Was steckt in Bubi drin?

Hund Bubi mit Stöckchen

Hoch getragene Rute, Klappohren und gestromtes Fell: Bubi hat von vielen Hunderassen etwas.

Matthias Gräub

Abstammung
Diverse Anbieter im Internet versprechen herauszufinden, welche Rassen im Erbgut von Mischlingshunden versteckt sind. Bubi ist so ein Mischling – und hat sich testen lassen.

Wenn Bubi eins liebt, dann sind es Stöckchen. Wer ihn und sein Frauchen in ihrem Garten am Berner Stadtrand besucht, hat grosse Chancen, den Hund mit einem meterlangen Ast im Maul anzutreffen. Dabei dürfte er eigentlich gar nicht. «Er macht das nur, wenn Besuch kommt», sagt Bubis Halterin, Sophie Schütz*. «Dann weiss er, dass ich weniger streng bin und kaum eingreife.»

Rund acht Jahre alt ist der gestromte Mischlingsrüde mit der langen Schnauze, den oben hinunterlampenden Stehohren und dem aufgestellten Schwanz, der sich buschig in Richtung Körper zwirbelt. Seine Besitzerin erinnert sich gut an den Tag, an dem sie sich für Bubi entschieden hat: «Das tönt jetzt kitschig, aber eigentlich war’s ja umgekehrt: Er hat mich ausgewählt.»

Wer war Bubis Vater?
Ausgeschrieben war er, mitsamt seinen Geschwistern, in einem Tierinserat im Internet. «Die Besitzerin hat Bubis Mutter aus Kanada in die Schweiz gebracht», erzählt Schütz. Dort hiess es, sie sei eine Mischung aus Schäferhund und Border Collie. «Sie sah jedenfalls aus wie ein Collie.» Ihr Nachwuchs hingegen entpuppte sich als bunter Mix. Die Bernerin legt ein Foto auf den Tisch. «Das war an einem Welpentreffen, das wir am Anfang organisiert haben.» Darauf sind fünf völlig unterschiedliche Hunde zu sehen: Bubi, damals noch deutlich stärker gestromt, ist gut zu erkennen. Hinter ihm seine Mutter, die tatsächlich als reinrassiger Border Collie durchgehen könnte. Ausserdem ist da einer zu sehen, der den Kopf eines Sennenhundes zu tragen scheint, ebenfalls ein terrierähnlicher Hund mit spitz aufstehenden Ohren, und einer, der Bubi ähnelt, nur ganz in Braun.

Die Frage, die sich Schütz schon lange stellt: Was steckt alles in Bubi drin? «Ich habe mir über die Jahre viele Gedanken darüber gemacht», sagt die Angestellte in einem Zoofachhandel – sie kennt sich also gut mit Hunderassen aus. Der Border Collie in Bubi scheint klar, aber wer war der Vater? Wer die Urahnen? «Er hat etwas von einem Rottweiler. Ich bin auch auf den Holländischen Schäferhund gekommen, der ist auch oft gestromt. Oder an einen American Staffordshire habe ich auch gedacht. Aber es ist alles möglich.»

Um mehr zu erfahren, hat sich Schütz für einen Gentest entschieden. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass diverse Anbieter versprechen, die Rasse eines Hundes anhand seiner DNA ausfindig zu machen. Sie tragen wohlklingende Namen wie Embark, Anidom oder Canix und versprechen alle mehr oder weniger dasselbe. Und auch mit ihrem Tierarzt hat die Hundehalterin gesprochen. Auch er würde so einen Test anbieten. Bei ihm würde er aber rund doppelt so viel kosten wie die Do-it-yourself-Tests aus dem Internet.

Also hat sich die neugierige Hundehalterin für rund 130  Franken einen Test von Canix zuschicken lassen. Die professionell aufgemachte Website mit Firmenadresse in Deutschland überzeugt. Und wirbt so für den Test: «Der umfangreiche DNA Test PRO für Hunde erkennt 364 Rassen, Typen und Varie­täten in einem Mischling.»

«Bubi hat etwas von einem Rottweiler. Ich bin auch auf den Holländischen Schäferhund gekommen, der ist auch oft gestromt. Oder an einen American Staffordshire habe ich auch gedacht. Aber es ist alles möglich.»
Sophie Schütz
Halterin von Bubi

Eine knappe Woche später ist der Test da: Ein funkelnd-roter Briefumschlag, etwas gar weihnächtlich für im Spätsommer. Darin enthalten sind zwei kleine Bürstchen, mit denen Bubis Speichel entnommen werden soll. Dazu eine Anleitung, ein Infoblatt zum Hund, das ausgefüllt werden soll, sowie ein Rückantwortcouvert.

