Prall, saftig und gesund: Tomaten sind nicht nur ein Gaumen-, sondern auch ein Augenschmaus. Ihre unterschiedlichen Formen und Farben faszinieren ebenso wie die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die je nach Sorte von süsslich über fruchtig bis hin zu würzig variieren.

In der Schweiz zählen Tomaten zu den beliebtesten Gemüsesorten überhaupt. Rund 7 Kilo verspeisen wir pro Person und Jahr. Auf dem Einkaufsbummel haben wir uns längst daran gewöhnt, dass es beim Lieblings-Detailhändler immer Tomaten zu kaufen gibt – auch in der kälteren Jahreszeit.

Gerade in den Wintermonaten präsentieren sich jedoch mehrheitlich ausländische Tomaten in den Gemüseregalen. Das hat seinen Grund: Die Saison für Schweizer Tomaten dauert von April bis November. Um zu wachsen, sind sie auf jede Menge Licht und Wärme angewiesen. Niedrige Temperaturen können verheerende Auswirkungen haben. Hiesige Tomaten werden deshalb vor allem in Gewächshäusern gezogen. So wurden 2024 laut der Berufsorganisation der Schweizer Gemüseproduzentinnen und -produzenten (VSGP) 40 350 Tonnen Schweizer Tomaten geerntet. Dieser Menge gegenüber stehen 51 209 Tonnen importierte Tomaten. Diese stammen aus wärmeren, südlichen Ländern wie Spanien, Italien oder Marokko.

Tomaten-Fans haben somit beim Einkauf oft die Wahl zwischen ausländischen Tomaten, die schon tausende Kilometer weit transportiert wurden und Schweizer Exemplaren, die zwar kürzere Transportwege hinter sich haben, aber grösstenteils aus geheizten Gewächshäusern stammen. Was die Frage aufwirft: Welche Variante ist besser für die Umwelt?

Eine Frage der Beheizungsart

Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren wie der Saison, der Art der Gewächshausbeheizung und der Transportdistanz ab, wie eine Studie der Carbotech AG von 2021 und 2022 zeigt. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt untersuchte das Unternehmen die Ökobilanz unterschiedlicher Anbauarten von Sorten wie grünen Bohnen, Erdbeeren, Spargeln und eben auch Tomaten. Gerade bei Letzteren zeigt sich: «Aus der Region» heisst nicht immer «besser für die Umwelt».

Um die Umweltauswirkungen verschiedener Produktions-, Transport- und Verpackungsszenarien zu berechnen, verglich die Carbotech AG Tomaten aus der Schweiz und aus Spanien. Untersucht wurden verschiedene Anbauarten wie Folientunnels, mit Erdöl beheizte Gewächshäuser sowie mit Abwärme beheizte Gewächshäuser. Die Bilanz der Verantwortlichen: «Frisches, saisonales und heimisches Obst und Gemüse ist anderen Varianten vorzuziehen, allerdings nur, wenn es nicht in Gewächshäusern unter Einsatz fossiler Heizenergie angebaut wird.»

Soll heissen: Schweizer Tomaten aus Gewächshäusern, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, weisen eine Umweltbelastung auf, die mehr als doppelt so hoch sein kann wie die von spanischen Tomaten, bei denen vor allem der Transportweg auf die Ökobilanz schlägt. Am besten schneiden in der Studie Schweizer Tomaten aus Folientunnels ab – sie weisen die niedrigste Umweltbilanz aus. Einen Mittelweg bilden Gewächshäuser, die mit der Abwärme von Industrie- oder Kehrichtverbrennungsanlagen beheizt werden.

Tessiner Wintertomaten

Die Schweiz importiert mehr Tomaten als sie produziert. Andere Länder wie die Niederlande oder Schweden setzen auf zeitversetzten Anbau von Tomatenkulturen in Gewächshäusern, um den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen. Wäre das auch hierzulande ein Thema? Mit dieser Frage setzte sich Agroscope 2023 auseinander. Zwar würde eine zeitversetzte Produktion den Bedarf des Marktes während des ganzen Jahres decken, heisst es in einem Bericht. Aber: «Der Energieaufwand wäre doppelt so hoch wie bei der herkömmlichen Produktion, ohne dass der Ertrag wesentlich höher ausfallen würde.» Profitieren könnte die herkömmliche Produktion allerdings von einer LED-Beleuchtung.

Beim Landwirtschaftsbetrieb Orticola Bassi aus Sant’Antonino (TI) gehört diese schon längst dazu. In einem 5000 Quadratmeter grossen Treibhaus, ausgestattet mit LED-Beleuchtung, einer CO2-neutralen Heizung, einer Photovoltaikanlage sowie einer speziellen Klimaführung werden auch im Winter heimische Cherry-Tomaten produziert. Der gesamte Anbau erfolgt nach dem Hors-Sol-Prinzip und ist umwelt- und ressourcenschonend.

Das Projekt «Schweizer Wintertomaten dank modernster Technik» schuf nicht nur neue Arbeitsplätze in der Region, sondern wurde sogar prämiert: 2024 überzeugte das Betriebsleiterpaar Christian und Silvia Bassi damit die Fachjury des Agropreises und gewann den Hauptpreis im Wert von 20 000 Franken für innovative und kreative Marktideen in derSchweizer Landwirtschaft.