Leishmaniose: Gefahr am Strand

Hund steht am Sandstrand

Schön ist es am Strand, aber nicht ungefährlich: Kleine, blutsaugende Sandmücken können die Leish­maniose übertragen.

Ioana Catalina E/shutterstock.com

Infektion bei Hunden
Tierimporte und Reisen ans Mittelmeer sorgen dafür, dass immer mehr Hunde in der Schweiz an Leishmaniose leiden. Einmal angesteckt, wird der Hund die Infektion nicht mehr los.

Struppi war oft müde und hatte viel Durchfall. Stress, vermuteten seine Besitzer. Der Hund lebte damals noch nicht lange bei ihnen. Er stammte aus Spanien, war dort von einer Tierschutzorganisation als Strassenhund eingefangen und in die Schweiz gebracht worden. In einem Tierheim im Kanton Zürich hatten Claudia N.* und Manuel B.* den Mischlingsrüden 2013 in Empfang genommen.

Der Tierarzt verordnete ihrem schätzungsweise zweijährigen Hund ein Antibiotikum. «Damit ging es Struppi etwas besser», sagt Claudia N. Rund ein Jahr später aber verschlechterte sich sein Zustand wieder. Er blutete aus der Nase, die Haut um die Nase herum entzündete sich, er bekam schleimigen Durchfall und litt ausserdem an starker Blutarmut, wie seine Tierärztin herausfand. «Damals war Struppi völlig abgemagert. Er wollte nichts mehr fressen», erinnert sich seine Halterin. Nach weiteren Abklärungen am Tierspital Zürich stand die Diagnose fest: Struppi hatte sich – ziemlich sicher noch in seinem Herkunftsland Spanien – mit Leishmaniose angesteckt.

Schätzungsweise sind in Spanien, Italien, Frankreich und Portugal rund 2,5 Millionen Hunde mit Leishmania infantum infiziert. Dieser Parasit ist in allen Ländern rund um das Mittelmeer verbreitet und verursacht den Hauptteil der Leishmanien­er­kran-kungen. Fachleute erachten das Risiko einer Leishmanien-Infektion bei importierten Hunden aus südlichen und östlichen Ländern als hoch.

«Als wir Struppi übernommen haben, wurde uns mitgeteilt, er sei auf Leishmaniose untersucht worden und der Test sei negativ ausgefallen. Deshalb sind wir davon ausgegangen, dass er Leishmaniose-frei ist», sagt Claudia N. Was dem Ehepaar niemand gesagt hatte: Infektionen mit Leishmanien sind bei der Einfuhr der Tiere oft noch gar nicht nachweisbar. «Das wissen viele Hundehalter nicht», sagt Wanda Burkhardt, Tierärztin und diplomierte Internistin für Hunde und Katzen in Wangs SG. Sie betreute Struppi damals noch am Zürcher Tierspital.

Vorbeugung
  • Hunde möglichst nicht in Mittelmeerländer mitnehmen.  
  • Vorbeugung ist wichtig, denn die Impfung schützt nicht vor der Infektion, sondern reduziert das Risiko einer Erkrankung.
  • Hunde bei Einbruch der Dämmerung im Haus lassen; Fenster mit Insektenschutzgittern versehen.
  • Lassen Sie Ihren Hund etwa zwei Monate nach der Reise auf Leishmanien testen.

Eine Checkliste für Hunde aus dem Ausland finden Sie hier.

Sandmücken bereits in der Schweiz
Viele importierte Hunde erkranken erst Monate oder sogar Jahre nach Einfuhr an den Leishmanien. Denn die Parasiten können über lange Zeit im Körper schlummern und erst aktiv werden, wenn sich eine Gelegenheit bietet, die Immunabwehr des Wirts zu unterlaufen.

Übertragen wird die Erkrankung von Sand- oder Schmetterlingsmücken. Diese sandfarbenen, etwa zwei bis drei Millimeter kleinen Stechinsekten sind von April bis November vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Die Parasiten bilden im Verdauungstrakt der Mücke einen Pfropf, sodass das Insekt keine Nahrung mehr aufnehmen kann, umso öfter zusticht – und über den Speichel weitere Tiere ansteckt. Flöhe und bestimmte Zecken können theoretisch ebenfalls als Überträger dienen. Ausserdem werden bei Bluttransfusionen, beim Deckakt oder über die Plazenta Leishmanien übertragen. «Beim normalen Spielen stecken Hunde einander aber nicht an», sagt Wanda Burkhardt.

