Die Katze, die Hunde mag

Radgoll-Kater Sindbad
Ragdoll
Sie baden gerne, verstehen sich mit Hunden und folgen ihrem Menschen auf Schritt und Tritt. Obwohl die Ragdolls bei Züchter-Familie Gnädinger im Rudel leben, bleiben Rangkämpfe fast gänzlich aus.

In der Stube steht ein riesiger Kratzbaum, daneben ein grosses Aquarium «das Katzenkino», die Fenster sind mit Gittern gesichert und kleine Holzbettchen und mit Lammfell bezogene Stühle laden zum Schlafen ein. An den Wänden hinter dem Esstisch hängen viele Katzenfotos. «Das sind alles Büsi aus unserer Zucht», schwärmt Sonja Gnädinger. «Das ist das Grösste, wenn man Bilder vom neuen Zuhause kriegt.» Dass Sonja und Markus Gnädinger ihr Leben ganz auf die Zucht ihrer Ragdolls ausgerichtet haben, sieht man auf den ersten Blick. Wie viele Tiere mit im Haus leben, lässt sich dagegen bloss erahnen. Selten hört man ein leises Miauen oder sieht eines der blauen Augenpaare aufblitzen. «Die Ragdoll ist eine sehr entspannte Rasse», sagt Sonja Gnädinger. Auch im Rudel komme es nur ganz selten zu Raufereien.

Aber nicht nur das freundliche Wesen hat Markus Gnädinger überzeugt, als er vor 14 Jahren bei einer nächtlichen Internetrecherche auf die Ragdolls gestossen ist: «Der Anblick hat mich umgehauen.» Und tatsächlich ist der Auftritt von Gnädingers Mitbewohnern imposant. Als der rote Nando vorbeistreift, hat man das Bild eines Tigers im Kopf. Der Gang, der lange muskulöse Körper und die grossen zotteligen Tatzen erinnern an das Wildtier. Der Grösste in Gnädingers Rudel ist allerdings Sindbad. «Er bringt rund acht Kilo auf die Waage», sagt Sonja Gnädinger. «Hat man ihn auf dem Schoss, ist man froh, wenn er wieder aufsteht.» Trotzdem erinnert Sindbad durch seine dunkelbraune Zeichnung eher an eine Siamkatze als an einen Tiger.

Ein langer und buschiger Schwanz
Nochmals ganz anders sehen Cleopatra und Soraya aus. Sie tragen ein umgekehrtes weis­ses V im Gesicht und haben ein fleischfarbenes Näschen. Als sogenannte Bicolour gehören sie damit zu den Seltensten ihrer Rasse. Je breiter das umgekehrte V, desto wertvoller ist das Büsi für eine allfällige Weiterzucht. «So ein Tier kostet dann ab 2000 Franken aufwärts», weiss Markus Gnädinger. Ansonsten liegt der Preis für eine Ragdoll bei rund 1300 Franken. 

Was alle Ragdoll gemein haben, ist der lange und buschige Schwanz. Er steht steil nach oben, wenn sie ihrem Menschen auf Schritt und Tritt folgen. «Sie sind sehr menschenbezogen», sagt Markus Gnädinger. Morgens kämen sie sogar mit ins Bad. Ihr Wesen könne nicht viel erschüttern. «Wenn sie wissen, der Mensch meint es gut mit ihnen, dann kann viel passieren.»

Eines der Büsi aus ihrer Zucht sei mal spurlos verschwunden. «Mozart lebte damals als Freigänger auf einem Pferdehof», erzählt Sonja Gnädinger. Über Wochen gabs trotz intensiver Suche kein Lebenszeichen von ihm. Erst drei Monate später fand man ihn total verdreckt und mit roter Farbe und Öl verschmiert wieder. «Er muss Schlimmes durchlebt haben», sagt die Züchterin. Als sie ihn bei der Besitzerin besuchte, sei ihr Mozart aber direkt in die Arme gesprungen. «Das sind Momente, die kann einem niemand mehr nehmen.»