Die Tücke mit dem zweiten Hund
Das Frauchen will gleich loslegen und ruft Bubi zu sich, der nur ungern von seinem Ast ablässt. Doch die Anleitung verlangt Geduld: «Stellen sie sicher, dass das Tier mindestens eine Stunde vor Probeentnahme nichts gefressen oder getrunken hat.» Schütz verspricht, ihn am Abend vom anderen Hund im Haushalt zu trennen, einem kleinen Dackelmischling namens Grog. Denn in der Anleitung steht auch: «Nur wenn sich im Maul des Tieres nichts anderes als die eigene DNA befindet, ist mit einem korrekten Ergebnis zu rechnen.»

Das Testergebnis ist dann schneller da als erwartet. Nach rund sechs Wochen sollte es laut Canix vorliegen; Schütz hat die Ergebnisse aber schon nach einem knappen Monat – per E-Mail als PDF-Zertifikat. Und als sie es sieht, muss sie gleich mal loslachen: Da steht eine ganze Palette unterschiedlicher Hunderassen, die in Bubi drinstecken sollen – darunter auch der Langhaardackel. «Offenbar war doch noch etwas fremde DNA mit dabei, denn das stammt garantiert von Grog.» Die anderen Hunderassen leuchten durchaus ein.

So trage Bubi zu 25 Prozent die Gene des American Staffordshire Terrier in sich – eine Rasse, die Schütz durchaus vermutet hatte. Dazu kommen 12,5 Prozent Border Collie. Den einzigen sicheren Wert hat das DNA-Labor also korrekt erkannt. Ausserdem sollen in Bubi noch Gene vom Deutschen und vom Australischen Schäferhund enthalten sein, sowie vom Akita Inu, einer japanischen Hunderasse, die bei der Halterin für Erstaunen sorgt: «Auf den wäre ich nie und nimmer gekommen.»

Für Tosso Leeb sind solche DNA-Tests zum Selbermachen durchaus ernstzunehmen. Leeb ist der Direktor des Instituts für Genetik an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. In Bezug auf das Angebot von Canix meint er: «Das sieht für mich wie ein professioneller Internetauftritt aus und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das seriös ist.»

Allerdings sagt Leeb auch: «Aus meiner Sicht wird da eine Genauigkeit vorgegaukelt, die nicht real ist.» Grob komme da schon das Richtige raus, «aber aufs Prozent genau geht das nicht.»

«Um solche Tests durchführen zu können, braucht es einerseits ein Labor mit sehr spezialisierter Infrastruktur und andererseits die richtigen Referenzdatenbanken und entsprechendes Know-how zur Datenauswertung.»
Tosso Leeb
Universität Bern

Der Uni Bern fehlt die Datenbank
Leeb kenne zwar Canix nicht, dafür die Firmen Embark und Wisdom Panel, die ähnliche Tests anbieten. Er erklärt, wie DNA-Tests zur Bestimmung für Hunderassen dort funktionieren: «Die typisieren mehr als 100'000 variable Stellen im Hundegenom. Das ist nur ein ganz kleiner Prozentsatz der insgesamt 2,5 Milliarden Basen des Genoms.» Diesen trotzdem ziemlich genauen genetischen Fingerabdruck des untersuchten Hundes vergleiche das Labor dann mit einer riesigen Datenbank der unterschiedlichsten Rassen. So könne man Wahrscheinlichkeitsaussagen zu den Anteilen einzelner Rassen machen, die relativ gut stimmen dürften.

«Um solche Tests durchführen zu können», sagt Leeb, «braucht es einerseits ein Labor mit sehr spezialisierter Infrastruktur und andererseits die richtigen Referenzdatenbanken und entsprechendes Know-how zur Datenauswertung.» Er vermute also schwer, dass Canix die Tests an einen externen Partner auslagere. Nach Bern gehen sie jedenfalls nicht, versichert Leeb. «Einen solchen Rassentest können wir bei uns nicht durchführen, uns fehlt dazu die Referenzdatenbank mit den Genotypen von ein paar Tausend Hunden.» Weit davon weg sei das Vetsuisse-Labor allerdings nicht: «Mit einem Jahr Vorlauf wären wir wohl auch so weit.»

Sophie Schütz ist egal, aus welchem Labor Bubis Testresultat kommt. Sie ist zufrieden damit und auch froh, dass sie den Test durchgeführt hat. «Gerade weil das Labor sogar die DNA-Spuren des anderen Hundes erkannt hat, glaube ich, dass das Ergebnis sehr genau ist», sagt sie. Auf jeden Fall wolle sie demnächst der Züchterin Bescheid sagen, bei der Bubi damals zur Welt kam. Sie habe sich die Frage, was alles für Rassen in dem Wurf stecken könnten, nämlich auch schon immer gestellt.

* Name geändert

Autor

Matthias Gräub

Matthias Gräub

Matthias Gräub kümmert sich bei der «Tierwelt» um die Porträts. Weil er dort mehr mit Menschen als mit Tieren zu tun hat, kompensiert er seinen Tierlidrang mit Zoobesuchen, Waldspaziergängen und Wanderungen in der Natur. Könnte er auswählen, bestünden seine Berner Stadtmusikanten aus Alpaka, Luchs, Laufente und Nacktmull. Das gäb ein Konzert!

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