Die Exoten unter den Kakadus

Rosakakadu im trockenen Gras
Aus Australien
Nebst den weissen und schwarzen Kakadus gibt es zwei, die nochmals ganz anders aussehen. Der Rosakakadu und der Helmkakadu sind beides Australier mit exquisitem Aussehen.

Allen Kakadus eigen ist eine attraktive Federhaube, die sie bei Erregung aufrichten. Manche sind dekorativ nach oben gerichtet, nach vorne spitz zulaufend, breit und imposant, schopfartig oder entpuppen sich als Farbenreigen. Von ihrem äusseren Erscheinungsbild her lässt sich die Familie der Kakadus grob in zwei Gruppen unterteilen: die weissen Kakadus (lesen Sie hier mehr dazu) und die schwarzen Kakadus (lesen Sie hier mehr dazu). Die weissen Kakadus werden in der Gattung Cacatua zusammengefasst, die schwarzen unter Calyptorhynchus und Probosciger, in Letzterer ist einzig der Palmkakadu eingeteilt.

Der Rosakakadu (Eolophus roseicapilla) passt nicht in diese Gattungen. Seine Haube ist klein und breit, und wenn er nicht erregt ist, sieht man sie gar nicht. Er ist der einzige Vertreter der Gattung Eolophus. Wissenschaftler teilten ihn aufgrund seines etwas anderen Erscheinungsbilds so ein. Weisse Federn findet man an ihm kaum. Er besticht mit Rosa-Farben in verschiedenen Nuancen. Während der Oberkopf aus hell-rosa Federn besteht, leuchten Unterkopf, Brust, Bauch und ein Teil der Unterflügel in einem tiefen Rosa, ganz ähnlich der rötlichen Erde Australiens, wo er auch herkommt und fast im ganzen Land in trockenen Gebieten und sogar in Stadtparks verbreitet ist.

Das übrige Federkleid ist gräulich. Beide Geschlechter sehen gleich aus, bis auf die Iris des Weibchens, die rosarot ist, während das ganze Auge des Männchens schwarz ist. Rosakakadus sind attraktiv. Das hat dazu geführt, dass sie in den USA zu beliebten Heimvögeln wurden. Sie schreien zwar laut, aber nicht so markdurchdringend wie die grossen, weis­sen Arten. So betrieb der einstige Zuchtbetrieb ABRC in Loxahatchee, Florida, eine eigene Zuchtanlage für diese Vögel, Eier wurden immer zur Handaufzucht entnommen.

In der Schweiz aber sind Rosakakadus bis heute selten in Menschenhand, obwohl man für sie – anders als bei grossen Arten – keine Haltebewilligung benötigt. Elodie Glardon aus Glattpark ZH hält zwei reizende zutrauliche Rosakakadus in einer Zimmervoliere in einer Blockwohnung. Sie beschäftigt sich intensiv mit ihnen und trainiert sie. Das hat auch dazu geführt, dass sie nur sehr wenig von ihren Stimmen Gebrauch machen.

Helmkadadus

Mit filigraner Federhaube
Eine grosse Rarität in den Volieren ist der Helmkakadu (Callocephalon fimbriatum). Anders als der Rosakakadu stammt er aus Wäldern im Südosten Australiens. Die verwandtschaftlichen Beziehungen dieses Sonderlings sind nicht geklärt. Auch er bildet mit Callocephalon eine monotypische Gattung. Die Art weist deutliche Geschlechtsunterschiede auf. Das Männchen hat einen roten Kopf und eine ebensolche Haube, beim Weibchen sind Kopf und Haube braun-gräulich.

Der Kopf junger Männchen ist grau-bräunlich, jedoch von roten Federn durchsetzt. Die Haube des Helmkakadus ist einzigartig. Sie besteht aus filigranen Federbüscheln. Unverwechselbar ist auch sein Ruf. Der Kontaktruf ist nur selten zu hören, und er wurde ähnlich dem Geräusch eines sehr fest sitzenden Korkens, den man aus einer Flasche zieht, beschrieben. Öfter ist ein knatternder Laut bei der Nahrungsaufnahme zu hören. 

Helmkakadus sind sehr anspruchsvolle Pfleglinge. Sie ernähren sich in Australien von Samen einheimischer und eingeführter Bäume und sind viele Stunden des Tages mit dem Herausklauben von Samenkapseln beschäftigt. Unter Menschenobhut sind sie oft unterbeschäftigt und neigen deshalb dazu, sich ihr Gefieder selber zu rupfen. Bei Haltern, die ihnen immer ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, sind es aber exquisite, bezaubernde Vögel. Helmkakadus lieben kühles Wetter, da sie in Australien in höheren Lagen leben. 

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

Kommentare (0)