Ausdauernde Kräher aus dem Bergischen Land

Bergischer Kräher
Hühnerrasse
Die Bergischen Kräher sind die älteste Hühnerrasse Deutschlands und weisen drei eigene Charaktere auf: den lang anhaltenden Krähruf der Hähne, die «Dobbelung» als einzig­artiges Zeichnungsmerkmal und den «gebogenen» Rücken.

Die Bergischen Kräher sind älter als die organisierte Rassegeflügelzucht. Deshalb ist ihre Herkunft nicht bis in die Anfänge dokumentiert. Es ist davon auszugehen, dass die Rasse vor Jahrhunderten im Bergischen Land aus heimischen Hühnern und solchen südosteuropäischer Herkunft entstanden ist. Daneben ranken sich viele Sagen und Legenden um die Herkunft der Hühnerrasse.  

Das «Bergische Land» ist eine Region in Nordrhein-Westfalen und liegt östlich der grossen Städte Düsseldorf und Köln. In der hügeligen Landschaft gibt es viele Ruinen, Burgen und Schösser, welche auf die frühe Besiedlung dieser Orte hinweisen. Eine Legende besagt, dass spanische Mönche Ende des 18. Jahrhunderts lang krähende Hähne in den Raum Wuppertal eingeführt haben sollen. Doch bis heute ist keine Hühnerrasse aus Spanien bekannt, die einen langen Krähruf als ihr typisches Merkmal zeigt. 

Schreie helfen aus dem Wald
Etwas plausibler scheint die Legende, die im «Deutschen Geflügelhof 1949» beschrieben ist. Dort ist von Kaiser Friedrich aus dem Jahr 1190 die Rede, der dem Graf von Bergen folgte. Die Reise ging in die heutige Türkei. Weil der Kaiser den Tod fand und kein neuer Führer ernannt wurde, reisten die Kreuzritter auf eigene Faust in die Heimat zurück. Die Gruppe um Graf von Bergen verirrte sich auf dem Rückweg im Walde. Als sie nach drei Tagen und drei Nächten immer noch nicht aus dem Wald fand, gelobte der Graf, dasjenige in seine Heimat mitzunehmen, das ihn aus dem Wald befreie. 

Da schallten lang gezogene Schreie durch das Gehölz, die noch niemand zuvor je gehört hatte. Als auf einem Baumstamm ein Hahn stand, der von Zeit zu Zeit einen gewaltigen Krähruf erschallen liess, kaufte der Graf von Bergen das Tier und brachte es in die Bergische Heimat. Heute sind die türkischen Denizli-Kräher noch immer eine bekannte Langkräherrasse, weshalb es durchaus sein könnte, dass Tiere durch die Kreuzritter damals von der Türkei nach Deutschland kamen. 

Steckbrief

Bergische Kräher
Gewicht Hahn: 3 bis 3,5 Kilogramm
Gewicht Henne: 2 bis 2,5 Kilogramm
Bruteier-Mindestgewicht: 56 Gramm
Schalenfarbe: weiss

Bergische Schlotterkämme
Gewicht Hahn: 2 bis 2,75 Kilogramm
Gewicht Henne: 1,75 bis 2,25 Kilogramm
Bruteier-Mindestgewicht: 55 Gramm
Schalenfarbe: weiss

In einer wissenschaftlichen Verwandtschaftsanalyse im Jahr 2003 wurde eine statistisch gut gesicherte Verwandt­schaftsbeziehung zwischen den Bergischen Krähern und den Sprenkelhuhnrassen wie den Friesen- oder Hamburgerhühnern ermittelt. Dies könnte auch ein Hinweis auf die Einkreuzung mit den Landhuhnrassen sein. Studiert man die Resultate weiter, entdeckt man Verbindungen zu asiatischen Rassen. 

Fest steht, dass die Bergischen Kräher 1853 in Görlitz das erste Mal auf einer Ausstellung gezeigt wurden und bereits 1885 eine Musterbeschreibung der Rasse angefertigt wurde. Die Bergischen Kräher sind aufgerichtete Hühner mit einem gebogenen Rücken, der mit sanfter Neigung in den Sattel übergeht. Dadurch entsteht eine Dreibogenlinie, die das Erscheinungsbild der Rasse prägt. Dieses Bild ist auch entstanden, weil sich die Rasse über lange Zeit eigenständig entwickelt hat. Sie sollen auch Vorfahren der Bergischen Schlotterkämme und Krüper sein. 

