Kleines Farbkanarien-Lexikon

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Ziervögel
Die vielen Farbenschläge des Kanarienvogels werden unter bestimmten Voraussetzungen herausgezüchtet. Nachfolgend ein kleiner Überblick über geheimnisvoll scheinende Bezeichnungen, denen man an Ausstellungen begegnet. 

Chat
Achatkanarien heissen wegen ihrer mild- grauen Strichelung wie ein Edelstein. Ihr Gefieder weist eine Verdünnung der schwarzen Eumelanine auf.

Carotinoide
Carotinoide sind essenziell für die Gefiederfarbe gelb und rot. Weil die in Pflanzen vorhandenen Carotinoide  im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden, werden sie auch als Provitamin A bezeichnet.

Färbmittel
Während frühere Kanarienzüchter die Gefiederfarben ihrer Vögel rein mit pflanzlichen Gaben (siehe unter «Lutein») verbesserten, gibt es heute im Zoohandel künstliche Farbstoffe. Damit kann die farbliche Ausprägung der Lipochrome und Melanine in den Federn und in den Hornteilen beeinflusst werden. Es gibt Färbemittel für rote und gelbe Kanarien. Ohne Färbemittel wären die roten Kanarienvögel lediglich orange. Der Zoohandel bietet pulverförmige Produkte an. Das Färbmittel sollte über das Aufzucht- und Konditionsfutter entweder trocken oder feucht in Kuskus oder Rusk etwa 14 Tage vor der ersten Eiablage gereicht werden. Die Färbemittel müssen bis zum Ende der Mauser täglich gereicht werden, nach der Mauser mehrmals pro Woche. Achtung: Eine Überdosierung des Färbemittels bewirkt eine dunkelgelbe bis orangefarbene Gefiedertönung. 

Gefiederstruktur
Die Gefiederstruktur der Kanarien ist entweder intensiv, mosaik oder schimmel.

Grundfarbe
Gelb, rot oder weiss sind Grundfarben der Kanarien. Weisse Vögel sind dabei genetisch nicht dazu in der Lage, in der Nahrung enthaltene Carotinoide aufzubauen und umzu­setzen.

Ino
Der Begriff Ino ist eine Sammelbezeichnung für Albinos, also weisse, für Rubinos (rötliche) und Lutinos (gelbliche) Vögel. Inos weisen keine Melanine auf und haben rote Augen.

Ivoor
Dieser Faktor schwächt die Lipochromfarbe von gelb bis rot zu einer zarten, pastellartigen Grundfarbe ab. Ivoor-Vögel gibt es auch in Schimmel.

Isabell
Isabellkanarien sollen nach der spanischen Prinzessin Isabella Clara Eugenia benannt worden sein. Ihre Melaninfarbe ist nur noch sandfarben, also isabell.

Lipochrome
Mit Lipochrom ist die Grundfarbe oder Fettfarbe des Gefieders eines Kanarienvogels gemeint. Lipochrome sind eigentlich Carotinoide oder Xanthophylle und sind dafür verantwortlich, dass der Kanarienvogel gelb oder rot befiedert ist. Die gelbe und rote Gefiederfarbe kann nur durch Lutein in der Nahrung entwickelt werden. Lutein ist also dafür verantwortlich, dass sich überhaupt Lipochrome bilden können. 

Lutein
Lutein ist ein in verschiedenen Kräutern und Gemüse vorhandenes Xanthophyll oder Carotionid. Tagetes-Blütenblätter, dunkle Blattgemüse wie Spinat oder Broccoli enthalten es. In tierischen Organismen tritt Lutein insbesondere im Eidotter auf. 

Melanine
Melanine sind Pigmente. Es werden zwei Arten unterschieden, die braunen bis schwarzen Eumelanine sowie die gelben bis rötlich braunen Phaeomelanine. Melaninvögel haben also immer entsprechende dunkle Strichelungen im Gefieder. Die Urform des Kanarienvogels, der Kanarengirlitz, hat eine ausgeprägte Melaninzeichnung. 

Mosaik
Der Mosaikfaktor ist eine besondere Fettfarbverteilung bei gelb- oder rotgrundigen Vögeln. Da der in die Kanarienvögel eingekreuzte Kapuzenzeisig Geschlechtsunterschiede zeigt, konnten diese Merkmale auf Kanarien übertragen werden. Männliche Mosaikvögel haben wie die Kapuzenzeisige ausgeprägte rote Masken. In der Schweiz gibt es hauptsächlich rote und wenige gelbe Mosaikkanarien. Mosaikvögel erhalten die Färbemittel für Lipochrome erst nach Beendigung des Nestlingsalters, da sonst die Schwanzfedern und Flügelschwingen rötliche oder gelbliche Ränder bekommen.

Phänotyp
Erscheinungsbild des Vogels.

Schimmel
Blassere Färbung, beispielsweise gelb-schimmel oder rot-schimmel, des Gefieders, die durch weisse Federsäume zutage tritt. 

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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