Steckbrief

Typ: Mittelgrosse bis grosse Katze
Fell: Halblanghaar, wenig bis keine Unterwolle
Farbe: Alle Farben sind erlaubt
(ca. 20 Farben und 60 Varietäten)
Gewicht: Kater: 6,5 bis 10 Kilo, Katze: 4,5 bis 6,5 Kilo
Augen: Gross, oval, Augenrand eine Linie mit Ohrenansatz, blau
Ursprung: Kalifornien USA
Aktivität/Bewegungsdrang: Sanftmütig und ruhig
Kontaktfreudigkeit: Anhänglich und sehr menschen­bezogen, braucht Sozialpartner derselben Artgenossen, versteht sich gut mit Hunden
Kommunikation: Ruhig, spricht mit ihrem Menschen
Kinderfreundlichkeit: Geduldig und tolerant
Wohnungseignung: Sehr geeignet, schätzt aber gesicherte offene Fenster oder Balkone
Pflegeaufwand: Mittel bis gering, bei Bedarf bürsten

Radgoll-Katze Cleopatra

Statt einer wurden es drei
Obwohl sie sehr menschenbezogen sind, ist für die Ragdolls auch ein Sozialpartner der eigenen Art wichtig. Gnädingers wollten ursprünglich nur eine Katze. Die damalige Züchterin gab ihre Tiere aber nur im Doppelpack ab. «Schliesslich sind wir dann sogar mit drei Katzen nach Hause», sagt Sonja Gnädinger und lacht. Dass nun ein ganzes Rudel mit im Haus in Flurlingen im Zürcher Weinland lebe, sei allerdings nicht geplant gewesen. «Eigentlich sind wir in die Zucht reingerutscht, weil sich unsere Enkelin Büsi-Nachwuchs wünschte.»

Und auch nach über 20 Würfen bezeichnen sich die  Gnädingers noch als «Exoten» unter den Züchtern. Zum einen, weil sie vorwiegend für Liebhaber züchten, und zum andern, weil sie alle Muttertiere behalten. «Haben wir uns für ein Büsi entschieden, dann bleibt es bis zum Schluss bei uns.» Sie würden es nicht übers Herz bringen, ein Zuchttier nach vier oder fünf Jahren weiterzugeben.

Dass die Optik aber auch bei Gnädigners nicht ganz nebensächlich ist, zeigen die vielen farbigen Siegerschleifen, die überall verteilt im Haus hängen. Unzählige Male haben Markus und Sonja Gnädinger mit ihren Büsi Ausstellungen besucht und Preise abgeräumt. «Alle unsere Katzen haben einen Titel und sind mindestens Schweizer Meister», sagt Markus Gnädinger stolz. Kein Wunder also, hat sogar schon der Generalkonsul von Italien bei ihnen zwei Büsi geholt.
Dabei hätten sie zu Anfang gar nicht genau gewusst, was ein Siegerbüsi mitbringen müsse. «Nanny war eine unserer drei ersten Ragdolls», erzählt Sonja Gnädinger. Sie sei eine ganz fleckige gewesen und habe ausser ihr niemandem in der Familie so richtig gefallen. Ihr Mann habe sich sogar geschämt, als sie Nanny zu einer Ausstellung mitnehmen wollte. «Er meinte: ‹Mit der gewinnst du nicht einmal einen Blumentopf!›.» Aber Sonja Gnädinger setzte sich durch – und Nanny auch. Von den Preisrichtern gabs nur Komplimente und sie machte den ersten Platz.

Auch was es überhaupt heisse, eine Zucht zu betreiben, hätten sie erst lernen müssen. «Jeder Franken ist mit viel Stress verdient», sagt Markus Gnädinger. «Ich bin zwar nur der Assistent, aber für meine Frau ist das ein Fulltime-Job.» Dabei macht die Fellpflege der halblanghaarigen Tiere nur einen geringen Teil aus. Es reiche, sie nach Bedarf zu bürsten. «Wenn ich beim Streicheln einen Zottel spüre, bürste ich den raus», sagt Sonja Gnädinger. «Sindbad bürste ich auch einfach mal so, weil ers besonders gerne mag.» Vor einer Ausstellung würden die Katzen gebadet. «Unsere machen das prima mit. Sie legen sich sogar in die Badewanne und lassen sich abduschen.» Im Privaten sei dies aber nicht nötig.

Die meiste Arbeit falle mit Putzen an und damit sind nicht nur die Katzenklos gemeint. «Ich könnte eigentlich nonstop staubsaugen», sagt Sonja Gnädinger. Einmal im Tag müsse aber reichen. «Dann hat man vielleicht mal Katzenhaare an den Kleidern», sagt ihr Mann. «Aber für uns ist das Natur.»

Dass die beiden mit so viel Engagement dabei sind, hat allerdings auch schon zu Spannungen in der Familie geführt. So hätten die Büsi auch schon Familienfeiern gesprengt. Schon zwei Würfe fielen genau auf den Geburtstag von Sonja Gnädinger. «Einmal sas­sen wir mit versammelter Gesellschaft am Tisch, als es losging.» In so einem Moment steht die Familie dann hintenan. Und gibts denn auch unter den Büsi einen Favoriten? «Ja, ich habe ein Lieblingsbüsi», gibt Sonja Gnädinger zu. Welches es ist, will sie aber nicht verraten. «Das macht man bei den eigenen Kindern ja auch nicht.»