Die Klimaerwärmung, reger Reiseverkehr und der Import von Hunden aus Mittelmeerländern haben dazu beigetragen, dass die Leishmanien neue Gebiete erobern konnten. So ist Leishmania infantum mittlerweile in Norditalien heimisch. Sandmücken wurden vereinzelt auch in der Südschweiz und in Süddeutschland gesichtet.
Die Erkrankung zeigt sich an unterschiedlichen Symptomen: Gewichtsverlust, Apathie, Lymphknotenschwellungen, Fieberschübe, lange und brüchige Krallen, Haarausfall, Hautveränderungen (häufig um Schnauze Augen oder Ohren), Augen- oder Gelenkentzündungen. Oder aber, es gibt keine Anzeichen. Über die Hälfte der infizierten Hunde wirken gesund, können die Erkrankung aber weitergeben. «Es kommt vor, dass einem Hund nichts anzusehen ist, er aber einen
lebensbedrohlichen Mangel an Blutplättchen hat», sagt Burkhardt.

Weltweit gibt es mehr als 50 Leishmanien-Arten, von denen mindestens zwölf Hunde befallen. Sie sind jedoch nicht die einzigen Wirte: Auch Menschen, seltener Katzen, Ratten, Füchse, Hasen, Affen, Beuteltiere, Rinder sowie Pferde können an Leishmaniose erkranken. Bei den beiden letztgenannten Tierarten gab es aber bisher keine schweren Verläufe.

Teure Medikamente
Anders bei Hunden. Befallen die Leishmanien innere Organe, kann es zum Beispiel zur Lebervergrösserung oder zur Nierenschwäche kommen. Unbehandelt führt dieses Stadium der Krankheit oft zum Tod. Rottweiler, Boxer, Deutsche Schäferhunde und Cocker Spaniel scheinen empfänglicher für die Erkrankung zu sein, Podencos dagegen erkranken nur selten daran.

Erkannt wird die Infektion anhand der Symptome und mit Hilfe von Labortests. Antikörper gegen Leishmanien sind frühestens sechs Wochen nach der Ansteckung aussagekräftig und beweisen, dass der Hund mit den Parasiten Kontakt hatte. Je nach Region haben in den Mittelmeerländern bis zu 70 Prozent Hunde Antikörper gegen Leishmanien, aber nur etwa 10 bis 30 Prozent zeigen auch Symptome. Sind die Antikörperspiegel hoch, kann dies auf eine aktive Infektion hinweisen wie bei Struppi.

«Unser Hund bekam zunächst mehrere Wochen lang zweimal täglich eine Spritze und mehrere Medikamente zum Einnehmen. Nach rund zwei Monaten ging es ihm besser», sagt Claudia N. Allein diese Medikamente kosteten mehrere Tausend Franken. Seither muss Struppi vier Tabletten Allopurinol täglich schlucken, ein Wirkstoff, der in den Leishmanien die Bildung von wichtigen Eiweissstoffen hemmt, sodass sie sich nicht vermehren können.
Struppi darf nicht viel Fleisch essen

Diese Therapie bedinge aber, dass der Hund purinarm ernährt werden müsse, betont Wanda Burkhardt. Purine sind bestimmte Eiweissstoffe, die reichlich im Fleisch vorhanden sind. «Andernfalls können sich rasch Nieren- oder Harnleitersteine bilden, die grosse Probleme bereiten können. Manche dieser Hunde sterben dann nicht an der Leishmaniose, sondern an den Steinen.»

Hundehalterin Claudia N. holte sich deshalb bei einer Ernährungsberaterin Rat: «Wir kochen Struppi Kartoffeln, Reis, Rüebli, dazu gibts jeden Tag einen Apfel, etwas Hüttenkäse und 70 Gramm Poulet.» Der kulinarische Höhepunkt für den Hund ist zweimal täglich ein Wursträdli – darin sind jeweils zwei Tabletten versteckt. «Mit dieser Behandlung geht es ihm bisher gut.»

Trotz der Therapie bekommt Struppi mitunter einen Erkrankungsschub. Denn die Leishmanien können trotz Therapie im Knochenmark überleben und immer wieder zu Rückfällen führen. Heilbar ist die Erkrankung nämlich trotz Behandlung nicht. Claudia N. rechnet damit, dass ihr Hund die Behandlung lebenslang wird fortsetzen müssen. Im Mindesten werde er lebenslange Kontrollen und Blutuntersuchungen benötigen, sagt Burkhardt. «Vielen Hundehaltern ist nicht bewusst, was an Belastungen – auch finanziell – auf sie zukommen kann, wenn sie einen Leishmaniose-infizierten Hund übernehmen.»

 * Namen der Redaktion bekannt

http://dogandcatdoc.ch/reisekrankheiten

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