Der ideale Familienhund

Elo-Hunde
Elo
So variantenreich der Elo in seinem Äusseren ist, so harmonisch ist er in seinem Wesen: ruhig, anhänglich, gutmütig. Der ursprüngliche Hybrid hat sich deshalb in den letzten 30 Jahren zu einem äusserst beliebten Hund entwickelt.

Drei Hunde warten bereits am Gartentor, als die Besucherin an der Zuchtstätte «Elo vom Orisbach» in Liestal BL ankommt. Sie zögert einzutreten, denn sie kennt die Tiere nicht und in der Regel verteidigen Hunde ihr Territorium gegenüber Fremden. Zudem hat sie den eigenen Hund dabei, was die Situation nicht gerade entschärft. Es gibt am Gartentürli aber keine Klingel, also beschliesst sie, vorsichtig das Tor zu öffnen und sich in Richtung Haus zu begeben. Das erweist sich als unproblematisch, die drei Elo-Weibchen beschnuppern die beiden Eindringlinge kurz und lassen sie dann passieren. Die Rassenbeschreibung, die den Elo als «freundlich, ausgeglichen, mit hoher Reizschwelle» charakterisiert, scheint zu stimmen. 

Als Hundebesitzerin Domenica Bühler die Besucherin begrüsst, sagt sie: «Ja, meine Hunde sind sehr tolerant und gutmütig. Das ist wichtig, denn ich bin Hebamme, habe meine Praxis hier zu Hause und empfange somit viele Besucherinnen.» So habe sie bewusst nach einem Hund ohne Wach- und Beschützerinstinkt gesucht; nach einem Hund, «der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und nicht kläfft». 

Kinderfreundlichkeit vorausgesetzt
Bei ihrer Recherche stiess sie auf die Rasse der Elo. «Sie haben mich optisch sehr angesprochen und vom Charakter her schienen sie perfekt zu sein», erzählt Bühler. Dass sie heute gleich mehrere Elos besitzt und mit ihnen züchtet, war eigentlich nicht geplant. Doch als sie sich vor vier Jahren für eine Hündin von einem Brienzer Züchter entschied, meinte dieser, Luna wäre äusserst geeignet für die Zucht. «Die Idee hat mich angesprochen. Schliesslich bin ich Hebamme, Geburten interessieren mich sehr wohl.» 

Luna hatte mittlerweile zwei Würfe, nun wird Awa, Lunas zweijährige Tochter, demnächst gedeckt. «Ich habe sie abklären lassen und sie hat alle Tests bestanden», sagt Bühler. Um zur Zucht zugelassen zu werden, benötigt der Hund gesunde Erbanlagen und einen Charakter, bei dem ein intaktes Sozialverhalten verbunden mit Kinderfreundlichkeit im Zentrum steht. So wird unter anderem auf eine hohe Reizschwelle, Spielfreudigkeit, enge Bindungsfähigkeit und möglichst geringen Jagdtrieb getestet. 

Die Idee der «Elo-Erfinder» Marita und Heinz Szobries war, einen anpassungsfähigen, anhänglichen Gesellschafts- und Familienhund zu erschaffen. Als Ausgangstiere der Kreuzung wählten sie Eurasier, Bobtail und Chow Chow. Sie begannen 1987 mit der Zucht des Hybridhundes, den sie später Elo nannten und als Marke registrieren liessen. Heute wird der Elo in zwei Fell- und zwei Grössenvariationen gezüchtet. Beim Klein-Elo wurden zusätzlich Klein-, Mittel- oder Japanspitz sowie Pekinese in den Genpol aufgenommen. Er ist bis zu 45 Zentimeter hoch und bringt maximal 15 Kilo auf die Waage, während der Gross-Elo bis 60 Zentimeter hoch und 35 Kilo schwer wird. Nebst dem Glatthaartyp, der dem Eurasier ähnelt, gibt es den Rauhaar-Elo, der eher dem Bobtail ähnlich sieht.

Designerhunde

Hybridhunde, auch Designerdogs genannt, sind durch gezielte Verpaarung von Elterntieren zweier unterschiedlicher Rassen entstanden. Man nehme zum Beispiel den braven und nicht haarenden Pudel und mixe das angenehme Wesen eines Golden Retrievers dazu – so entstand der Goldendoodle. Designerrassen mit Pudeln gibt es einige. So den Cockapoo (mit American Cocker Spaniel), den Maltipoo (Malteser), den Aussiedoodle (Australian Shepherd), den Schnoodle (Schnauzer) oder den Doxiepoo (Dackel). Aus anderen Rassen entsteht etwa der Puggle (Mops × Beagle), der Chiweenie (Chihuahua× Dackel), der Buggle (English Bulldog× Beagle), der Retromops (Mops× Jack Russell) oder der Morkie (Malteser× Yorkshire Terrier). 

Die Idee, ausgewählte Eigenschaften zweier verschiedener Rassen zu kombinieren, ist nicht neu. So waren viele Hunderassen ursprünglich Hybriden – wie zum Beispiel der Eurasier: Er wurde in den 1960er-Jahren durch Kreuzung von Wolfsspitz-Hündinnen und Chow-Chow-Rüden erschaffen; 1973 wurde der Eurasier durch den Internationalen Hundeverband FCI anerkannt, heute bildet er eine der Ausgangsrassen für den Elo. 

Zur Aufnahme in den Standard hat es der Elo bis heute nicht geschafft, obwohl die Rasse mittlerweile als äusserst stabil gilt, was Aussehen sowie Charakter betrifft, und sich etabliert hat. Und sie sei äusserst beliebt, sagt Züchterin Bühler – notabene nur eine von drei, die in der Schweiz mit Glatthaar-Elos züchten. Sie habe jeweils viele Anfragen, wenn sie die Welpen zur Vermittlung ausschreibe. Wichtig ist ihr, die künftigen Halter kennenzulernen und sie darüber aufzuklären, dass das geduldige und genügsame Wesen der Elos nicht bedeute, dass sie «gar nichts brauchen. Man muss mit ihnen rausgehen, jeden Tag, bei jedem Wetter», erklärt sie. Wie mit jedem Hund, auch wenn sie nicht so viel Bewegung brauchen wie ein Husky oder Beschäftigung wie ein Border Collie. 

Farbliche Wundertüten
Zudem macht Bühler darauf aufmerksam, dass der Elo im Gegensatz zu Designerhunden wie dem Labra- oder Goldendoodle (siehe Box) Unterwolle besitzt und diese zweimal jährlich abstösst. Ava zum Beispiel ist gerade in der Haarungsphase. «Sie macht sich schön, denn sie wird ja demnächst läufig und möchte dem potenziellen Verpaarungspartner gefallen.» Sie ist die hellste der drei Elo-Hündinnen vom Orisbach, mit hellbeigem und weis­sem Fell, während Luna im Schulter- und Kopfbereich eine recht dunkle Färbung hat und die halbjährige Aisha auffallend rötlich ist. «Bei den Elos gibt es die gesamte Farbpalette und alle möglichen Musterungen», sagt Bühler. «Und manchmal verändert sich die Färbung auch, während der Welpe aufwächst.» Da kaufe man halt manchmal eine Wundertüte. Sicher sein könne man hingegen: Jeder Elo wird ein geselliges, liebes Wesen sein. Anpassungsfähig und immer freundlich. 

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