Realitätsgetreue Andenken in 3-D

Zelzers mit 3-D-Büsten von verstorbenen Hunden

Esther und Fabian Zelzer mit zwei ihrer ersten Büsten als Urnen: jene für Hündin Nala und die für Rüde Arno.

Carmen Epp

Hundebüsten
Fabian und Esther Zelzer bieten Tierhaltern an, mit 3-D-Büsten die Erinnerung an ihre verstorbenen Lieblinge festzuhalten. Auf die Idee kam das Ehepaar nach einem eigenen Verlust.

Haustiere begleiten uns meist mehrere Jahre. Wir teilen Zeit, die Wohnung, manchmal sogar Sofa und Bett, in jedem Fall aber zahlreiche Erinnerungen mit ihnen. Entsprechend schwer wiegt der Verlust, wenn das liebgewonnene tierische Familienmitglied stirbt. Diese Erfahrung mussten auch Fabian und Esther Zelzer aus Bad Zurzach AG machen. Zwölf Jahre lang begleitete Golden Retriever Arno die beiden, bis sie ihn im Juli 2020 von seinem Kampf gegen eine Krankheit erlösen mussten. «In den ersten Tagen danach war es still bei uns zu Hause. Viel zu still», erinnert sich Fabian Zelzer. Der Verlust traf das Ehepaar hart. Arnos Geruch, die Art, wie er sich freudig in frisch gemähten Wiesen wälzte, Kuscheleinheiten mit ihm auf dem Sofa – all das fehlte.

Um den Schmerz etwas zu lindern, machte sich Fabian Zelzer auf die Suche nach einem persönlichen Andenken an Arno. Rund drei Wochen vor Arnos Tod begann sich der Koch mit 3-D-Druck auseinanderzusetzen. Ein 3-D-Künstler, den er dabei kennenlernte, modellierte daraufhin zwei Figuren aus einem Disneyfilm für den 28-Jährigen.

Modellierungsprozess für die Urne des Boston Terriers Iceman

Aus der Trauer erwuchs eine Idee
Da kam Zelzer die Idee, als Andenken an Arno eine dreidimensionale Büste von ihm drucken zu lassen. Der Künstler war von der Idee begeistert und legte los. Innerhalb von fünf Tagen modellierte er am Computer anhand von Fotos ein Abbild von Arnos Kopf und Hals sowie einen Sockel in Form seines Hunde­napfes mit seinem Namen und zwei Pfotenabdrücken.

Schliesslich kam Zelzer auf die letzte und entscheidende Idee: Wenn man den Kopfteil und das Verbindungsstück so konzipiert, dass man es zusammenschrauben kann, dann wäre es möglich, den Kopfteil hohl zu drucken und anschliessend als Urne zu verwenden. Gesagt, getan. Und nach einigen weiteren Anpassungen war Arnos Büste in Form einer Urne für die Ewigkeit festgehalten. Eine Airbrushkünstlerin verpasste der Arno-Figur noch die passenden Farben, bis die Urne im Oktober schliesslich fertig war. «Die Emotionen in dem Moment, als wir das Endergebnis in den Händen hielten, lassen sich kaum in Worte fassen», erinnert sich Fabian Zelzer. Mit der 30 Zentimeter hohen Büste hat eine Art Miniaturausgabe ihres Arnos Platz im Wohnzimmer gefunden, welche die Erinnerung an ihn noch unsterblicher macht.

Das Ehepaar Zelzer und der 3-D-Designer waren sich schnell einig: Sie wollen die Möglichkeit, verstorbenen Lieblingen – unabhängig ihrer Tierart – mit einer realitätsgetreuen Urne gedenken und so auch anderen zugänglich machen. Damit war die Firmenidee geboren. «Den Nagel auf den Kopf traf meine Frau mit ihrem Namensvorschlag», sagt Zelzer. Arno soll als Akronym für die Adjektive «authentisch, realitätsnah, naturgetreu und originell» all das verkörpern, wofür die Produkte stehen. Auch im Logo von «Arno Memories» dient Arno als Gesicht der Marke. «Es ist verrückt, aber ohne ihn hätte es die Firma Arno wahrscheinlich nie gegeben», sagt Fabian Zelzer. «Und wir sind ihm sehr dankbar dafür.»

