Jederzeit mit den Lieben zuhause telefonieren, Wettervorhersagen, elektronisches Kartenmaterial, Seekarten, wo jedes Riff verzeichnet ist, Bestimmungsbücher für Pflanzen und Tiere. Auch in fernen Regionen steht all dies Reisenden meist zur Verfügung – und wird zwischenzeitlich als normal erachtet.

Aufbruch ins Unbekannte

Wer im 19. Jahrhundert oder gar weit vorher zu Reisen aufbrach, gelangte ins Unbekannte. Endet die Welt irgendwo? Was sind das für Menschen auf einer Insel weit draussen im Meer? Sind sie friedlich gesinnt? Welche Tiere und Pflanzen sind das alles auf dem fernen südlichen Kontinent?

Plötzlich knirscht und knarzt es am Schiffsrumpf, ein Ruck und Wasser schiesst in die Bilge. Das Korallenriff in der Nacht war nicht zu sehen. Angehörige im fernen Europa warteten zwei, vielleicht vier Jahre, bis plötzlich ein Schiff auftauchte – oder die Mannschaft als Verschollen erklärt wurde.

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Bekannte und Unbekannte

Das Buch «50 spektakuläre Expeditionen – Reisen, die unsere Welt veränderten», beschreibt Pioniere mit Entdeckergeist und Heldenmut. Darunter sind bekannte Reisen und Namen, wie der Wettlauf zum Südpol durch die Expeditionen von Roald Amundsen und Robert Falcon Scott im 19. Jahrhundert aber auch solche, die fast in Vergessenheit gerieten. Zum Beispiel Leif Eriksson. Er betrat als erster Europäer im 11. Jahrhundert Neufundland, also den amerikanischen Kontinent.

Wikinger waren schon 990 in Amerika

Auf der Great Northern Peninsula im äussersten Nordwesten Neufundlands wurden 1960 bei L’Anse aux Meadows die Überreste einer Wikingersiedlung entdeckt. Bei Ausgrabungen gelang es den Archäologen, die Torfhütten mit der typischen Bauweise der Wikinger zu rekonstruieren.

Die Zeit der aktiven Besiedlung wurde auf 990 bis 1030 datiert. Diese Schätzungen stimmen mit den Berichten über die Reisen in einer überlieferten Grönland-Saga überein.

Auf dem Dach der Welt

Die Sammlung an Entdeckerbiografien ist vielfältig. So sind auch Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay Teil des Buchs. Der Neuseeländer und der Nepalese standen am 29. Mai 1953 auf dem Mount Everest, dem mit 8800 Metern höchsten Berg der Welt. Die beiden blieben enge Freunde, bis Tenzing Norgay 1986 starb. Sir Edmund Hillary verstarb am 11. Januar 2008 im neuseeländischen Auckland.

Expedition zum Mond

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Welt weitgehend entdeckt, der Mensch drang ins All vor. Der erste Schritt eines Menschen auf dem Mond gehört darum ebenso zum Werk über spektakuläre Expeditionen. Die Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin betraten am 21. Juli 1969, mehr als 109 Stunden, nachem sie die Erde verlassen hatten, den Mond.

Leopard kommt auf Geschmack von Menschenfleisch

Auch die Jagd nach einem Leoparden in Nordindien zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehört zu einer aussergewöhnlichen Expedition, die im Buch beschrieben wird. In Rudraprayag, dem Vorgebirge des Himalaya, hatte ein Leopard innerhalb von acht Jahren mehr als 100 Menschen getötet. Die britische Kolonialregierung geriet unter Druck, etwas für die Menschen in diesem abgelegenen Gebiet zu tun.

Das Verhalten des Leoparden ging vermutlich auf eine Grippeepidemie zurück, die 1918 in Indien grassierte. Die Krankheit forderte Millionen von Todesopfer. Nicht alle konnten nach hinduistischem Glauben verbrannt werden und wurden in Schluchten zurückgelassen. So kam der Leopard vermutlich mit Menschenfleisch in Kontakt und holte sich dann sein erstes lebendes Opfer im Juni 1918 aus dem Dorf Benji.

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Jäger und Nationalparkgründer

Die britische Kolonialregierung setzte eine hohe Prämie auf das Tier aus. In dieser Atmosphäre der Angst betrat Colonel Jim Corbett die Bühne, doch er verlangte, dass alle Belohnungen für den Fang oder die Tötung des Tiers zurückgezogen würden. Corbett begriff die Jagd des Tiers als eine lebensrettende Massnahme und lehnte die Tötung von Tieren zu Sportzwecken und zur persönlichen Bereicherung ab.

Zudem verlangte er, dass alle sonstigen Jagdaktivitäten im Gebiet eingestellt wurden, denn er vertraute anderen, weniger erfahrenen Scharfschützen genauso wenig wie dem Leoparden. Corbett ging systematisch vor. Seine Suche endete am 2. Mai 1926 nach monatelanger, sorgfältiger Verfolgung.

Er hatte das Verhaltensmuster des Tiers analysiert und rechnete sich aus, dass es als Nächstes in der Umgebung des Dorfs Golobrai zuschlagen würde. Das traf zu, und so konnte er den Leoparden erlegen. Corbett setzte sich für die Gründung von Nationalparks ein. 1956 wurde der erste Nationalpark in Indien nach ihm benannt.

Unterhaltsame Lektüre

Ob der Reisende René-Auguste Caillé 1828 in Timbuktu oder Greenpeace-Aktionen im Kampf gegen den Walfang in den 1980er Jahren, das Buch vereint ganz unterschiedliche Ereignisse rund um Entdeckungen, Wagemut und Expeditionen. Die Kapitel zu den 50 unterschiedlichen Expeditionen sind in erzählendem Stil verfasst. Es ist spannend, sie zu lesen, zumal es sich um ganz unterschiedliche Vorhaben und Charaktere handelt, die beschrieben werden.

Ein Buch, das Einblicke in Biografien sowie gedankliche Reisen in alle Welt und sogar ins All ermöglicht. Es erschien 2016 in englischer Originalausgabe. 2023 realisierte der Kosmos-Verlag die Übersetzung ins Deutsche. Der britische Autor Mark Steward hat Geografie studiert, der Co-Autor Alan Greenwood ist verlegerisch und journalistisch tätig.

 

Buchtipp
Mark Steward und Alan Greenwood: «50 spektakuläre Expeditionen – Reisen, die unsere Welt veränderten»
348 Seiten, Kosmos-Verlag

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