Wissen Tiere, mit welchem Menschen-Geschlecht sie es zu tun haben?

Katze auf Schoss von Frau

Katzen und Frauen: Das scheint gut zu passen.

Konstantin Aksenov/Shutterstock.com

Interview
Bei einer Katze oder einem Hund erkennt man oft erst bei genauerem Hinschauen, ob es sich um ein Weibchen oder ein Männchen handelt. Wie ist es aber im umgekehrten Fall? Kennen Haustiere das Geschlecht ihrer Halterinnen oder Halter?

Männlein oder Weiblein? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Bei gewissen Hunden und Katzen erkennt man das Geschlecht zwar auf den ersten Blick, sei es das Verhalten oder die Grösse, die es verrät. Meistens ist der Fall aber nicht klar. Menschen haben keinen integrierten Sinn für das Geschlecht ihrer Tiere, sondern müssen erst genauer nachschauen.

Tiere jedoch nehmen die Welt ganz anders wahr. Vielleicht wissen sie ja ganz automatisch, ob sie es mit einem Mann, einer Frau oder etwas dazwischen zu tun haben. Corinne Messikommer, Pressebeauftragte und Vorstandsmitglied des Verbands und Interessengemeinschaft der Ethologen und Tierpsychologen mit Ausbildung (VIETA), gibt Auskunft. 

Tierpsychologin Corinne Messikommer mit Katze

Frau Messikommer, wissen unsere Hunde und Katzen, ob wir männlich oder weiblich sind?
Hunde und Katzen «wissen» nicht, ob ihre Halter männlich oder weiblich sind. Ihre Reaktion auf unterschiedliche Geschlechter liegt vor allem daran, wie der jeweilige Mensch mit dem Tier umgeht. Zudem bewegen sich Männer und Frauen anders. 

Ist es ihnen also egal, welches Geschlecht ihre Besitzerinnen oder Besitzer haben?
Man tendiert dazu, anzunehmen, dass Katzen Frauen bevorzugen, das ist aber nicht per se so. Aber Katzen reagieren zum Beispiel auf für Frauen typisches Verhalten mit Zuneigung, da sie es als angenehmer empfinden, als das Verhalten von Männern. 

Was machen Männer denn anders?
Männer neigen dazu, die Katze, den Hund zu «trietzen», mal kurz an einer Pfote zu ziehen, spasseshalber etwas zu schubsen oder eher grob-liebevoll mit den Tieren umzugehen. Es gibt Tiere, die können damit gut leben und stören sich auch nicht daran. 

Und Frauen?
Frauen warten zum Beispiel eher ab, bis ein Hund oder eine Katze zu ihnen kommt und gehen seltener auf sie zu. Sie warten also, bis das Tier von sich aus Kontakt aufnimmt. Das wird sehr geschätzt. Bei Männern dagegen kann es eher vorkommen, dass sie eine Katze ohne Vorwarnung hochheben. Ein weiterer, vor allem für Katzen wichtiger Punkt ist, dass Frauen sich zu den Tieren hinunterbeugen, sich zu ihnen auf den Boden setzen oder knien oder sich hinlegen. Ein kauernder oder liegender Mensch ist vor allem für ein eher ängstliches Tier eine viel kleinere Bedrohung. 

«Ein Tier tritt liebevoll in den Dialog mit dem Menschen, der es liebevoll und mit Respekt behandelt.»
Corinne Messikommer
Tierpkommunikatorin VIETA

Wie steht es um die Kommunikation?
Es ist erwiesen, dass Frauen viel häufiger mit ihren Katzen oder Hunden sprechen, als es Männer tun. Katzen miauen nur in der Kommunikation mit Menschen, und wenn man häufig mit ihnen spricht, beginnen sie zu «antworten», indem sie miauen. 

Ob und welches Geschlecht ein Tier bevorzugt, ist aber wahrscheinlich auch eine Frage der Gewohnheit.
Ja. Wächst ein Hund oder eine Katze bei einer Züchterin auf, die fünf Töchter hat, ist die Chance gross, dass das Tier Frauen immer bevorzugen wird, weil es halt vor allem Frauen kennt. Hat der Züchter nur Söhne, wäre eine Tendenz zur Vorliebe von Männern bestimmt auch gegeben. 

Spielen auch die Erfahrungen des Tieres eine Rolle?
Behandelt eine Frau ein Tier schlecht, wird es möglicherweise Männer bevorzugen und umgekehrt. Man kann also nicht so über den Daumen gepeilt sagen, dass ein Tier Männlein oder Weiblein bevorzugt oder gar weiss, ob es einen männlichen oder weiblichen Halter hat. Ein Tier tritt liebevoll in den Dialog mit dem Menschen, der es liebevoll und mit Respekt behandelt. 

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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