Was Ziervögel krank macht

Kanrienvogel im Portrait
Vogelkrankheiten
Vögel sehen sich im Lauf ihres Lebens manchmal mit Problemen oder Krankheiten konfrontiert. Eine Übersicht.

Schimmelpilze

Aspergillose ist eine Schimmelpilzerkrankung. Schimmelpilze bilden sich überall in Volieren oder Boxen. Ideale Nährquellen dafür bilden Herde wie heruntergefallenes Futter, Kot oder ständig feuchte Ecken in Innenräumen. Ein Problem wird Aspergillose oft für Vogelarten aus Regenwäldern, die in Zimmervolieren leben. Im Winter liegt die Luftfeuchtigkeit in Wohnungen meist nur bei 30 Prozent, sollte sich aber zwischen 60 und 70 Prozent bewegen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit kann mit Pflanzen, Befeuchtern oder offenen Warmwasseraquarien einfach erreicht werden. Die Krankheit kann nur langfristig durch Inhalieren therapiert werden, oft bringt man sie auch so nicht mehr weg. 

Bakterien

Die Ornithose wird auch Psittakose oder Papageienkrankheit genannt. Da der Erreger Chlamydia psittaci heisst, wird auch von Chlamydien gesprochen. Papageien, Tauben, Hühnervögel und Finken können daran leiden und sie übertragen.

Parasiten

Die Gefahr, dass Kokzidiose ausbricht, besteht insbesondere im Sommer bei feucht-warmem Wetter, bei überbesetzten und nicht sauber gehaltenen Volieren. Plötzliche Todesfälle sowie kranke, vor sich hinleidende Vögel sind die Folge. Nur eine parasitologische Kotuntersuchung kann Kokzidiose bestätigen. Eine Behandlung erfolgt nach Anleitung des Veterinärs über das Trinkwasser. Zudem muss die Voliere desinfiziert werden. Verschiedene Arten von Kokzidien leben
aber natürlicherweise in gesunden Vögeln.

Steckende Eier

Alle Ziervogelarten können an Legenot leiden. Ein Vogel mit Legenot muss schnellstmöglich zum Tierarzt gebracht werden. Sonst führt das steckengebliebene Ei zum Tod. Damit ein Ei im weiblichen Vogelkörper entstehen kann, benötigt er ausreichend Kalzium. Körner alleine enthalten nicht ausreichend Kalzium. Der Handel führt Kalziumprodukte in Pulverform. Das Pulver sollte über Früchte und Keimfutter gestreut werden. Kalksteine und Sepiaschalen sollten zur freien Aufnahme immer zur Verfügung stehen. Kalkprodukte in Flüssigform können im Trinkwasser verabreicht werden. Löwenzahn und Baumnüsse enthalten Kalzium in höheren Konzentrationen. Pracht­finken und Hühnervögeln können Schalen von gekochten Eiern, die im Backofen zur Keimabtötung erhitzt werden, zermörsert angeboten werden. Hüttenkäse und Mozzarella werden von Papageien gerne genommen – eine weitere Möglichkeit, dem Vogelkörper Kalzium zuzuführen. Wenn Weibchen im Winter bei kalten Tempera­turen in den Legemodus gelangen, leiden sie an Legenot aufgrund der unzureichenden Wärme.

Würmer

Vögel in Aussenvolieren mit Kontakt zu natürlichem Boden können an einem Wurmbefall leiden. Ein Tierarzt kann dies feststellen, indem er den Vogelkot untersucht. Er stellt Mittel zur Verfügung, die entweder oral oder über das Trinkwasser verabreicht werden müssen. Eine Wurmkur muss meist nach einigen Wochen wiederholt werden. Wird das Mittel über das Trinkwasser gereicht, müssen die Vögel während dieser Zeit ausschliesslich innen und ohne Gabe von Früchten gehalten werden, damit sie das Wasser auch wirklich aufnehmen. Vorbeugend können Papageien auch Knoblauchzehen angeboten werden. Benötigt es ein Vogel, wird er davon aufnehmen. Kanarien, Weichfressern oder Prachtfinken kann Knoblauch zerrieben im Eifutter verabreicht werden. Bei Wurmerkrankungen handelt es sich meist um Spulwürmer. Eier gelangen durch den Kot frei lebender Vögel in die Voliere, oder sie kleben an Ästen, die man in der Natur sammelt und den Vögeln reicht. Gerade bei Arten, die sich häufig auf dem Boden aufhalten, wie viele australische Sittiche, ist Wurmbefall oft ein Problem.

