Temperamentvolle Belgier

Brakel
Brakel
Bereits vor 600 Jahren wurde das Brakel in belgischen Dokumenten zum ersten Mal erwähnt. Auch heute noch ist das silberweisse Huhn wegen seines gebänderten Sprenkelgefieders beliebt.

Das Brakel ist ein stattliches, temperamentvolles Landhuhn mit hoch getragenem Schwanz. Die bewegliche Rasse sucht im Auslauf gerne eigenständig nach ihrem Futter. Sie ist robust, problemlos zu halten und wächst schnell. Im Allgemeinen zählen die Brakel zu den frühreifen Legehennen und der Fleisch­ertrag soll nicht unwesentlich sein. Wie Horst Marks in seinem Buch «Unser Rassegeflügel» schreibt, können die Küken im Frühling auch etwas später aus den Eiern schlüpfen – dank des schnellen Wachstums beginnen sie trotzdem im Spätherbst mit dem Legen. 

Wie in einer Dokumentation über die belgischen Geflügelrassen nachzulesen ist, gehen die ersten Dokumente über die Brakel auf das Jahr 1416 zurück. In der Gegend von Nederbrakel wurden damals die ersten dieser Hühner gehalten. Einen Verein zur Förderung der Rasse gründeten die Liebhaber vor 120 Jahren und kurz darauf folgte auch die Aufnahme der Rasse in den Standard. 

Zu Hause in Nordwesteuropa
Die Belgier beschreiben die Brakel als rustikale Rasse, die mit sehr wenig Pflege zufrieden ist. Die im Standard erwähnte Legeleistung von 180 Eiern soll oft übertroffen werden. Meist legen die Hennen etwas grössere, bis zu 65 Gramm schwere Eier. In England wurde nur wenige Jahre nach der Entstehung in Belgien mit der Zucht der Brakel begonnen. Allerdings bezeichnen die Briten die Brakel als Campiner. Diese Bezeichnung kommt nicht von ungefähr, denn wie Horst Marks schreibt, soll die belgische Rasse ihre Abstammung von alten Campiner-Hühnern haben – einer in der Literatur als ausgestorben bezeichnete Rasse. Unter dem Namen «Campiner» wurden die britischen Hühner auch an der letzten Europaschau ausgestellt. 

Noch heute sind die Brakel besonders verbreitet in Belgien, Holland und in Deutschland – besonders in den Gebieten Friesland und Westfalen. Die belgischen Hühner sind in ihren Anfangsjahren auch schnell nach Deutschland gekommen und dort wurde der etwas stattlichere Typ aus dem Heimatland übernommen. In der Weiterzucht wurde in Deutschland jedoch den Zeichnungsmerkmalen besonderes Augenmerk geschenkt und die Bänderung wurde stets sehr klar gefordert. Bereits vor mehr als 100 Jahren gründeten die Liebhaber in Deutschland ebenfalls einen Verein zur Förderung der Brakel. 

Steckbrief

Grossrasse
Gewicht Hahn: 2 bis 2,75 Kilo
Gewicht Henne: 1,75 bis 2,25 Kilo
Schalenfarbe: weiss
Legeleistung pro Jahr: 180 Eier
Bruteiergewicht: 55 Gramm

Zwergrasse
Gewicht Hahn: 1 Kilo
Gewicht Henne: 0,9 Kilo
Schalenfarbe: weiss
Legeleistung pro Jahr: 120 Eier
Bruteiergewicht: 35 Gramm

In der Schweiz muss dies nicht anders gewesen sein. An der Nationalen Geflügelschau von 1932 wurden bereits 31 Tiere der Grossrasse gezeigt. Eine treue Züchterschaft hielt in der Schweiz zu den Brakeln und 1974 kamen die Zwerge dazu. Wie in alten Schriftwechseln von Rassegeflügel Schweiz zu lesen ist, gab es in dieser Zeit Anstrengungen, verschiedene Spezialklubs zu vereinen. An dieser Diskussion beteiligt waren auch die Züchter der Brakelhühner. Der damals diskutierte Zusammenschluss kam jedoch nicht zustande und die Spur des Brakel-Spezialklubs verliert sich damit. Heute gibt es in der Schweiz keine Organisation mehr, welche sich den Brakeln speziell annimmt. 

Der Körper des Brakelhuhnes ist ein breites Rechteck und der Rücken ist leicht abfallend. Der Schwanz ist ziemlich hochgetragen und beeindruckt durch die üppigen, langen Sicheln. Das Gesicht darf mit feinen Federchen besetzt sein und auf dem Kopf ragen fünf bis sechs mittelgrosse, breite Zacken empor. Die weissen Ohrscheiben sind bläulich weiss und deuten auf die weisse Schalenfarbe hin. Bei der Henne dürfen die Ohrscheiben auch stärker bläulich sein. Der Schnabel wie auch die Läufe sind blau schieferfarbig und die Zehen dürfen weiss gefärbt sein. 

Sprenkelung ist eine Herausforderung
Die Zeichnungsmerkmale werden im Standard mit einer schwarzen Grundfarbe und weisser Querbänderung umschrieben. Beim Hahn sind der Kopf und der Halsbehang rein weiss ohne jede Zeichnung. Neben dem silberfarbigen Farbenschlag gibt es auch eine «goldfarbige» Variante. Die Zeichnungsanlage der beiden ist gleich; einzig die silberweisse Farbe ist durch ein Goldbraun ausgetauscht. 

Bei den Brakeln gibt es wie bei den meisten Rassen eine Miniaturausgabe. Diese ist in Deutschland entstanden und gleicht in Form und Farbe dem Original. Die Verzwergung schien aber nicht so einfach zu sein, wie Rüdiger Wandelt im «Handbuch der Zwerghuhnrassen» schreibt. Besonders die Sprenkelung war gemäss ihm eine grosse Herausforderung. Zuerst wurden die silberfarbigen herausgezüchtet; bis die goldfarbigen im Standard aufgenommen wurden, dauerte es noch einmal zwanzig Jahre. Im Ursprungsland Belgien ist die Zwergvariante nur selten anzutreffen, bei uns in der Schweiz hingegen ist sie etwas stärker verbreitet als die Grossrasse. 

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