Alltag mit einem Handicap-Büsi

Büsi beim Tierarzt
Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte sind mit den neuen Regeln für den Transport von Tiermedikamenten nicht einverstanden.
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Wenn die Katze behindert ist
Behinderungen und Erkankungen sind eine Herausforderung für Katzen und ihre Halterinnen. Die Übersicht der Klinik für Kleintiermedizin der Universität Zürich hilft.

Fehlende Gliedmassen

Ursachen: Angeborene Fehlbildungen, Tumore, Unfälle.

Therapien: Gutes Schmerzmanagement nach der Amputation ist wichtig. Eine stationäre Behandlung mit einer Kombination aus mehreren Medikamenten kann helfen, das Risiko für später auftretende Phantomschmerzen zu reduzieren. Um Probleme mit Druckstellen zu vermeiden, wird bei einer Amputation bei der Katze immer die gesamte Gliedmasse entfernt (es sei denn, es handelt sich nur um einen verletzten Teil der Pfote). Übergewicht sollte dringlich vermieden werden, um das Risiko für Arthrose zu mindern.

Leben mit einer dreibeinigen Katze: Die betroffenen Katzen gewöhnen sich in der Regel rasch (innerhalb von drei Monaten) an das neue Leben. Obwohl es zuerst schwiereiger ist, für Katzen mit Vorderbeinamputationen zu laufen, ist das Endergebnis nach der Umgewöhnungszeit genauso gut wie bei Hinterbeinamputationen. Nach Eingewöhnung ist ein völlig normales Leben möglich. Kann die Katze nur noch zwei Beine nutzen, sind die Herausforderungen ungleich grösser.

Lebenserwartung: Bei drei verbleibenden Beinen nicht eingeschränkt.

Hörbehinderung

Ursachen: Genetisch bedingte ein- oder zweiseitige Taubheit. Im Lebensverlauf können Erkrankungen der Ohren, wie durch Milben, Pilze oder Bakterien verursachte Entzündungen, zu einer bleibenden Hörbehinderung führen. Auch Tumore oder Polypen im Gehörgang können zu einem  Hörverlust führen. Ebenso Unfälle. Altersbedingt kann das Gehör der Katze ebenfalls nachlassen.

Therapien: Je nach Ursache müssen etwa Tumore oder Entzündungen behandelt werden.

Leben mit einer hörbehinderten Katze: Bei erwobener Taubheit empfiehlt sich ein gesicherter Freigang. Taube Katzen haben die Tendenz zu lautem Miauen.

Lebenserwartung: Bei guter Haltung nicht eingeschränkt.

Diabetes mellitus

Ursachen: Übergewicht, mangelnde Bewegung (Wohnungskatze), andere Hormonerkrankungen, Entzündungen oder sehr selten auch Tumore der Bauchspeicheldrüse, Rassendisposition bei einigen Rassen.

Therapien: Das fehlende Insulin ersetzen und Diät.

Leben mit einer zuckerkranken Katze: Eine frühzeitige Zusammenarbeit mit Kleintierspezialisten ist wichtig. Das Insulin muss in der Regel zweimal täglich verabreicht und der Blutzucker sollte regelmässig kontrolliert werden. Bei einigen Katzen ist eine Diabetesremission (die Symptome legen sich) möglich.

Lebenserwartung: Gelingt es, den Blutzuckerspiegel gut einzustellen, kann die Katze mit der Erkrankung etliche Jahre bei guter Lebensqualität leben.

Sehbehinderung

Mögliche Ursachen: Virus-Übertragung durch Körperflüssigkeiten. Die wichtigste Ansteckungsquelle ist der soziale Kontakt (Ablecken, Putzen) sowie das Teilen der Futter- und Wassernäpfe.

Prävention und Therapie: Impfung. Behandlung der Begleitkrankheiten (Krebserkrankungen, Bluterkrankungen, Abwehrschwäche sowie immun-vermittelte Erkrankungen).

