Achtung giftig!

Katze leidet an Vergiftungserscheinungen
Giftköder
Katzen sind wählerisch – und damit weniger gefährdet, extra ausgelegte Giftköder zu fressen als Hunde. Gänzlich gefeit vor Vergiftungen sind Büsi aber dennoch nicht.

Giftköder sind gemäss dem Schweizer Tierschutz STS das Angstthema Nummer eins bei den Hundehaltern. Tatsächlich kommt es immer wieder zu medienwirksamen Todesfällen, nachdem Hunde mit Rattengift oder Rasierklingen präparierte Fleischstücke verschlungen haben. Während sich Hundehalter auf verschiedenen Plattformen gegenseitig auf solche fatalen Funde aufmerksam machen, bleiben Freigänger-Katzen als mögliche Opfer unerwähnt. Und dies, obwohl die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass auch Katzen auf ihren weitläufigen Spaziergängen über solche gefährlichen Leckereien stolpern. Die Recherche zeigt: Ob und, falls ja, wie viele Katzen jährlich Opfer von Giftattacken werden, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Selbst für Hunde fehlt es gemäss STS an statistischem Zahlenmaterial explizit zu Giftköder-Vorfällen. 

«Am häufigsten kommen bei Katzen wohl Vergiftungen durch Permethrin vor. Dies führt unbehandelt sehr schnell zu einem qualvollen Tod. Solche Fälle erleben wir häufig», sagt Esther Geisser von NetAP – Network for Animal Protection. Enthalten in für Hunde und Katzen zulässigen Parasitenmitteln und in Pflanzenschutzprodukten handele es sich dabei aber meist nicht um gezielte Attacken, sondern fast immer um Unfälle – die allerdings tödlich enden können. Nur einmal mit dem Hund gekuschelt, der zuvor sein Mittelchen gegen Flöhe aufgetragen bekommen hat,  schon ist es geschehen und die Katze hat sich eine Vergiftung geholt. Manchmal meinen es Halter zu gut und verabreichen ihren Stubentigern Schmerzmittel aus der Humanmedizin. Das ist ein schwerwiegender Fehler. Im Winter ebenfalls häufig: Vergiftungen aufgrund von Frostschutzmitteln, die sich in Pfützen ablagern, aus denen Katzen trinken. 

Zu Vergiftungsfällen bei Katzen verweist die Stiftung «Tox Info Suisse» auf eine Erhebung von 2015, welche die Auswirkungen von landwirtschaftlichen Produkten und Pestiziden auf Katzen untersucht hat. Demnach vergiften sich die meisten Katzen mit Insektiziden und Rodentiziden, also chemischen Mitteln zur Bekämpfung von Nagetieren. Von 50 Fällen verliefen drei tödlich und 18 schwer. 17 Tiere litten unter leichten Vergiftungserscheinungen. 

Totaler Schutz für Freigänger unmöglich
Weiterhin veröffentlicht die Stiftung jährliche Vergiftungsfälle bei Mensch und Tier im Allgemeinen. 2018 gab es demnach 2183 Fälle, die verschiedene Tierarten betrafen. 1634 Mal ging es um Hunde, 409 Mal um Katzen und 61 Mal um Pferde und Ponys. Hauptsächliche Auslöser für Vergiftungen mit leichten bis schweren Verläufen waren Medikamente (24,7 %), gefolgt von Nahrungsmitteln und Getränken (17,5 %), Landwirtschaft und Gartenbau mit Insektiziden, Schneckenvertilgungs- und Düngemitteln (15,3 %), Pflanzen (14,2 %) und Veterinärarzneimitteln (10,3 %), zu denen Mittel gegen Parasiten gezählt werden. 

«Katzen kann man weniger gut vergiften als Hunde. Sie sind vorsichtiger, wägen besser ab», begründet Esther Geisser die eher geringe Zahl an wahrscheinlichen Giftköder-Opfern. Auch der Kantonstierarzt Basel-Stadt, Michel Laszlo, sagt: «Katzen scheinen selektiver zu sein als Hunde, die beim Spiel oder Spaziergang alles Mögliche in den Fang nehmen und sich dann allenfalls vergiften.» Und der Zürcher TierRettungsDienst gibt ebenfalls Entwarnung. Unter den jährlich knapp 500 aufgenommenen Katzen sind nur selten Vergiftungsfälle. «Wir schätzen die Zahl auf zwei bis drei Fälle pro Jahr», sagt Jana Bauer, Sprecherin der Stiftung. Dass es sich tatsächlich um Vergiftungen handelt, sei aufgrund der Symptomatik, darunter Erbrechen, Durchfall, vermehrtes Speicheln, Krämpfe, Zittern und Seitenlage, klar. Welcher konkrete Stoff dahinterstecke, wisse man aber selten.

Seine Katze generell davor zu schützen, ist – zumindest bei Freigang – unmöglich. Wohnt man aber nahe einem beliebten Gassigehgebiet, empfiehlt es sich, ab und an Wegränder und Gebüsche zu erkunden. Ausschau zu halten nach Hack- oder Fleischbällchen oder nach Schneckenkorn in den Nachbargärten. Ausserdem können Erste-Hilfe-Kurse und Anti-Giftköder-Workshops auf den Notfall vorbereiten. Kommt es zum Ernstfall, hilft aber nur ein sofortiger Gang zum Tierarzt. 

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