Milben

Am häufigsten werden Kanarienvögel von Milben befallen. Dabei handelt es sich meist um Rote Vogelmilben (Dermanyssus gallinae). Sie saugen das Blut der Vögel nachts – tagsüber halten sie sich in Ritzen der Box oder unter Sitzstangen versteckt. Gerade Jungvögel sterben am Blutverlust. Wenn Vogelmilben im Bestand sind, schlafen die Vögel unruhig, nesteln immer wieder im Gefieder, schütteln sich oder stehen von einem Bein aufs andere. Vogel­milben sind sehr zählebig. Auch wenn Boxen während Monaten nicht gebraucht wurden, überleben sie in den Ritzen. Eingeschleppt werden die Vogelmilben durch Gegenstände, zugekaufte Vögel oder, wenn die Vögel Zugang zu Aussenvolieren haben, durch Wildvögel. Zur Behandlung eignen sich Mittel aus dem Zoohandel oder vom Tierarzt, die auf den Nacken des Vogels geträufelt werden. Volieren, Boxen, Sitzstangen und Halterungen müssen voll­ständig desinfiziert werden. Viele Züchter sprühen bereits ins Kunstnest von Kanarienvögeln ein Mittel zur Prävention. Andere setzen auf Naturprodukte und legen Farn in Nistkörbchen oder behandeln Sitzstangen und Boxen mit Diatomeenerde (fossile Kieselalgen). Ein anderes Problem sind Räudemilben, die sich bei Kanarien in und unter die Hornschilde der Füsse und Zehen bohren und sich von den Eiweisstoffen der hornigen Haut ernähren. Da sich durch die Bohrtätigkeit ein weisser Puder bildet, spricht man auch von Kalkbeinen. Wellensittiche leiden an Schnabelräude, die ebenfalls durch Milbenbefall entsteht. Gegen Räudemilben gibt es Mittel zum Einreiben. Dies muss während mehreren Tagen wiederholt werden.

Verfettung

Vögel unter Menschenobhut verbrauchen viel weniger Energie als ihre wild lebenden Verwandten. Erhalten sie zu grosse Mengen an Körnerfutter, picken sie die fetthaltigen Samen wie Hanf und Sonnenblumen heraus. Das führt zu einseitiger Ernährung. Fette lagern sich im Vogelkörper ab, was zu Herzerkrankungen und zu Unfruchtbarkeit führt. Fetthaltige Nahrung wie Sonnenblumenkerne sind nicht grundsätzlich für alle Arten schlecht. Aras und Graupapageien beispielsweise ernähren sich auch in der Natur von fetthaltigen Früchten und Samen und benötigen dies auch unter Menschenobhut. Eine Amazone oder ein australischer Kakadu erleiden mit dem gleichen Futter gesundheitliche Schäden. Der Schlüssel für eine gute Ernährung ist der Blick in der Natur. Wie lebt der Vogel dort, wovon ernährt er sich? Zudem kommt es auf die Haltungsbedingungen an. Kanarien, die auch im Winter in warmen, geschützten Räumen gehalten werden, benötigen weniger fetthaltige Nahrung als solche, die in ungeheizten Räumen leben. Die Menge, die einem Vogel verabreicht wird, ist von der Art, der Grösse der Voliere, der Jahreszeit, der Haltungstemperatur und von der Volierengemeinschaft abhängig. 

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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