Verrenkungen mit Hund

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Tierwelt 09/2014
Hunde, die Yoga machen? Das gibt es tatsächlich. Durchgesetzt hat sich der asiatische Trend namens «Doga» bei uns aber nicht. Dabei sind viele Yoga-Posen Tieren abgeschaut. 

Ein Hund kann die Yoga-Figur ‹Hund› von Natur aus», sagt Kimberly Wilson. Die Yoga-Lehrerin aus Washington ist eine Vorreiterin auf dem Gebiet des tierischen Yogas, auch Doga genannt. Wie der Name erahnen lässt, ist Doga das Yoga explizit für Hunde und ihre Halter. Dabei probieren sie zum Beispiel den «Hund» aus, die Yoga-Figur, bei der man auf allen Vieren den Hintern hoch in die Luft streckt. Sie ist nach dem natürlichen Strecken des Vierbeiners benannt. 

Auf dem alternativen Gesundheitsmarkt für Tiere, wo Akupunktur-Behandlungen für Pferde, Bachblüten-Therapien für Katzen oder Massagen für den Hund gang und gäbe sind, ist Doga ein relativ neues Angebot. Es setzt auf die Entspannung von Körper und Seele, um die Kräfte des Tieres zu mobilisieren und mögliche Leiden zu reduzieren. So soll es Blutdruckproblemen und Magenerkrankungen vorbeugen und nebenbei das Benehmen von Bello verbessern. Da neben der Gesundheit des Hundes die Bindung zum Halter im Vordergrund steht, werden alle Übungen vom Vier- und vom Zweibeiner gemeinsam durchgeführt. «Wir wollen Hund und Mensch verbinden und Möglichkeiten bieten, sich ganz anders kennenzulernen», erklärt Angie Näter von der Hundeschule Dog´S Life im norddeutschen Tellingstedt. 

Die Sitzungen laufen in der Regel nach einem festen Schema ab, da ein fester Ablauf die Harmonie und innere Ruhe fördern soll. Wichtig ist, dass man seinen Hund nicht zwingt, die Übungen durchzuführen. Mitmachen kann fast jeder Hund, egal wie alt, egal wie schwer. Vor allem Hunde, die sich nach mehr Auslastung sehnen, sich aber beim Agility und anderen Sportarten nicht wohlfühlen, sind laut Näter angesprochen. Nur gut sozialisiert sollten sie sein, damit es in der Gruppe keinen Stress gibt. Wer einen Hund hat, der Artgenossen eher scheut, kann Doga auch zu Hause machen. Online-Videos helfen dabei. 

Paviane machen oft den Kopfstand
In China und Japan ist das Hunde-Yoga beliebt und auch in den USA gibt es mehrere Anbieter. In der Schweiz dagegen gibt es bislang keine Doga-Seminare. Und auch in Deutschland wird Doga nur von Dog´S Life angeboten und die meisten der Informationsseiten im Internet sind nicht mehr aktuell und führen ins Leere.  

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 Die «Kobra».
 Bild: Riva-Verlag

Viele Yoga-Posen orientieren sich an Tieren. Besonders anschaulich zeigt das Rajesh Sharma in seinem Buch «Tieryoga». Der Yoga-Lehrer stellt die Posen von Zwei- und Vierbeinern einander gegenüber und erklärt, warum die Tiere manche Posen in ihrem natürlichen Repertoire haben. «Der gestützte Kopfstand» etwa zeigt den Yogis die Welt verkehrt herum, um ihnen zu helfen, Ängste zu überwinden. «Der Pavian setzt diese Übung zur Verbesserung der Kommunikation ein. Hält er seinen roten Hintern auf Augenhöhe, können die anderen Paviane seine Botschaften viel schneller ablesen», heisst es im Buch. Hunde machen laut Sharma gern die «Kobra» (siehe Bild). Im Yoga ist dies eine der effektivsten Haltungen, um den oberen Rücken zu stärken und Verspannungen im Nacken zu lösen. Streckt der Hund seinen Kopf nach vorne, gestützt auf Knie und Vorderpfoten, «unterstützt er damit seinen flehenden Gesichtsausdruck, damit Herrchen ihm möglichst viele Leckerlis entgegenstreckt.» 

Auch wenn es kaum zu glauben ist: Laut dem Fotografen sind die Verrenkungen der Tiere nicht gestellt, sondern ganz natürlich. Die europäische Tierwelt scheint allerdings wenig begeistert, sich kopfstehend oder beugend zu entspannen. Sharmas 2009 eröffnete Schule für Tieryoga im deutschen Bielefeld ist bereits wieder geschlossen. Ob Doga auch in unseren Breitengraden zum Trend wird, ist also fraglich. 

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Rajesh Sharma: «Tieryoga», gebunden, 64 Seiten, Verlag: Riva, ISBN: 978-3-86882-341-6, ca. Fr. 16.– 


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