Quer durch die Schweiz mit dem Bernhardiner

Hundewanderung
Peter Glaus durchquert mit seiner Bernhardinerhündin Aveline die Schweiz. Mit Spezialwürsten im Gepäck trotzen die beiden sowohl Hitze als auch Schnee und überstanden bereits einen Sturz und einen Hundeangriff.

400 Kilometer, 49'000 Höhenmeter – Quer durch die Schweiz von Steinach am Bodensee bis zum Grossen Sankt Bernhard an der italienischen Grenze. Peter Glaus hat sich mit seiner Bernhardinerhündin Aveline viel vorgenommen. Bis jetzt sind die beiden gut auf Kurs. Am Donnerstag geht es von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg, danach folgt ein Ruhetag. Denn die zweijährige Aveline ist zwar gut trainiert, doch Glaus will sie auf keinen Fall überfordern. «Sie macht mehr Kilometer als ich», erklärt er. Wenn zum Beispiel an einem Hang eine Schneerolle hinunter kullert, nimmt Aveline spontan die Verfolgung auf und muss nachher wieder hinaufsteigen.

Ein Sturz und ein Biss
Jeden Morgen und jeden Abend schmiert Glaus der Hündin die Pfoten mit einer Pflegecrème ein, zudem benutzt er einen Fellspray gegen Dreck und Hundegeruch. Doch Aveline ist robust und von Natur aus gut gerüstet für die Strapazen der Wanderung. Als Glaus auf einem Schneefeld am Surenenpass ausglitt und beide rund 150 Meter zu Tal rutschten, holte er sich einige kleinere Verletzungen, Aveline blieb unverletzt. Und auch den Biss eines fremden Hundes in ihren Vorderlauf überstand sie ohne Schaden – sie packte den Angreifer am Nacken, und dieser suchte das Weite.

Abgesehen von der ungeplanten Rutschpartie ist der Schnee, dem das Wanderteam auf den Pässen begegnet, für Peter Glaus unangenehm, da die Füsse nass werden. Aveline hingegen mag lieber Schnee als den heissen Asphalt, auf dem sie die Linthebene durchquerten. Glaus hat denn auch die Route so geplant, dass immer genug Wasser zum Abkühlen für den Langhaarbernhardiner vorhanden ist. So muss er auch kein Trinkwasser für Aveline mitschleppen. Trotzdem wiegt der Rucksack zwischen 13 und 17 Kilogramm, je nachdem, wie viel Hundefutter er mit sich tragen muss, bis ihm seine Frau das nächste Paket in ein Hotel sendet.

Aveline ist auch ein Therapiehund
Aveline hilft tragen, ihre Taschen sind zusammen zwei bis drei Kilogramm schwer. Es ist ein erklärtes Ziel von Glaus, mit seiner Wanderung zu zeigen, dass Bernhardiner leistungsfähig sind. Entgegen der Ursprünge der Rasse seien Bernhardiner eine Zeitlang auf zum Teil über 100 Kilogramm Körpergewicht überzüchtet worden, sagt er. «Heute sind sie nicht mehr so schwer, werden dafür älter und können Leistungen erbringen.»

Die grössten Stärken der Hündin Aveline liegen allerdings nicht im körperlichen Bereich, sondern im für Bernhardiner typischen sanftmütigen Wesen. Peter Glaus besucht mit ihr regelmässig Kindergärten und Schulklassen und setzt sie als Therapiehündin im Rahmen des von ihm präsidierten Vereins Therapiehund Bodensee ein. Vielleicht werden die beiden auf ihrer Wanderung im Wallis gar für einen Tag von einer Gruppe Kinder begleitet, die ein Lager der Stiftung Barry besuchen.

Zurück zu Avelines Ursprüngen
Aveline stammt aus der Zucht der Stiftung Barry. Die Stiftung hat ihre Hunde soeben in einem Alpaufzug zur Zuchtstation auf dem Grossen Sankt Bernhard geführt (Tierwelt Online hat berichtet). Dieser Pass, nach welchem die Rasse bekanntlich benannt ist, ist auch das Ziel von Peter Glaus und Aveline. Bis dahin sind es noch 13 Etappen à bis zu 6 Marschstunden. In jedem Etappenort kriegt Aveline eine energiereiche Extrawurst, von einer Metzgerei in Arbon speziell für sie hergestellt, 370 Gramm schwer – das entspricht an einem Wandertag einer halben Tagesration.

Peter Glaus hat die Wanderung während eines Jahres geplant. Nun verliess er Ende April seinen Job als Klärmeister, um in Frühpension zu gehen. Weitere derartige Wanderungen werde er nicht machen, sagt er. Hingegen verrät er einen anderen Plan: Er will einen zweiten Hund. Einen Kurzhaarbernhardiner.

Peter Glaus berichtet online regelmässig von seiner Wanderung.

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