: mindestens 1.5 Liter pro Person und Tag. 

Packen Sie neben ausreichend Picknick auch noch Snacks in Form von Bananen, Studentenfutter, Schokolade oder Müsliriegeln ein für den Fall, dass Sie unterzuckern. Unterzuckerung kann zu zittrigen Beinen und Schwindel führen, was sehr gefährlich sein kann.

Auch einige Helfer gehören in jeden Wanderrucksack: 
1. Klebeband, um Risse in der Jacke, dem Rucksack oder dem Zelt wasserdicht zu verschliessen. Aber auch, um beschädigte Wanderschuhe zu reparieren.
2. Schnur, um gerissene Schnürsenkel, oder Zeltschnüre zu ersetzen, als Wäscheleine oder zum aufbinden von Proviant über Nacht. 
3. Sackmesser, um Holzstöcke fürs Feuer zu schnitzen, Esswaren zu schneiden, kleinere Reparaturen vorzunehmen. 
4. Kabelbinder, zur Befestigung von eigentlich allem.
5. Spanngurt, als Ersatz vom Hosengurt oder, um Dinge am Rucksack zu befestigen.
6. Plastiksäckchen, für Abfall und für Punkt 7.
7. Taschentücher, falls Sie unterwegs Ihre Notdurft verrichten müssen. Bitte denken Sie daran, die Taschentücher auch wieder mitzunehmen und Ihr Geschäft mit Erde oder Laub zu bedecken. 
8. Kleine Notapotheke mit Verbandzeugs, Desinfektionsmittel, Pflaster, einer Schere, Schmerzmitteln und einer Zeckenzange.
 

 

2. Routen und Orientierung

Mit dem Smartphone haben Sie immer eine Orientierungshilfe im Hosensack. Hier lohnt sich die App von «Schweiz Mobil», die Sie gut lokalisiert und Wanderrouten, sowie Wegsperrungen, aktuell anzeigt. Dennoch, sich nur auf das Handy zu verlassen ist riskant. Nicht selten kommt es in abgelegenen Gegenden vor, dass Sie keinen Empfang haben. Und über Akkulaufzeiten wollen wir gar nicht erst sprechen.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie sich ein GPS-Gerät zulegen. So sind Sie weniger abhängig vom Mobilfunknetz und die meisten dieser Orientierungshelfer haben sehr lange Akkulaufzeiten.

Dennoch ist es wichtig, dass Sie immer die gute alte, aber aktuelle, Wanderkarte dabei haben und auch wissen, wie Sie sich damit zu orientieren haben. Es lohnt sich, in eine topografische Karte zu investieren. In ihr sind auch Informationen zum Gelände, sprich Hügeln, Bergen, Seen und Sümpfen verzeichnet. Ideal zum Wandern ist eine Karte im Massstab von 1:25.000 oder 1:50.000. Auch ein Kompass ist nie fehl am Platz. Falls Sie mal die Orientierung verlieren, können Sie mit Karte und Kompass den Weg wiederfinden. Wichtig: Üben Sie vor Ihrer Tour den Umgang mit Karte und Kompass. Das Magazin «Bergzeit» bietet eine sehr verständliche Anleitung.

 

3. Ausrüstung

Kleiden Sie sich nach dem Zwiebelprinzip — mehrere Schichten mit leichten, atmungsaktiven und winddichten Kleidungsstücken übereinander, die Sie aus- und wieder anziehen können. Investieren Sie in hochwertige Funktionskleidung und verzichten Sie auf Baumwolle, da diese lang braucht zum Trocknen. Pro-Tipp: Nehmen Sie ein zusätzliches Oberteil mit, dass Sie beim Rasten anziehen können, während das verschwitzte trocknet. So kühlen Sie weniger aus. Wenn Sie in die Höhe wandern, achten Sie darauf, dass Sie auch eine Mütze und Handschuhe mitnehmen. Die Temperaturunterschiede können sehr gross sein. 

Bei den Schuhen ist die Devise: Lassen Sie sich ausgiebig beraten! Beim Wandern sind sie der Schlüssel zum Glück. Bequeme, gut sitzende Wanderschuhe entscheiden, ob Sie die Zeit geniessen oder nicht. Und wie so oft sind die Bedürfnisse unterschiedlich und das Angebot riesig. Die Sohle sollte sehr rutschfest sein und das Material wasserabweisend. Ob es sich dabei um Kunst- oder Naturmaterialien handelt, entscheidet Ihr Fuss. 

Auch der Rucksack will gut ausgesucht und angepasst sein. Achten Sie darauf, dass er zu Ihrer Oberkörperlänge passt, dass er einen Regenschutz hat und am Rücken mit einem Netz ausgestattet ist. Das sorgt dafür, dass Sie weniger schwitzen. Viele Fächer und Halterungen sind tolle Zusätze, aber nicht wichtiger als der Sitz und Komfort. 

Wie Sie Ihren Rucksack richtig einstellen, sehen Sie im Video. 

Video: Wanderrucksack richtig anpassen

4. Übernachten

Planen Sie, die Nacht unter freiem Himmel zu verbringen oder im Zelt zu schlafen, dann überprüfen Sie vor Abmarsch die Nachttemperaturen. Dementsprechend sollten Sie Ihren Schlafsack und Ihre Nachtkleider wählen. Generell ist es wichtig, dass Sie Vorräte luftdicht verschliessen und mit etwas Entfernung vom Camp aufhängen. Wildschweine und andere nachtaktive Waldbewohner wittern die Leckereien in Ihrem Rucksack schnell und auf deren Besuch können Sie gut verzichten.

