Wettlauf gegen die Varroamilbe

Bienen

An den eigenen Bienenvölkern lässt sich am besten beobachten, was im Kampf gegen die Varroamilbe hilft. 

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Tierpark Goldau SZ
Der Tierpark Goldau hält 50 Bienenvölker, allerdings nicht in erster Linie der Honigproduktion wegen. Vielmehr soll das ambitionierte Forschungsprojekt «Mehr als Bienen» unter anderem neue Erkenntnisse im Kampf gegen die Varroamilbe liefern.

Abnahme der Biodiversität, der Einfluss unserer Gesellschaft, Krankheiten: Viele Faktoren sind dafür verantwortlich, dass der Bestand der Honigbienen und Hummeln laufend abnimmt. Für den Natur- und Tierpark Goldau SZ war das der Anlass, sich dem Thema anzunehmen.

Mit dem Projekt «Mehr als Bienen» stellt er die Tiere in den Fokus, mit dem übergeordneten Ziel, gesunde kräftige Völker aufzubauen. Sie sollen später bei der Forschung helfen: Mit ihrer Hilfe erhofft sich der Tierpark, dereinst Methoden zu finden, wie der Varroamilbe Einhalt geboten werden kann. Der Parasit bedroht die Honigbienen.

Einblicke ins Bienen- und Hummelleben
Bis die Völker soweit gediehen sind, verfolgt der Tierpark die Mission, ihr Leben den Besuchern näher zu bringen. Dafür seien Bienen als Bindeglieder zur Ökologie perfekt geeignet, ist im Projektbeschrieb zu lesen. Mit ihrer Hilfe liessen sich komplexe Themen anschaulich aufzeigen. Bienen würden Tierpark-Besuchenden und Schulklassen einen spielerischen Einblick in die Welt der Biodiversität und der Lebensräume ermöglichen. Um dem Verlust von Lebensräumen entgegen zu wirken, vermittelt der Natur- und Tierpark auch praktische Tipps: etwa zur Naturförderung im eigenen Garten, in dem man den Tieren einen Platz gibt. Die Unterstützung der Bienen beginnt eben damit, dass man die Bevölkerung über sie informiert und für die Gründe deren Abnahme sensibilisiert. 

Ankunft der ersten Bienenvölker
Neben der Bildung legt der Tierpark das Gewicht aber auch auf die Forschung. Aus diesem Grunde kamen 2019 die ersten Bienenvölker nach Goldau, und die meisten der mittlerweile 50 hätten den warmen letzten Winter gut überstanden. Das meldet die Institution. 

Doch das milde Klima blieb nicht ohne Folgen: Da es auch im Frühling warm war, wuchsen die Blütenplanzen schneller als in anderen Jahren. Dadurch war ihre Entwicklung derjenigen der Bienenvölker um Wochen voraus. Die Tiere hatten noch nicht genug Kraft, um etwa den Nektar des blühenden Löwenzahns zu sammeln und einzulagern, der eigentlich im Überfluss vorhanden war. 

Nun standen die Imker des Natur- und Tierparks Goldau vor einer Herausforderung: Sie mussten die Prozesse aufeinander abstimmen. Erst Anfang April waren die Bienen stark genug. Damit war die Zeit gekommen, die Honigräume aufzusetzen. Sie enthalten die Honigrahmen, die von den Bienen ausgebaut werden. In ihnen entstehen die Waben. Die Tiere machten sich emsig ans Werk. Dadurch hatten sie aber nur wenig Kapazität, um Honig zu sammeln. Aus diesem Grund verzichteten die Imker vorerst darauf, im Juni den ersten Honig zu schleudern und überliessen den Nektar den Bienen . 

Wie der Natur- und Tierpark schreibt, entwickelten sich die Völker prächtig: Nur gerade vier schwärmten. Die stärksten von ihnen gründeten zudem Ableger, Jungvölker, die einen allfälligen Verlust im bevorstehenden Winter 2020/2021 ausgleichen sollen. Im August meldete «Tierwelt online» schliesslich, dass der erste Tierpark-Honig bereit sei.

Drei grosse Forschungsschwerpunkte
Die Imkerei steht aber nicht im Zentrum des Projekts «Mehr als Bienen». In erster Linie widmet es sich der Forschung, vor allem der Wildbienen. Das Interesse gilt zunächst den Blütenpräferenzen von Maskenbienen in der Zentralschweiz. Ein Schwerpunkt liegt auf seltenen Arten, ein zweiter auf alpinen. Dazu wurde eine Methode entwickelt, die auf der Analyse der mikroskopisch kleinen Pollenladungen basiert, welche die Tiere transportieren. Die Beobachtung soll deren Herkunft zeigen. Die Forscher erhoffen sich, aus den gewonnen Erkenntnissen Fördermassnahmen für seltene und gefährdete Arten ableiten zu können.  

Ein zweiter Fokus liegt auf markhaltigen Pflanzenstängeln. Sie werden von Wildbienen und Solitärwespen gerne als Nistplätze verwendet. Das Projekt bezweckt, Artenumfang und Zusammensetzung der markstängelnistenden Bienen und Wespen zu bestimmen. Dazu bringt man auf verschiedenen Flächen werden sogenannte Trapnest-Bündel an. Darunter versteht man Stängel, die zusammengebunden werden und den Bienen als Unterschlupf dienen. Mit dieser Methode lassen sich langfristig die Arten und Häufigkeit ihres Vorkommens untersuchen. 

Im Fokus: die Hummel
Der dritte Foschungszweig fokussiert auf zwei hochgrädig gefährdete, feuchtgebietsbewohnende Hummelarten. Hier interessieren sich die Imker vor allem für die Nistplatzansprüche und Pollenquellen. Speziell ausgebildete Hunde helfen, Hummelnester aufzuspüren, worauf sich die Präferenzen der Tiere untersuchen lassen. Zusätzlich ermitteln die Forscher das Spektrum der Nahrungsmittelpflanzen. Auch hierbei wird eine Methode angewandt, bei der das Lichtmikroskop eine Rolle spielt: Mit seiner Hilfe lassen sich die von den Hummelarbeiterinnen gesammelten Pollen genetisch analysieren. 

Mit all diesen Massnahmen und Forschungen bezweckt der Tier- und Naturpark Goldau unter anderem, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Völker gestärkt werden können. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie sich später für die Suche nach einer alternativen Behandlung gegen die Varroamilbe einsetzen lassen.

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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