«Tiger King 2»: Zelebrierte Tierquälerei geht in die zweite Runde

Tiger King Staffel 2

Nachdem Joe Exotic im Knast gelandet ist, übernahm einer seiner Erzfeinde für kurze Zeit den Tierpark «Tiger King».

Netflix

Hilfe für Tiger
Nach dem weltweiten Erfolg der ersten Staffel geht die Netflix-Serie «Tiger King» in die zweite Runde. Und auch hier steht nicht der Schutz der artfremd gehaltenen Raubkatzen im Zentrum, vielmehr wird auf ihre Kosten eine mörderische Posse amerikanischer Extremisten zelebriert.

Man mag von «Tiger King» halten, was man möchte — der Erfolg ist der Serie nicht abzusprechen. Millionen Menschen rund um den Globus sahen die erste Staffel über den exzentrischen «Zoo»-Besitzer Joe Exotic, seiner Erz-Nemesis und selbst ernannten Tierschützerin Carol Baskin und ihrer Entourage. Es geht um Mord, Mordlust, verletzte Egos in einer amerikanischen Gesellschaftsschicht, die wir nur zu gerne aus der Ferne stirnrunzelnd beobachten. Fremdschämen ist halt auch ein Spass. 

Was dabei gerne vergessen geht, ist, dass diese Menschen Tiger, Panther, Leoparden und andere Wildkatzen halten. Wildkatzen, die in freier Natur gefährdet sind. Die Tiere fristen in den dargestellten Zoos, die vielmehr Vergnügungsparks sind, ein unfassbar trauriges Dasein. In viel zu kleinen Käfigen gehalten, entwickeln die erwachsenen Tiere krankhafte Verhaltensstörungen. Sie sind in ständigem Kontakt mit Menschen und schon die Welpen müssen für Fototermine mit unzähligen Besuchern herhalten. Und nicht nur in Amerika werden exotische Tiere, unter anderem Tiger, artfremd gehalten.

Video: Trailer zu «Tiger King 2»

Gemäss der Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» leben 1‘600 Tiger in Gefangenschaft in Europa, 7‘000 in den USA und 1‘500 in Südafrika. In der Wildnis leben zum Vergleich nur noch etwa 3‘900 Tiere. Im ersten Teil Serie wird am Rande darüber berichtet, dass Hauptperson Joe Exotic sich Tieren entledigt haben soll, die ihm kein Geld mehr brachte. Eine Praxis, die eigentlich verboten ist. Dennoch werden Tiger in Gefangenschaft nicht selten getötet und ihre Körperteile, Haut und Knochen für die Verwendung in traditioneller Medizin oder zur Schmuckherstellung verkauft.

«Vier Pfoten» schreibt weiter, dass Grosskatzen und exotische Tiere nicht nur in den USA unzureichend geschützt sind. In einigen Ländern der EU sei die Privathaltung und Verwendung in Zirkussen noch immer legal. Der kommerzielle Handel sei zudem nicht ausreichend reguliert und kontrolliert. Weil die Haltungsanforderungen in diesen Ländern unzureichend seien, sei es einfach für Züchter*innen und Händler*innen, Tiger zu erwerben und Profit aus ihnen zu schlagen: Ein lebender, in Europa gezüchteter Tiger bringt bis zu 5‘300 Franken ein, während ein toter Tiger bis zu 23‘000 Franken wert ist.

Die Zuschauer von «Tiger King» sollen hinter die seichte Unterhaltung der Serie blicken, das Elend der Tiere durchschauen, bittet dieTierschutzorganisation. Dem kranken «Spass» ein Ende setzen kann nur ein Verbot des kommerziellen Handels und ob «Tiger King» da die richtige Botschaft sendet, sei dahin gestellt.

Autor

Redaktorin Berit-Silja Gründlers

Berit-Silja Gründlers

Berit-Silja Gründlers ist Online-Redaktorin bei der «Tierwelt». Privat hat sie vom Guppi bis zum Kaltblut schon so ziemlich jedes Haustier angeschleppt und hat darum daheim «Tier-Verbot». Das aktuellste und grösste Projekt ist ihre 15-jährige Mèrens-Stute, die sie aus einem spanischen Touristen-Stall gerettet hat und der sie mit viel Geduld zeigt, dass Menschen auch ganz nett sein können. Besonders, wenn sie Kekse in der Tasche haben. 

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