Auch eine Stirnlampe ist unverzichtbar. Legen Sie mit Ihren Begleitern eine WC-Stelle fest, diese sollte sich möglichst weit weg von Ihrem Schlafplatz befinden. Ausserdem gehören Hinterlassenschaften vergraben. 

Überprüfen Sie den Untergrund vor dem Aufbau des Lagers. Sie wollen nicht auf einem Ameisenhaufen schlafen. 

5. Feuer machen

Ob Sie nun im Wald übernachten, oder nur eine Wurst «brötlen» wollen. Wenn Sie im Freien Feuer machen wollen, gilt es einiges zu beachten. Am wichtigsten ist, dass Sie sich über die Brandgefahr im Wandergebiet informieren. Nicht selten sind Gebiete so trocken, dass sich Brände schnell ausbreiten können.

Ausserdem ist es empfehlenswert, sich an die bereits angelegten Feuerstellen zu halten. Hier finden Sie eine gute Übersicht. Wenn Sie dennoch ein eigenes Feuer machen möchten, halten Sie mindestens drei Meter Abstand von allem brennbaren Materialien. Verwenden Sie nur unbehandeltes Holz oder Holzbriketts und achten Sie beim Verlassen des Lagerplatzes darauf, dass die Glut ausgekühlt ist oder löschen Sie die Feuerstelle vollständig! Das geht am besten mit Sand oder Wasser.

Verboten ist Feuermachen an folgenden Orten:

  • Naturschutzgebiete
  • Nationalparks und Naturreservate
  • fremde Vorgärten und in Sichtweite von Straßen oder Häusern
  • Jagdregionen
  • auf öffentlichen Plätzen oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen

6. Umgang mit Wildtieren

Wir wollen mehr Wildnis — so viel steht fest. Doch damit müssen wir auch umgehen können. Wenn wir unsere Wälder mit Wildschweinen, Rehen, Hirschen, Wölfen und zahllosen anderen Tieren teilen, müssen wir uns anpassen. Generell gilt — halten Sie sich auf den ausgeschilderten Wanderwegen auf und meiden Sie es, die Territorien der Tiere zu bewandern. Und dennoch haben Sie eine Verantwortung gegenüber der Waldbewohner. 

Verhalten gegenüber Fluchttieren:
Rehe, Hirsche, Gämsen oder andere Fluchtiere werden Sie meiden und stellt keine Gefahr dar. Sie aber befinden sich im Wohnzimmer dieser sensiblen Lebewesen. Verhalten Sie sich darum leise und rücksichtsvoll, lassen Sie keinen Müll oder Essensreste liegen — die Tiere können daran verenden. Und ganz wichtig: Nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine. Egal, ob es sich um einen super erzogenen Begleiter handelt, einem vorbeispringenden Reh kann kaum ein Jäger widerstehen. Gerade für junge oder tragende Tiere sind Hundeattacken purer Stress. 

Begegnungen mit Wildschweinen:
Wildschweine können gefährlich für den Menschen werden, besonders wenn sie Frischlinge haben. Wenn ein Wildschwein seinen Schwanz aufstellt, laut durch die Nase schnaubt, den Kopf hin und her wirft und mit den Zähnen klappert, ist eindeutig Gefahr in Verzug: Ein Angriff steht kurz bevor. Gehen ein Keiler oder eine Bache auf Konfrontationskurs, bleiben Sie ruhig. Machen Sie sich gross, klatschen Sie in die Hände und seien Sie laut. Meist verzieht sich das Borstentier dann. Nutzt das nichts, entfernen Sie sich langsam und rückwärts. Machen Sie keine hektischen Bewegungen. Im besten Fall suchen Sie sich einen Baum oder einen Hochsitz und warten, bis die Rotte weitergezogen ist. 

Begegnungen mit Wölfen: 
Hier gilt eigentlich dasselbe, wie für alle Wildtiere. Kreuzen Sie den Lebensraum nicht, sind Sie auch nicht in Gefahr. Kommt es doch zu einer Begegnung, bleiben Sie ruhig und machen Sie mit bestimmter Stimme auf sich aufmerksam. Flieht der Wolf nicht, entfernen Sie sich langsam und mit Blickkontakt. Verfolgen und fotografieren Sie den Wolf nie und noch wichtiger: Wölfe dürfen niemals gefüttert werden. Hunde können für den Wolf ein Eindringling sein, halten Sie darum Ihre Fellnase an der Leine und beruhigen ihn. Auffällige Wölfe oder Wildrisse müssen immer dem Waldhüter gemeldet werden. 

Autor

Redaktorin Berit-Silja Gründlers

Berit-Silja Gründlers

Berit-Silja Gründlers ist Online-Redaktorin bei der «Tierwelt». Privat hat sie vom Guppi bis zum Kaltblut schon so ziemlich jedes Haustier angeschleppt und hat darum daheim «Tier-Verbot». Das aktuellste und grösste Projekt ist ihre 15-jährige Mèrens-Stute, die sie aus einem spanischen Touristen-Stall gerettet hat und der sie mit viel Geduld zeigt, dass Menschen auch ganz nett sein können. Besonders, wenn sie Kekse in der Tasche haben. 

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