Statt einer wurden es drei
Obwohl sie sehr menschenbezogen sind, ist für die Ragdolls auch ein Sozialpartner der eigenen Art wichtig. Gnädingers wollten ursprünglich nur eine Katze. Die damalige Züchterin gab ihre Tiere aber nur im Doppelpack ab. «Schliesslich sind wir dann sogar mit drei Katzen nach Hause», sagt Sonja Gnädinger und lacht. Dass nun ein ganzes Rudel mit im Haus in Flurlingen im Zürcher Weinland lebe, sei allerdings nicht geplant gewesen. «Eigentlich sind wir in die Zucht reingerutscht, weil sich unsere Enkelin Büsi-Nachwuchs wünschte.»

Und auch nach über 20 Würfen bezeichnen sich die  Gnädingers noch als «Exoten» unter den Züchtern. Zum einen, weil sie vorwiegend für Liebhaber züchten, und zum andern, weil sie alle Muttertiere behalten. «Haben wir uns für ein Büsi entschieden, dann bleibt es bis zum Schluss bei uns.» Sie würden es nicht übers Herz bringen, ein Zuchttier nach vier oder fünf Jahren weiterzugeben.

Dass die Optik aber auch bei Gnädigners nicht ganz nebensächlich ist, zeigen die vielen farbigen Siegerschleifen, die überall verteilt im Haus hängen. Unzählige Male haben Markus und Sonja Gnädinger mit ihren Büsi Ausstellungen besucht und Preise abgeräumt. «Alle unsere Katzen haben einen Titel und sind mindestens Schweizer Meister», sagt Markus Gnädinger stolz. Kein Wunder also, hat sogar schon der Generalkonsul von Italien bei ihnen zwei Büsi geholt.
Dabei hätten sie zu Anfang gar nicht genau gewusst, was ein Siegerbüsi mitbringen müsse. «Nanny war eine unserer drei ersten Ragdolls», erzählt Sonja Gnädinger. Sie sei eine ganz fleckige gewesen und habe ausser ihr niemandem in der Familie so richtig gefallen. Ihr Mann habe sich sogar geschämt, als sie Nanny zu einer Ausstellung mitnehmen wollte. «Er meinte: ‹Mit der gewinnst du nicht einmal einen Blumentopf!›.» Aber Sonja Gnädinger setzte sich durch – und Nanny auch. Von den Preisrichtern gabs nur Komplimente und sie machte den ersten Platz.

Auch was es überhaupt heisse, eine Zucht zu betreiben, hätten sie erst lernen müssen. «Jeder Franken ist mit viel Stress verdient», sagt Markus Gnädinger. «Ich bin zwar nur der Assistent, aber für meine Frau ist das ein Fulltime-Job.» Dabei macht die Fellpflege der halblanghaarigen Tiere nur einen geringen Teil aus. Es reiche, sie nach Bedarf zu bürsten. «Wenn ich beim Streicheln einen Zottel spüre, bürste ich den raus», sagt Sonja Gnädinger. «Sindbad bürste ich auch einfach mal so, weil ers besonders gerne mag.» Vor einer Ausstellung würden die Katzen gebadet. «Unsere machen das prima mit. Sie legen sich sogar in die Badewanne und lassen sich abduschen.» Im Privaten sei dies aber nicht nötig.

Die meiste Arbeit falle mit Putzen an und damit sind nicht nur die Katzenklos gemeint. «Ich könnte eigentlich nonstop staubsaugen», sagt Sonja Gnädinger. Einmal im Tag müsse aber reichen. «Dann hat man vielleicht mal Katzenhaare an den Kleidern», sagt ihr Mann. «Aber für uns ist das Natur.»

Dass die beiden mit so viel Engagement dabei sind, hat allerdings auch schon zu Spannungen in der Familie geführt. So hätten die Büsi auch schon Familienfeiern gesprengt. Schon zwei Würfe fielen genau auf den Geburtstag von Sonja Gnädinger. «Einmal sas­sen wir mit versammelter Gesellschaft am Tisch, als es losging.» In so einem Moment steht die Familie dann hintenan. Und gibts denn auch unter den Büsi einen Favoriten? «Ja, ich habe ein Lieblingsbüsi», gibt Sonja Gnädinger zu. Welches es ist, will sie aber nicht verraten. «Das macht man bei den eigenen Kindern ja auch nicht.»

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