Oona gibt «High Five»

Katze Oona gibt High Five

Nadja Isenschmit hat Katze Oona das «High Five» beigebracht.

Martin Bichsel

Katzentrickli
Oona ist eine ganz gewöhnliche Katze und kann trotzdem aussergewöhnlich viele Tricks. Laut Besitzerin Nadja Isenschmid braucht es dazu Motivation und Trainings-Verständnis.

Maïly ist beleidigt. Verständlicherweise. Die Mischlingshündin hatte bereits einen Theater- und einen Fernseh-Auftritt und spielte bei vier Werbespots eine zentrale Rolle. Nun muss die Hündin in der Stube bleiben, während Katze Oona (ausgesprochen «Uuuna») draussen auf dem steinernen Gartentisch in Düdingen FR Tricks aufführen darf. «High Five», Männchen, Sitz, Platz, warten, auf den Rücken springen – Oona kann vieles und lässt sich von Nadja Isenschmid auch nicht lange bitten. Nur die Leckerlis, die fordert das zierliche beigebraun gestreifte Tier nach jedem einzelnen Trick zuverlässig ein. Zwischendurch ertönt ein Miau. Oonas Art, ihrer Besitzerin zu zeigen, dass diese durchaus etwas grosszügiger sein könnte mit ihren Belohnungen. Scheinbar unbeirrt von Besuch und Fotograf macht Oona brav Männchen, gibt Pfötchen und wiederholt den jeweiligen Trick so lange, bis für das Bild auch wirklich alles stimmt. 

«Oona hoch!», sagt Isenschmid beispielsweise mit ruhiger Stimme und hält Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand in die Höhe, worauf das Büsi brav Männchen macht. Anschliessend lobt die junge Frau die Katze mit den Worten «Fein Oona», gibt ihr ein Leckerli und streicht ihr über das Köpfchen. Mit den Worten «Oona, Twist» und einer Kreisbewegung der rechten Hand motiviert sie die Katze dazu, einen Kreis zu laufen und sich auf das Stichwort «Platz» hin auf die Tischplatte zu legen. Wieder wird geklickt, ausgiebig gelobt, belohnt und gestreichelt. Um bei der Katze keine Verwirrung zu stiften, nimmt Isenschmid ihre Hände immer sofort hinter den Rücken, sobald sie nichts anzeigen will.  

Oonas Trickli im Video

Dass die vierjährige Katze heute so munter, gesund und zutraulich ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie wurde nämlich auf einem Bauernhof zusammen mit ihren Geschwistern, aber ohne Mutter gefunden. Ihre Freundin habe die Katzenbabys «aufgepäppelt», bis diese etwa sechs Wochen alt gewesen seien, erzählt Isenschmid. Anschliessend sei die Freundin in die bereits geplanten Ferien gefahren und habe die Pflege der Kätzchen ihr übertragen. «Ich wohnte für vier Wochen mit Hündin Maïly dort und kümmerte mich um die Kleinen», erinnert sie sich. Darum kämen die beiden jetzt auch gut zusammen aus. Ganz im Gegenteil zu Joggo, die bereits 16 Jahre alt ist und zur Hündin – und zu Mensch und Tier überhaupt – in der Regel gerne Abstand hält. Nun, seit sie etwas dement sei, vergesse sie zwischendurch, dass sie den Trubel eigentlich gar nicht möge, und setze sich etwa an Weihnachten mitten in die Gesellschaft hinein. 

Zuverlässig belohnen
Dabei hat Joggo keinen Grund, sich zu verstecken: Die betagte Katze kann nämlich ungefähr gleich viele Tricks wie Oona. Überhaupt ist Isenschmid überzeugt davon, dass jede Katze das Zeug zur Superkatze hat. Die ersten Trainings-Erfahrungen habe sie mit ihrer ersten Hündin Jenny gemacht. Für ihre Maturaarbeit habe sie sich dann entschieden zu schauen, ob sich die damalige Familienkatze Jessy ähnlich erfolgreich trainieren lasse. Es klappte – und motivierte Isenschmid für das weitere Training mit Katzen. 