Dreimal so langer Krähruf
Die Bergischen Kräher sind äusserst  wachsame und temperamentvolle Tiere. Zahlreiche natürliche Instinkte haben sie behalten, weshalb sie auf hektische Veränderungen in ihrer Umgebung sehr schnell reagieren. Bei einer Bedrohung durch einen Greifvogel können sie beispielsweise innert kürzester Zeit eine hohe Fluchtdistanz zurücklegen. Dadurch entsteht fälschlicherweise der Eindruck, dass die Bergischen Kräher eine scheue Rasse sind. Sind die Tiere jedoch über einen längeren Zeitraum an Personen gewöhnt, werden sie sehr zutraulich und fressen problemlos aus der Hand. 

Bei den Bergischen Krähern ist der Name Programm und war über Jahrhunderte einzigartig in Westeuropa. Heute sind andere Langkräherrassen aus verschiedenen Teilen der Welt bekannt, doch in der Melodie des Rufes sind sie nicht ähnlich. In einem tiefen, lang anhaltenden Ruf krähen die Hähne zwei- bis dreimal so lang wie andere Hühnerrassen. Der Krähruf dauert somit etwa zehn Sekunden.

Bereits im Alter von zehn bis vierzehn Wochen beginnen die Hähne mit dem Krähen. Der Hahn soll in einer tiefen Tonlage beginnen und langsam in der Tonhöhe steigen und wieder fallen. Am Schluss erfolgt ein «Schnork», ein tiefes «A» beim Einatmen nach der langen Anstrengung. Wie im Handbuch der Nutz- und Rassehühner steht, sind krächzende Krährufe verpönt. Im Unterschied zum «normalen» Hahn stehen die Bergischen Kräher bei ihrem langen Ruf nicht still. Sie schreiten vorwärts und senken den Kopf langsam nach unten. 

Die Bergischen Kräher gelten in Deutschland als extrem gefährdet, wie der soeben erschienenen «Roten Liste 2019 für Gefährdete Nutztierrassen» zu entnehmen ist. In Deutschland soll es noch 57 Hähne, 219 Hennen und 28 Züchter geben. In der Schweiz war die Verbreitung noch viel geringer. Nur an der Ausstellung «Kleintiere 05» in Bern waren vier Tiere der Grossrasse und an der Nationalen Geflügelschau 2011 in Züberwangen SG zwei Tiere der Zwergrasse zu sehen.

Seltene Rasse mit einzigartiger Farbe
Der Farbenschlag Schwarz-goldbraungedobbelt gibt es nur bei den Bergischen Hühnerrassen. Dieses charakteristische Rassenmerkmal ist die gröbste Form der Säumung. Dabei weisen die Federn des Brustgefieders und der vorderen Rückenpartie goldbraune innenliegende Punkte, sogenannte Dobbeln, auf. Viele dieser Federn werden von einfarbig schwarzen Federn überlagert, was in der Fachsprache eine verdeckte Dobbelung ist. 

Oft werden Hennen mit verdeckter Dobbelung an Ausstellungen deswegen fälschlicherweise bestraft. Für die Zucht sind solche Tiere sehr wertvoll, weil dadurch auf lange Sicht nicht zu helle Tiere entstehen. Der Name für die Zeichnungsvariante wurde nach den Steinen eines alten Brettspiels aus dem Bergischen Land benannt, wie aus dem Buch «Bergische Hühnerrassen» zu lesen ist. 

Die Hähne haben mehr goldbraune Federpartien als die Hennen. Das Schmuckgefieder ist goldbraun mit schwarzer Spitze, die Schulterpartie goldfarbig mit russigem Rand. Eine braune Zeichnung im Schwanz des Hahnes gilt als «Bronzeschwanz» und würde bei der Bewertung als grober Fehler taxiert. Die Aus­senfahnen der Arm- und Handschwingen sind bei beiden Geschlechtern goldbraun, die Innenfahnen schwarz bis goldbraun. 

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