Leben mit einer FeLV-positiven Katze: Katzen, welche Viren in ihrem Blut haben (Virämie), sind ansteckend. Tiere mit einer progressiven FeLV-Infektion (Virämie persistiert) haben ein geschwächtes Immunsystem. Deshalb sollten diese Katzen drinnen gehalten werden – zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz der anderen Katzen vor Ansteckung.

Lebenserwartung: Bei einer progressiven Infektion versterben die Katzen meist innert drei Jahren. Bei einer sogenannt regressiven Infektion (die Virämie wird überwunden, das Virus bleibt aber im Erbgut der Katze integriert) haben die Tiere eine normale Lebenserwartung, sofern keine Reaktivierung der Virämie stattfindet.

Felines Immundefizienz-Virus (FIV)

Ursachen: Virus-Übertragung durch Körperflüssigkeiten. Am häufigsten infizieren sich Kater durch Bisse. Eine Übertragung beim Deckakt oder von der Kätzin auf die Welpen ist möglich.

Prävention und Therapie: Es gibt in Europa keine Impfung. Die Infektion bewirkt eine Immunschwäche, was die Tiere anfällig für Sekundärinfektionen oder Tumore macht. Die Therapie konzentriert sich auf die Behandlung und Prävention von Sekundärinfektionen. Medikamente können die klinischen Symptome mildern, bringen jedoch keine Heilung.

Leben mit einer FIV-positiven Katze: Die infizierte Katze sollte zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz anderer Katzen vor Ansteckung im Haus gehalten werden.

Lebenserwartung: FIV-infizierte Katzen können bei guter Pflege und Haltung ein hohes Lebensalter erreichen.

Chronische Niereninsuffizienz (CNI)

Ursachen: Giftstoffe, mangelhafte Durchblutung, Erkrankungen des Immunsystems, Infektionskrankheiten, Nierensteine oder Nierenbeckenentzündungen, erbliche Nierenkrankheiten.

Therapien: CNI ist nicht heilbar, die Fortschreitung kann aber verlangsamt werden. Wichtigster Therapiepunkt ist Diät (gut verwertbare, wertvolle Proteine, reduzierter Natrium- und Phosphorgehalt, erhöhter Kaliumgehalt). Bei Proteinverlust über die Nieren kommen Medikamente zum Einsatz. Bei fortgeschrittener Krankheit werden Medikamente gegen Übelkeit und/oder zur Steigerung des Appetits verabreicht.

Leben mit einer Katze mit CNI: Regelmässige Tierarzt-Kontrollen und die Abgabe von Medikamenten und Spezialnahrung sind nötig.

Lebenserwartung: Eine Katze mit CNI kann noch mehrere Jahre glücklich leben. Wenn die Lebensqualität trotz Medikamenten nicht mehr gegeben ist (die Katze ist schwach und apathisch und erbricht oft), wird die Tierärztin das Tier euthanasieren.

Inkontinenz

Ursachen: Schädigung der Nerven, welche die Blasenfunktion steuern durch einen Unfall sowie Tumore in der Blase oder in den Harnwegen.

Therapien: Bei Harnblasentumoren Bestrahlung, Chemotherapie. In der Regel wird Inkontinenz medikamentös behandelt. Im Vergleich zu Hunden sprechen Katzen allerdings deutlich weniger auf die Behandlung an.

Leben mit einer inkontinenten Katze: Die Haltung einer inkontinenten Katze ist eine Herausforderung. Liegeplätze mit waschbaren Unterlagen schützen. Einsatz von Windeln (können Fell- und Hautprobleme verursachen). Die Harnblase muss mehrmals täglich ausmassiert werden, was nur von einer gelähmten Katze toleriert wird. Hygiene ist besonders wichtig, um das Risiko für Infektionen zu mindern.

Lebenserwartung: Inkontinente Katzen werden häufig euthanasiert.

Autor

Andrea Trueb

Andrea Trueb

Andrea Trueb hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ in Luzern absolviert und die letzten zwanzig Jahre auf verschiedenen Redaktionen gearbeitet. Ihr Privatleben teilt sie unter anderem mit Sittichen und Katzen.

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