Mit GPS die vermisste Katze orten

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Alan Ellenberger und Claudio Gloor präsentieren ihre Website.
zVg
Tierwelt 30/2013
Dank Mikrochip kann ein ausbleibender Stubentiger künftig im Handumdrehen gefunden werden. Zwei Jungunternehmer aus dem Aargau sind auf der Suche nach einem besonders katzenfreundlichen GPS.

In diesem Moment irren Tausende von Katzen umher oder werden angefahren und tot an den Strassenrand gelegt. Mehrere Hundert Tiere werden jeden Tag als vermisst gemeldet. Rund 80 Prozent davon sind Katzen. Frauchen oder Herrchen stürzt der Verlust ihres Lieblings in grosse Sorge. Die Ungewissheit ist dabei meist quälender als eine Todesnachricht, denn das Hoffen und Bangen findet kein Ende. Abhilfe schaffen können extra für Katzen angefertigte Produkte mit dem Global Positioning System (GPS).

Jungunternehmer Alan Ellenberger ging das Schicksal von «Django» sehr zu Herzen. Der Kater seiner Freundin war immer ein Stubenhocker, im Gegensatz zu seinem Bruder Topolino, der gerne die Gegend unsicher macht. Vor mehr als zwei Jahren aber verschwand Django spurlos. Lange Zeit konnten die Betroffenen nicht aus dem Gedankenkarussell aussteigen: Warum lief Django weg? Was hat ihn nach draussen gelockt? Wer hat die Tür offen gelassen? Wo lebt der Kater jetzt? Ist er angefahren worden und gestorben? Hat er lange gelitten? «Als meine Partnerin vor einiger Zeit ein Foto einer Katze im Internet entdeckte, die Django ähnlich sah, überlegte sie aufgeregt, ob das ihr Kater sein könnte – nach über zwei Jahren!» Ellenberger erzählt, dass es nicht Django war, aber die Hoffnung seine Partnerin nicht losliess: «Das war das Startzeichen für mich, ein GPS-Halsband zu entwickeln, damit weniger Katzen verloren gehen. Denn das Verhalten meiner Freundin führte mir deutlich vor Augen, wie intensiv Menschen mit ihren Katzen in Beziehung stehen.» 

Nur wenige GPS-Modelle sind für Katzen geeignet und hierzulande erhältlich
In Fachgeschäften oder über das Internet sind erst wenige GPS-Produkte für Katzen auf dem Markt. Die meisten existierenden Tier-GPS wurden für Hunde entwickelt. Kein Wunder sind die angebotenen Modelle für viele Katzen zu schwer. Auch Akkus können Probleme machen und schlussendlich ist zudem der Preis nicht ganz ohne, vor allem die monatlichen Setup-Kosten. In der Schweiz sind diese beiden Geräte gut erhältlich:

  • Der «Garmin GTU 10» kommt von der US-amerikanischen Firma «Garmin», einem weltweit führenden GPS-Anbieter. Mit 269 Franken Kaufpreis und rund 60 Franken monatlichen Kosten ist dieses Gerät nicht gerade ein Schnäppli. Die Batterie hält einen Tag bis vier Wochen. Mit Halsband wiegt der «Garmin» 63,5 Gramm. 
  • Der «GPS CatTrack Live3» kommt von der Firma «Catnip Technologies Ltd», ebenfalls mit Sitz in den USA. Die 65 Gramm schwere Box trägt die Katze mit einem Halfter wie einen Rucksack. Dieses Modell kostet 102 Franken in der Anschaffung und hat eine monatliche Setup-Gebühr von 26.40 Franken. Die Batterie hält bis zu vier Tagen.

Ausgewachsene Katzen bringen zwischen drei und acht Kilogramm auf die Waage. Hängt man einem Leichtgewicht-Büsi von drei Kilogramm Gewicht also eines dieser Katzen-GPS um den Hals, ist das vergleichbar mit einem Menschen, der ein Halsband von anderthalb bis zwei Kilogramm tragen muss. Je grösser die Katze, desto geringer ist natürlich die Belastung für das Tier. 

Das Produkt hätte gute Chancen am Markt, doch fehlen die Investoren
Die bisherigen Erfahrungen mit den elektronischen Büsi-Find-Geräten brachten Ellenberger auf die Idee, etwas Geeigneteres zu erfinden: «Unser GPS-Halsband soll nicht mehr als 99 Franken kosten, nicht mehr als 20 Gramm wiegen und nur eine minimale, jährliche Servicegebühr enthalten», erklärt er seine Vision. Das Schicksal wollte es, dass der Jungunternehmer in seinem Götti einen fähigen Ingenieur fand, der das Katzenhalsband entwickeln kann. 

Bei einer Marktanalyse stellte sich heraus, dass solch ein Produkt beste Chancen am Markt haben könnte. Also gründete der Zofinger die Firma petTracer AG. Studienkollege Claudio Gloor, ebenfalls Betriebsökonom, stieg mit ins Unternehmen ein. Mit den ersten 100 000 Franken entwickelten die beiden ein Funktionsmodell und kamen zur Erkenntnis, dass sie einen eigenen Mikrochip herstellen lassen müssen. 

Da sich verletzte Katzen in der Regel verkriechen, ist schnelle Hilfe oft unmöglich. Eine hundertprozentige Sicherheit kann mit einer Peilung auch nicht versprochen werden, denn das GPS zeigt sich störempfindlich. Ist eine Katze zum Beispiel in einem Keller mit dicken Betonwänden eingesperrt, gibt es keinen Empfang – aber immerhin weiss der Halter, wo sich das Tier kurz vorher aufhielt und kann gezielter suchen. Die intelligente Software «weiss», wann sie Signale senden muss. Bewegt sich die Katze zum Beispiel längere Zeit nicht, gehen Signale von ihr aus. Mit einem Akku, der drei bis sechs Monate hält, soll das petTracer-Halsband leistungsstark werden. Bei der Ortung der Katze sind auch Spielereien möglich. So soll man auf dem Computer verfolgen können, wie gross das Revier der Katze ist, welche Strecke sie zurücklegt und wie schnell sie läuft. Das europaweite Patent für das Pfotenortungsgerät ist angemeldet.

Fast fünf Millionen Franken Kapital benötigt die junge Firma, um das geplante Produkt zu entwickeln und im Markt einzuführen, doch das Geld fehlt noch. Die Anfragen bei grossen Tierbedarfsketten sind zwar positiv verlaufen, denn verkaufen wollen das Halsband alle, investieren aber nicht. Dank einer Semesterarbeit kam der Unternehmer darauf, sich unkonventionell übers Internet Kapital zu beschaffen. 50 000 Franken sind über seine Website bisher zusammengekommen – noch viel zu wenig. Daher wünscht sich Ellenberger nur eines: «Unser Traum ist natürlich, dass wir einen privaten Grossinvestor finden, der Katzen genauso liebt wie wir!»

Weitere Informationen zu GPS-Geräten unter:

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