Zauberhafte Raritäten

Elfenblauvogel auf Ast
Seltene Ziervögel
Vögel der Tropen mit langen, dünnen Schnäbeln werden als Weichfresser bezeichnet. Sie sind in den Volieren selten geworden. Ein Überblick über verschwundene und über einige noch vereinzelt gepflegte Arten.

Vögel, die sich in der Natur von Früchten, Beeren und Insekten ernähren, sind oft wundervoll befiedert, jedoch anspruchsvoll zu halten. Damit sie sich fortpflanzen, ist lebende Insektennahrung notwendig. Mehlwürmer und Heimchen können gekauft werden, doch damit sie ihre Jungen gut aufziehen, müssen meist auch andere Insekten angeboten werden, wie Getreideschimmelkäfer, Enchyträen, also Kompostwürmer oder Wachsmotten. Wer Freivolieren hat, kann Pferdemist in die Voliere geben. Er zieht automatisch Insekten an, welche die Vögel dann jagen.

Orangebauch-Blattvogel auf Stange

Auch kleine Lampen in der Voliere ziehen in der Dämmerung Insekten an, die Insektenfresser gerne erbeuten. So wird das Nahrungsangebot durch hochwertige Insekten erweitert. Wenn Mehlwürmer aus kommerziellen Zuchten verfüttert werden, muss darauf geachtet werden, dass sie vorher gut mit vitaminisierten Früchten und Getreideflocken gefüttert wurden. Sie sollten nicht kurz nach Eintreffen vom Lieferanten verfüttert werden, denn Mehlwürmer tendieren dazu, Karton zu fressen.

Die aufwendige Fütterung und ihre Empfindlichkeit haben dazu geführt, dass sich Weichfresser nie dermassen unter Menschenobhut etabliert haben wie Körnerfresser. Seit 2007 werden keine wild gefangenen Vögel mehr nach Europa importiert. Auch das hat zu einer drastischen Abnahme von Weichfressern in Volierenhaltung geführt. Gerade asiatische Arten verschwinden nun zunehmend auch in ihren ursprünglichen Lebensräumen, wegen lokalem Fang und Lebensraumverlust. 

Blattvögel werden zu Persönlichkeiten
Zu den populäreren Weichfressern in der Schweiz gehört die Chinesische Nachtigall (lesen Sie hier mehr dazu). Der Silberohr-Sonnenvogel, der vom Himalaja bis nach Sumatra verbreitet ist, ist schon viel seltener. Beide Arten werden der Familie der Timalien zugerechnet. Auch die asiatischen Rotohr- und Weissohrbülbüls, manchmal auch Russbülbüls, gibt es noch vereinzelt in der Schweizer Vogelhaltung, ebenso wie Vertreter exotischer Stare.

Rotohrbülbül baut Nest

Kaum mehr jemand hier hält aber den zauberhaften Elfenblauvogel aus Asien. Die Männchen haben ein ultramarinfarbenes und samtschwarzes Gefieder. Die Blattvögel sind weitere Asiaten, die in Menschenobhut zu Persönlichkeiten werden, da sich die Bewohner der Kronenschicht von Bäumen eng an ihren Pfleger anschliessen und oft über 20 Jahre alt werden. Doch es gibt diese Nektar-, Früchte- und Insektenfresser heute kaum noch in Menschenhand.

Goldscheitelwürger aus dem westlichen Afrika oder Kontinga-Arten wie die Türkisblaue Kotinga aus Südamerika sind gänzlich verschwunden. Zum Glück werden solche Raritäten noch von Züchtern in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und teilweise in Grossbritannien gepflegt. Auch zoologische Gärten und Vogelparks sind um die Erhaltung der Bestände unter Menschenobhut bemüht. So leben im deutschen Weltvogelpark Walsrode in der Lüneburger Heide verschiedene Zuchtpaare der Türkisblauen Kotinga, die auch Junge aufziehen. In der Tropenhalle blitzt ihr blaues Gefieder auf, wie das Wasser an tropischer Meeresküste. Exotische Weichfresser sind filigrane Schönheiten, oft mit herrlichen Gefiederfarben!

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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