Gesunde Füsse dank frischen Ästen

Binsenamadine auf Ast in Voliere
In der Voliere
Vogelfüsse müssen auch in der Voliere beweglich und gesund bleiben. Sitzstangen aus Plastik sind ein Tabu, dicke und dünne Zweige ein Muss.

Vögel in der Natur fliegen auf dünne, wippende Äste, auf dicke, deren Stamm sie kaum umklammern können oder auf Steine am Boden. Sie halten sich an senkrechten Zweigen fest und ruhen auf waagrechten. Ihre Füsse sind dabei immer in Bewegung. Mal schliessen sie die Krallen fast ganz um ein Ästchen, mal wetzen sie sie an der groben Rinde eines kapitalen Asts ab, weil er so dick ist. Gerade zum Ruhen und Schlafen begeben sich viele Vögel gerne in dünnes Gezweig. Sie merken so an den Vibrationen eher, wenn sich ein Feind anschleicht, sei es ein Raubtier oder ein Reptil.

Das Ziel der Vogelhaltung ist, den Pfleglingen auf kleinerem Raum alles zu bieten, was sie in der Natur auch vorfinden. Dazu gehört auch eine vielfältige Volierenausstattung. Es gibt Zuchtkäfige für kleinere Arten wie Kanarien und Prachtfinken, die aus dem Ausland importiert werden. Zu diesen Einheiten gehören auch leicht gerillte Plastiksitzstangen. Sie sind in der Schweiz nicht erlaubt, und dies aus gutem Grund. Die Stange hat immer den gleichen Durchmesser und ist gänzlich ungeeignet als Sitzmöglichkeit.

Das gesetzliche Mindestmass zur Unterbringung von zwei bis vier Kanarienvögeln oder Prachtfinken ist ein Käfig mit den Massen 60 × 40 × 50 Zentimeter. Oft wird ein solcher Käfig zur gezielten Zucht eines Paars verwendet. Die Vögel leben also nicht ganzjährig darin, sondern nur zur Zuchtzeit. Doch auch in einem solchen Käfig sollen natürliche Äste verwendet werden, die eine unterschiedliche Dicke aufweisen. Alle Vögel untersuchen, knabbern und nesteln lange an Knospen und bleiben agil, wenn sie natürliche Äste als Sitzmöglichkeiten haben.

Gratisäste aus der Natur
Je grösser eine Box oder Voliere ist, desto vielfältiger ist sie einzurichten. Sie sollte Flug­raum aufweisen, jedoch auch Zonen mit Kletter- und Nagemöglichkeiten. Die Voliere sollte mehr als zwei Sitzstangen haben. Zur Grundausstattung gehören ein Wurzelstock am Boden, ein senkrecht befestigter Ast und frische Zweige in einer Ecke, die reglmäs­sig ausgewechselt werden. Auch eine Box kann mit frischen Zweigen bereichert werden.

Die Natur bietet so vieles, welches das Leben der Vögel bereichert. Ein halb verrotteter, bemooster Ast aus dem Wald etwa hält die gefiederten Freunde beschäftigt. Vielleicht finden sie im Holz und Moos Kerbtiere. Wenn im Winter Bäume und Sträucher geschnitten werden, kann man die Zweige aussuchen. Für Grosspapageien müssen Äste zurechtgesägt und passend eingebracht werden. Kleinpapageien, Prachtfinken oder Kanarien benötigen leichtere, dünnere Zweige. Frische Äste halten die Sinne der Vögel wach, sorgen für gesunde Füsse ohne Druckstellen und bringen sie in Kontakt mit der Natur.

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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