Schritt für Schritt zum Abbild
Zwei weitere 3-D-Büsten als Urnen konnte das Ehepaar bisher in Auftrag nehmen und mit dem Designer und der Airbrushkünstlerin fertigstellen: eine von English Cocker Spaniel Nala und eine von Mischlingshündin Xenia. Dabei zeigte sich, dass das Paar sehr viel Wert auf Qualität legt. Das spiegelt sich auch im Entstehungsprozess wider, den Fabian Zelzer wie folgt wiedergibt: Nachdem er in einem Erstgespräch die Interessenten kennenlernt, deren Wünsche eruiert und eine Offerte erstellt, macht sich der 3-D-Designer ans Modellieren der Büste am Computer.
 

Modellierungsprozess für die Urne von Continental Bulldogge Merlin

Dafür definiert er anhand von Fotos des Tieres zunächst die Proportionen, um dann allmählich die Details herauszuarbeiten. Der Prozess dauert laut Zelzer rund 30 Arbeitsstunden. «Währenddessen wird der Kunde immer wieder eingebunden in die neusten Resultate, damit er überprüfen kann, ob die entstehende Figur wirklich dem gewünschten Tier ähnlich sieht», erklärt Zelzer. Gibt der Kunde schliesslich sein Okay, geht die Büste in den Druck, der je nach Auftragslage in acht bis 13 Tagen fertiggestellt ist. Soll die weisse Figur dann noch Farbe erhalten, kommt sie für ungefähr eine Woche zur Airbrushkünstlerin.

Rassenmodelle sollen Preis senken
Bis die Halter ihre individuellen Urnen in Empfang nehmen können, dauert es von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Versand des fertigen Produkts aktuell zwischen vier und sechs Wochen, wie Zelzer erklärt. Das und die hohen Qualitätsansprüche an die Materialien und das Druckverfahren schlagen sich auch auf den Preis der Urnen nieder. So kostet eine 20 Zentimeter hohe Büste inklusive Airbrush rund 1150 Franken, das 30 Zentimeter hohe Modell 1550 Franken.

Fabian Zelzer ist sich bewusst, dass die Urnen damit im hohen Preissegment angesiedelt sind, den nicht jeder einfach so aufwenden kann. «Wir hatten auch schon Anfragen von Personen, die uns aufgrund des hohen Preises absagen mussten, obwohl sie die Idee toll fanden und ihr Tier gerne so verewigt hätten», sagt Zelzer. Dies gab dem Ehepaar den nötigen Ansporn, eine preiswertere Alternative zu schaffen. Daher lassen sie nun rassentypische Vertreter von verschiedenen Hunderassen vom 3-D-Künstler modellieren, auf die spätere Kunden zurückgreifen können. «Das reduziert den Aufwand beim Design und damit auch die Kosten.» Dafür ist Zelzer auf der Suche nach Haltern von rassentypischen Hunden, die ihre Tiere für einen Spezialpreis modellieren und drucken lassen und ihm das Computermodell dann zur weiteren Verwendung überlassen.

Das Ehepaar, das vor 18 Monaten Eltern geworden und in der Gastronomie tätig ist, will mit «Arno Memories» nicht in erster Linie Gewinn machen, sondern Menschen, die ein geliebtes Tier verloren haben, mit den Urnen durch die Trauer begleiten. Denn auch wenn inzwischen mehrere Monate vergangen sind: Der Schmerz über ihren Verlust ist den Zelzers noch immer anzumerken. «Arno fehlt halt einfach», sagt Fabian Zelzer. «Ich denke, jeder, der schon mal ein Haustier gehen lassen musste, kennt dieses Gefühl.»

www.arno-memories.ch

Autor

Carmen Epp

Carmen Epp

Kurz nach ihrem ersten Einsatz für die «Tierwelt» 2014 hat sich Redaktorin Carmen Epp – fürs Hunde-Ressort zuständig – einen Traum erfüllt und sich einen Hund zugelegt – auf Spesen, wie man munkelt. Nach einem kurzen Abstecher in ihre Heimat, den Kanton Uri, kehrte sie zur «Tierwelt» und ins Hunde-Ressort zurück. Daneben betreut sie die Ressorts «Natur und Umwelt» sowie die Leserkolumnen, während Boston Terrier Chippy unter dem Tisch schnarchend sein Redaktionshundedasein geniesst – und so manchen Input fürs Hunde-Ressort liefert.

Kommentare (0)