David und Goliath aus Belgien

Belgische Hühner
Rassen
Brügger Kämpfer und Watermaalsche Bartzwerge könnten unterschiedlicher nicht sein: Die einen sind zehnmal so schwer wie die anderen, und auch farblich heben sie sich voneinander ab. Etwas aber haben die beiden Rassen gemein: ihre Herkunft.

Brügger Kämpfer sind wahre Kraftpakete. Im Rassegeflügelstandard wird beim Hahn ein Körpergewicht von mindestens vier Kilo gefordert. Seine Beine sind stark und haben einen grossen Durchmesser. Die schiefergrauen Läufe sind so massiv und männlich, dass bei den Hennen sogar Sporen zugelassen werden. So steht es jedenfalls in der Broschüre des Belgischen Landesverbandes über die einheimischen Rassen. Im Standard wird sogar noch weiter ausgeführt, dass bei den Hähnen Doppelsporen zugelassen sind. 

Die belgischen Kampfhühner, deren Ursprung auf das 17. Jahrhundert zurückgeht, sind wohl aus Landhühnern, Altenglischen Kämpfern und Malaien entstanden, wie Horst Schmidt im «Handbuch der Nutz- und Rassehühner» schreibt. An erster Stelle stand der Kampfeinsatz. Die Wirtschaftlichkeit der Rasse wurde aber ebenso beachtet, weshalb die Hennen heute zu den besseren Legerinnen unter den Kampfhühnern gehören. Die Brügger Kämpfer zeigen eine wenig gewölbte Brust, die voll bemuskelt ist. Auffällig sind die breiten Schultern und der waagrechte Rücken. 

Ganz anders ist dies bei den Watermaalschen Bartzwergen. Das kleine Zwerghuhn hat eine vorgedrückte Brust und senkt die Flügel stark, was den zwergenhaften Gesamteindruck zusätzlich verstärkt. Bei den Zwerghühnchen sind die Schultern nicht sichtbar und werden von den Halsfedern bedeckt. Der Schwanz ist leicht gefächert und die Hauptsicheln sind kurz und nur wenig gebogen. 

Mit dreiteiligem Bart und Kammdorn
Die Watermaalschen Bartzwerge tragen nicht nur einen dreiteiligen Bart. Auf dem Kopf endet der Rosenkamm auch in einem dreigeteilten Kammdorn. Das ist das Hauptrassenmerkmal dieser zierlichen Hühner. Erstmals wurden sie 1922 in Brüssel ausgestellt, womit sie im Vergleich zu den Brügger Kämpfern eine viel kürzere Geschichte haben. Geschaffen wurden die Watermaalschen Bartzwerge von Antoine Dresse und seinem Sohn Oscar aus der Zucht «Les Fougères». Welche Rassen miteinander gekreuzt wurden, bleibt ein Geheimnis. Die Antwerpener Bartzwerge spielten aber offensichtlich eine wichtige Rolle. Sie prägten den Typ und vererbten der Rasse den Bart. 

Die Legeleistung ist mit 100 Eiern pro Jahr für diese Rasse gut, zumal einzelne Eier bis zu 40 Gramm schwer werden können. Von den 16 offiziell anerkannten Farbenschlägen zählen die wachtelfarbigen, die blau-wachtelfarbigen und die schwarzen zu den verbreitetsten. Der Bart und der Schopf prägen das Bild dieser Hühnchen und lassen sie grösser erscheinen. Der Bart sollte wie die Brustpartie gefärbt werden. Die Kehllappen sind ganz klein und fehlen manchmal, wie dies auch bei den Brügger Kämpfern der Fall ist. Durch den federreichen Bart werden die Kehllappen und die roten Gesichtspunkte meist verdeckt. In der Zucht dieser Barthühnchen ist der Typ und die Gefiederfarbe wichtig. Dafür werden Schwankungen bei den meist bläulichen Läufen und der Schnabelfarbe toleriert. 

In der Schweiz wurden Watermaalsche Bartzwerge erstmals vor 20 Jahren auf einer Nationalen Geflügelschau gezeigt. In den letzten Jahren haben sie viele Liebhaber dazugewonnen, weil sie durch initiative Züchter mit anderen belgischen Barthühnern intensiv gefördert werden. Ausserhalb von Belgien sind die Watermaalschen Bartzwerge in Holland und Deutschland stark verbreitet.

Steckbriefe

Brügger Kämpfer
Gewicht Hahn:
4,5 bis 5,5 Kilo
Gewicht Henne: 3,5 bis 4 Kilo
Legeleistung: 120 Eier pro Jahr
Bruteier-Mindestgewicht: 55 Gramm
Schalenfarbe: gelb oder weiss
Anzahl Farbenschläge: 12

Watermaalsche Bartzwerge
Gewicht Hahn: 600 Gramm
Gewicht Henne: 500 Gramm
Legeleistung: 100 Eier pro Jahr
Bruteier-Mindestgewicht: 28 Gramm
Schalenfarbe: weiss bis cremefarbig
Anzahl Farbenschläge: 16

Kämpfer haben wenig Liebhaber
Der Liebhaberkreis der Brügger Kämpfer ist sehr klein. In der Schweiz werden sie nur sporadisch auf grösseren Ausstellungen gezeigt. In Deutschland waren sie ebenfalls nie stark verbreitet, im Gegensatz zu Nordfrankreich, wo die Rasse viele Freunde hat. Die Brügger Kämpfer werden meist in Blau und Blau-goldfarbig gezüchtet. Im Standard sind jedoch bis zu zwölf verschiedene Farbenschläge notiert. Die Anforderungen an die Gefiederzeichung sind nicht so hoch und zugunstern von Typ und Form von untergeordneter Bedeutung. Der Rücken wird möglichst waagrecht getragen, der Schwanz ist nur knapp entwickelt. Das Gesicht ist maulbeerfarbig bis schwarzrot. Die Kopfpartie wird von gut ausgebildeten Augenbrauenbogen geprägt, und auf dem Kopf tragen die Brügger Kämpfer einen Erbsenkamm. Die ganze Gesichtspartie ist nicht rot wie bei den meisten Hühnerrassen. Die sehr dunklen Ohrlappen und Augen sind schwarz bis schwarzrot gefärbt. 

Die Brügger Kämpfer wachsen sehr langsam, wie in einer Broschüre des Belgischen Geflügelzuchtverbandes steht. Es wird empfohlen, die Jungtiere nach Geschlechtern getrennt aufzuziehen, damit die Hähne nicht um die Hennen streiten müssen. Sobald die Rangordnung entschieden ist, sind die Brügger Kämpfer sanftmütige Tiere, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch als Zwergrasse gezüchtet werden. 

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