Abschied im Krematorium: Der letzte Weg des geliebten Tieres

Was passiert nachher
Wer sich für die Einäscherung seines verstorbenen Tieres entscheidet, kann es im Tierkrematorium Schweiz in Seon AG oder Dübendorf ZH persönlich vorbeibringen. Ein Weg, der für die Halterinnen und Halter in verschiedener Hinsicht sinnvoll sein kann, wie das Beispiel von Katze Donna Valentina zeigt.

Als würde sie schlafen. So liegt Donna Valentina in ihrem geflochtenen Körbchen, den zarten Katzenkörper auf einem blauen Kissen gebettet, auf dem Bauch eine grosse, rote Blume drapiert. «23-jährig ist sie geworden», sagt Donna Valentinas Besitzerin, eine ältere Frau, stolz und ergriffen zugleich. «Gestern ist sie eingeschlafen.» Nach einer telefonischen Anmeldung hat sie Donna Valentina ins Tierkrematorium Schweiz nach Seon AG gebracht, um sie hier auf ihre letzte Reise zu schicken.

Damit gehört Donna Valentina noch zu einer Minderheit. Rund 80 Prozent aller Tiere, die ins Tierkrematorium Schweiz kommen, holen Mitarbeitende beim Tierarzt ab, 5 Prozent bei den Tierhaltenden zuhause. In 15 Prozent der Fälle werden die Tiere wie Katzendame Donna Valentina von ihren Halterinnen und Haltern selber ins Tierkrematorium gebracht.

Vor Ort geht diese Trauerarbeit für Halterinnen und Halter, die ihre Tiere selber vorbeibringen, denn auch weiter. Denn das Tierkrematorium Schweiz übernimmt dann die Aufgabe, die beim Menschen der Bestatter übernimmt. In zwei liebevoll eingerichteten Räumen in Seon nehmen ausgebildete Beraterinnen und Berater die Tierhalterinnen und Tierhalter mit ihren verstorbenen Lieblingen in Empfang. Und besprechen dann dort das weitere Vorgehen.

Gechipte Asche

Gechipte Asche
Kommt das Tier zur Einzelkremation ins Tierkrematorium Schweiz, wird ihm bei der Annahme eine eigene ID-Nummer zugeteilt. Diese Nummer ist auch auf einem ID-Chip aus Metall eingraviert. Dieser Chip begleitet das Tier während des ganzen Kremationsvorganges, bei dem die Übereinstimmung der Nummer mit dem Auftrag bei jedem Schritt standardmässig überprüft wird. Der Chip kommt schliesslich zusammen mit dem Tier in den Ofen und wird am Schluss zusammen mit der Asche des Tieres in das gewählte Gefäss abgefüllt. So ist die Identifizierung auch nachträglich eindeutig garantiert – und die Halterinnen und Halter können sich sicher sein, dass sie auch tatsächlich die Asche ihres Tieres zurückerhalten.

Einzel- oder Sammelkremation

Das Tierkrematorium Schweiz bietet zwei Möglichkeiten, das Tier zu kremieren. Wer die Asche seines Lieblings zurückwill, entscheidet sich für eine Einzelkremierung. Dabei wird das Tier einzeln kremiert und der Tierhaltende erhält die Asche in einem Behältnis seiner Wahl zurück. Ein ID-System mit individuellen Chips garantiert dabei, dass auch wirklich die Asche des eigenen Tieres zur Halterin oder zum Halter zurückkommt (siehe Box). Viele Tierhaltende wollen die Asche im Rahmen eines Abschiedsrituals im Garten oder am Lieblingsplatz des Tieres verstreuen. Diese Leute entscheiden sich in der Regel, die Asche vom Tierkrematorium in einem schlichten Stoffsäckchen mit nach Hause zu nehmen.

Möchte eine Tierhalterin oder ein Tierhalter seinem verstorbenen Liebling zuhause an einem festen Platz gedenken, entschliesst er sich meist für eine Urne als Aufbewahrung. Das Tierkrematorium Schweiz bietet eine Auswahl an Urnen unterschiedlicher Materialien, Oberflächen und Farben an. Wer einen Teil seines verstorbenen Haustieres stets bei sich tragen möchte, kann sich auch für eine der Schmuckurnen entscheiden, die das Tierkrematorium ebenfalls im Sortiment hat. Ausserdem besteht die Möglichkeit, aus der Asche des Tieres einen Diamanten anfertigen zu lassen.

Video: Einsicht ins Tierkrematorium Dübendorf

Farbenfrohes, anrührendes Gemeinschaftsgrab

Bei einer Sammelkremation werden mehrere Tiere gemeinsam eingeäschert. Eine Rückführung der Asche zu den Haltenden ist dann nicht mehr möglich. Stattdessen wird sie im Gemeinschaftsgrab im Garten des Krematoriums in Seon aufbewahrt. Das Grab ist jederzeit öffentlich zugänglich und darf mit kleinen Gegenständen wie Blumen, Kerzen, Bildern oder ähnlichem dekoriert werden. Das wird denn auch rege genutzt, wie ein Augenschein zeigt: Statt einer tristen Grabstätte ist hier ein farbenfroher und sehr anrührender Ort entstanden. Bilder von Katzen und Hunden sind an einer Mauer drapiert, dazwischen Engel aus Ton, bunt bemalte und beschriftete Steine sowie Zeichnungen.