Ganz zu Beginn müsse die Katze lernen, dass auf jeden Click eine Belohnung folge, erzählt Isenschmid, die selber Clicker-Kurse und die Ausbildung zur Hundetrainerin absolviert hat. Dieses Versprechen müsse zuverlässig eingehalten werden. Dann könne schon bald damit gearbeitet werden. Um den Besuchern die Clicker-Methode besser erklären zu können, holt Isenschmid ein flaches Plastikkissen aus dem Haus. Das sogenannte Sitz-Target sei praktisch zum Anfangen, erklärt die 28-Jährige. Zuerst werde die Katze schon mit einem «Click» und einem Leckerli belohnt, wenn sie das Kissen nur anschaue. Jede weitere Annäherung an das angestrebte «Sitz» werde dann auf dieselbe Weise belohnt, bis die Katze schliesslich das gewünschte Verhalten zeige. Wichtig sei, dass man die Katze mitdenken lasse, erklärt Isenschmid. Nach einer Weile habe das Tier nämlich begriffen, dass es selber aktiv werden und etwas zeigen könne, um das ersehnte Clicken gefolgt von einer Belohnung auszulösen. 

Das Training mache der Katze Spass, erzählt Isenschmid, sei aber stark damit verbunden, dass es «dafür dann aber gefälligst etwas geben sollte». Hunde, die seit jeher auf die Arbeit für und mit Menschen trainiert und gezüchtet worden sind, erlebe sie als etwas einfacher. 

Stolz auf die TV-Auftritte
«Motivation und Verständnis von Training» brauche es, um mit dem Büsi zu arbeiten, sagt die junge Frau. Wichtig sei zudem, dass man in kleinen Schritten vorgehe, also nicht zu viel auf einmal wolle, und immer wieder Pausen mache. Oft wolle Oona länger als sie und schaue jeweils ganz erstaunt, wenn sie das Zeichen für das Trainingsende gebe. Wenn sie selber merke, dass sie genervt sei, lasse sie das Üben mit der Katze für ein paar Tage sein, erzählt Isenschmid, wobei man sich nur schwer vorstellen kann, dass die so besonnen und ruhig wirkende junge Frau überhaupt je einmal ihre Nerven verliert. 

«Chasch gärn chli wünsche, gäu», sagt sie zum Fotografen und streicht Oona lobend übers Köpfchen. Davon, dass «Katzen, wenn sie keine Lust mehr haben, eher einmal einfach davonlaufen», ist heute wenig zu spüren. Die zierliche Tiger-Dame macht seit mindestens einer Viertelstunde brav alles Geforderte mit. «Warte, tuesch warte», sagt Isenschmid jetzt, läuft zu einem nahe stehenden Baum, macht ein paar Faxen und kommt dann zu dem tatsächlich brav auf dem Steintisch wartenden Büsi zurück. 

Zusammen mit Hündin Maïly hat Oona schon bei einem Auftritt beim Schweizer Fernsehen mitgemacht. Alle drei – Hund, Katze und Mensch – sind für weitere Einsätze parat und haben dazu ihre Karteikarten bei der Firma Filmtier deponiert. «Die Auftritte machen mich schon stolz», sagt Isenschmid. Zu Hause auf dem Gartentisch einen Trick aufzuführen, sei eine Sache. Dass das Tier aber auch an einem ihm komplett fremden Ort mit Lärm und vielen Leuten, Licht und Kameras mitmache, sei eine besondere Herausforderung. Weil der Besitzer nicht im Bild erscheinen darf, muss die Arbeit mit dem Tier auf Distanz funktionieren. Unlängst habe sie mit Maïly bei einem Werbespot mitten in Zürich mitgemacht, wobei die Hündin unter anderem nicht reagieren durfte, während ihr ein Kind wiederholt eine Bratwurst vor die Nase hielt. Mit Oona sei sie gerade daran, den Bein-Slalom zu üben, sagt Isenschmid. Bis jetzt spaziere das Büsi aber einfach dem Leckerli nach. 

Auf Strafen verzichte sie beim Training komplett. «Strafen löst Angst aus und schüchtert das Tier ein.» Ausserdem wisse man nicht, welche Verknüpfungen das Tier mache. So habe ein ungutes Erlebnis eines Hundes mit einem mit Strom geladenen Zaun dazu geführt, dass dieser nun panische Angst vor Schafen, Zäunen und Joggern habe. Insgesamt rät die künftige Lehrerin, dass man unbedingt mehr darauf achten sollte, Positives zu belohnen. «Statt sich zu ärgern, wenn die Katze auf den Esstisch springt, sollte man sie regelmässig dafür loben, wenn sie das gewünschte Verhalten zeigt, also ruhig auf dem Boden sitzt.» Durch den konsequenten Fokus aufs Positive werde das gesamte Miteinander harmonischer und vertrauensvoller: «Das Tier weiss: Was ich mache, ist gut.»

Autor

Andrea Trueb

Andrea Trueb

Andrea Trueb hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ in Luzern absolviert und die letzten zwanzig Jahre auf verschiedenen Redaktionen gearbeitet. Ihr Privatleben teilt sie unter anderem mit Sittichen und Katzen.

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