An der Wand dahinter steht mit geschwungener Schrift geschrieben: «Jede geweinte Träne ist eine Liebeserklärung.» Der Satz stammt von ihr, erklärt Esther Sager. Während ihrer Tätigkeit als telefonische Beraterin trauernder Tierhalterinnen und -halter* sei es immer wieder vorgekommen, dass sich die Trauernden dafür entschuldigten, dass sie weinen. Sie habe dann jeweils entgegnet, dass die Tränen doch nichts seien, wofür man sich schämen muss, sondern vielmehr zeigen, wie sehr man das Tier geliebt hat. Mit dieser Einstellung sollen auch die Menschen am Grab in Seon an ihre verstorbenen Tiere denken.

Bild mit Knochenstücken aus dem Tierkrematorium

Gemahlene Knochen
Während der Kremation verbrennen die Organe und die weichen Gewebeteile. Was danach übrig bleibt, sind nur mineralische Knochenbestandteile. Damit diese Überreste in eine Urne passen, werden sie nach dem Abkühlen gemahlen. Die so entstandene Asche ähnelt eher einem kalkhaltigen Sand als der Asche, wie man sie etwa vom Verbrennen von Holz kennt. Wie viel Asche von einem Tier übrig bleibt, hängt also vom Knochenbau des Tieres ab.

Pfotenabdruck als Andenken

Der Leitsatz kommt denn auch bei der Arbeit im Tierkrematorium Schweiz zum Tragen. Neben der Beratung zur Art und Weise der Kremation leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesprächen nämlich auch Seelsorge. «Dabei geht es oftmals darum, den trauernden Tierhaltern allfällige Schuldgefühle zu nehmen, indem man sie darin bekräftigt, dass es dem Tier dort, wo es jetzt ist, besser geht», sagt Esther Sager. Damit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch wirklich die dafür nötige Zeit nehmen können, ist eine vorgängige telefonische Anmeldung unabdingbar.

Am Ende des Gesprächs wird vom verstorbenen Tier noch ein Pfotenabdruck angefertigt. «Das ist ein Geschenk von uns an die Tierhaltenden», erklärt Sager. Möglich ist dies nur bei denjenigen Tieren, die von den Halterinnen und Haltern beim Tierkrematorium abgegeben werden. Kommen die Tiere vom Veterinär, befinden sie sich in speziellen Kremationssäcken, die aus hygienischen Gründen nicht mehr geöffnet werden. «Mit dem Pfotenabdruck haben die Tierhalter ein einmaliges Andenken, das sie sofort mit nach Hause nehmen können», erklärt Sager.

Nachdem die Auftragsformulare im Computer erfasst wurden, werden die Tiere in einem speziellen Raum gekühlt und in der Regel am nächsten Tag kremiert, was je nach Grösse und Gewicht zwischen einer und vier Stunden dauern kann. Die Asche kann nach Absprache wieder im Tierkrematorium abgeholt werden, oder sie wird zurückgeschickt. 

Täglich zwei Termin-Kremationen

Darauf will Donna Valentinas Halterin nicht warten. Sie hat eine sogenannte Termin-Kremation vereinbart. So wird Donna Valentina gleich im Anschluss an das Gespräch und den Pfotenabdruck kremiert. Die Halterin kann ihre geliebte Katze bis zum Kremationsofen und damit auf ihrem allerletzten Weg begleiten. Und sie nimmt die Asche daraufhin in einem Stoffsäckchen mit nach Hause. Täglich gibt es in Seon durchschnittlich zwei solcher Termin-Kremationen, wie Sager erklärt. Die Beweggründe dafür seien vielfältig. «Viele Tierhalterinnen und -halter möchten nicht, dass ihr Tier noch in den Kühler kommt bis zur Kremation, sondern wollen die Asche gleich mitnehmen.»

Neben der Abholung im Tierkrematorium besteht die Möglichkeit, die Asche auf dem Postweg zurückzuschicken. Dabei vergehen zwischen fünf und zehn Tage, bis die Halterin oder der Halter schliesslich die Asche des Tieres zurückerhält. Wer sich für die Rücksendung der Asche entscheidet, dem empfiehlt Sager, sie zum Tierarzt schicken zu lassen. Der Grund: Um sicherzugehen, dass die Rücksendung auch wirklich ankommt, wird sie mittels Einschreiben aufgegeben. Ist der Halter nicht zuhause, wenn die Post ankommt, muss er das Paket mit der Asche seines Lieblings bei der Post oder unter Umständen sogar in einer Poststelle in einer Laden-Filiale abholen gehen. «Und das wäre kein sehr schöner Abschluss eines doch so bedeutenden Prozesses», findet Sager.

Autor

Carmen Epp

Carmen Epp

Kurz nach ihrem ersten Einsatz für die «Tierwelt» 2014 hat sich Redaktorin Carmen Epp – fürs Hunde-Ressort zuständig – einen Traum erfüllt und sich einen Hund zugelegt – auf Spesen, wie man munkelt. Nach einem kurzen Abstecher in ihre Heimat, den Kanton Uri, kehrte sie zur «Tierwelt» und ins Hunde-Ressort zurück. Daneben betreut sie die Ressorts «Natur und Umwelt» sowie die Leserkolumnen, während Boston Terrier Chippy unter dem Tisch schnarchend sein Redaktionshundedasein geniesst – und so manchen Input fürs Hunde-Ressort liefert.

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