Die Pferdeweide ist eine Herausforderung

Pferde auf Weide im Sonnenuntergang
Auslauf
Die optimale Weide für Rösser sollte saftig und dicht bewachsen mit Gräsern und Kräutern sein. Doch die Realität sieht in vielen Pferdebetrieben anders aus. Dabei kann man mit der richtigen Bewirtschaftung fast jede Weide wieder in Schuss bringen.

Sie haben es nicht einfach, die Pferdeweiden in unserem Land. Denn die meisten sind zu klein und überbesetzt. Und sie müssen mehreren Anforderungen gleichzeitig gerecht werden: dem Pferd artgerechten Auslauf, soziale Interaktion mit Artgenossen und Bewegung ermöglichen, ihnen Fressbeschäftigung bieten und als Futter- und Nährstofflieferant dienen. 

Dazu kommt, dass viele Stallbesitzer und Pferdehalter ohne landwirtschaftlichen Hintergrund die Weide nicht als lebendigen Organismus betrachten und ihre fachgerechte Pflege oft vernachlässigen. Auf vielen Pferdeweiden dominiert deshalb das Unkraut, auf anderen gibt es grosse Lücken in der Grasnarbe oder die Trittschicht ist so kaputt, das die Weide immer mehr einem Acker gleicht. 

Allerdings sind Pferdeweiden auch schwierig zu bewirtschaften. In freier Wildbahn oder dort, wo grosse Weideflächen zur Verfügung stehen wie zum Beispiel für die Freiberger im Jura zeigen sich diese Probleme nicht oder weniger stark. Auf kleinen Flächen ist das Pferd der grösste weideschädigende Faktor. Mit seinem Laufverhalten übt es eine starke Druckbelastung auf den Boden aus, was zu einer Verdichtung führen kann. 

Wo Pferde koten, entstehen sogenannte Geilstellen, die nicht abgefressen werden. Und wo ihr bevorzugtes Gras wächst, zeigen sich durch den intensiven Verbiss mit der Zeit kahlgefressene Stellen. Dort vermehren sich rasch unerwünschte Pflanzen, etwa mit Stacheln wie die Distel oder mit Giftstoffen wie die Brennnessel, der scharfe Hahnenfuss oder das gefährliche Jakobskreuzkraut. Die Artenvielfalt der Gräser und Kräuter nimmt ab, die Weide verunkrautet. Deshalb kann es sein, dass die Weide optisch zwar noch schön aussieht, die Pferde aber nichts mehr zum Fressen finden, das ihnen schmeckt und guttut. 

Abschleppen, nachsäen und jäten
Im Idealfall besteht eine Weide zu 75 bis 80 Prozent aus Gräsern. Der Rest sind Kräuter und Leguminosen. Besonders wertvoll sind Grassorten, die Pferden schmecken, einen guten Nährwert haben und die eine dichte Grasnarbe bildet. Hauptbestandteile fertiger Saatmischungen sind etwa das Englische Raigras, der Rohr- und der Rotschwingel oder die Wiesenrispe. Diese bilden viele Blätter, sodass eine dichte, robuste Grasnarbe entsteht. Eine solche ist trittfest und das beste Rezept gegen die Ausbreitung unerwünschter Pflanzen.

Wer keine Ahnung hat, welche Gräser auf seiner Weide wachsen, kann diese übrigens mit der kostenlosen App «iGräser» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften schnell und zuverlässig sowohl im blühenden als auch im nichtblühenden Zustand bestimmen.  

Welche Gräser und Kräuter auf einer Wiese gedeihen, hängt von der Region ab und damit von der Bodenbeschaffenheit; von der individuellen Nutzung sowie von der Bewirtschaftung und Pflege der Weide. Letztere Faktoren sind im Frühjahr wichtig, nachdem die Weiden über die Wintermonate Zeit hatten, sich zu erholen. Sobald der Boden mit dem Traktor befahrbar ist und das frische Gras zwischen fünf und zehn Zentimeter gewachsen ist, sollte die Weide mit einer Egge, Schleppe oder einem Wiesenstriegel bearbeitet werden. Dabei werden Trittschäden und Maulwurfshügel eingeebnet, abgestorbenes Gras, Moose und Flechten ausgekämmt, die Grasnarbe belüftet und das frische Grün zum Wachstum angeregt. 

Bei Bedarf kann dieser Vorgang mit der Ausbringung von geeignetem Saatgut kombiniert werden. Kleinere Schäden in der Grasnarbe regenerieren sich von selber, bei grös­seren kahlen Stellen empfiehlt es sich, diese mit einer Reparatur- oder Übersaat aufzufüllen, um die Trittfestigkeit zu verbessern. Lockerer oder hochgefrorener Untergrund sollte nicht abgeschleppt, sondern gewalzt werden, damit der Bodenanschluss der Wurzeln wieder hergestellt wird. Diese mechanischen Massnahmen sind bis Ende April zu erledigen, sonst werden sie zur Gefahr für am Boden brütende Vögel, Insekten und andere Lebewesen.

Vereinzelte Unkräuter oder Giftpflanzen kann man von Hand respektive mit einem Unkrautstecher entfernen. Dazu dringt man so tief ins Erdreich ein, bis man auch die Wurzeln erwischt hat. Ist die Verunkrautung schon sehr stark fortgeschritten, sollte man sich überlegen, die ganze Weide umzubrechen und neu anzulegen. Eine Totalsanierung wird am besten im frühen Herbst gemacht. Um auf der neuen Weide von Anfang an alles richtig zu machen und auch der Bodenbeschaffung und der individuellen Nutzung Rechnung zu tragen, lohnt es sich dafür einen Gründlandexperten mit Pferdekenntnissen beizuziehen. 

Boden die Nährstoffe zurückgeben 
Damit auf der Weide Gräser und Kräuter wachsen können, braucht sie wie jeder andere lebendige Organismus Nahrung. Ein geeigneter Dünger bringt die verbrauchten Nährstoffe in den Boden und damit in die neu wachsenden Pflanzen zurück und fördert deren Wachstum. Der Verzicht auf Düngemittel fördert keine «natürlichen» Pferdeweiden, sondern lediglich verarmte Böden, auf denen die wertvollen Futterpflanzen nicht mehr gedeihen und Unkraut und Giftpflanzen sich ungehindert ausbreiten können. 

Grundsätzlich gilt: Je intensiver die Weide genutzt wird, desto mehr muss gedüngt werden. Oder umgekehrt: wer nicht zu viel düngen möchte, muss die Nutzung seiner Weiden reduzieren.Um gezielt bedarfs- und umweltgerecht zu düngen, sollte man aber erst eine Bodenprobe in einem anerkannten Labor analysieren lassen und so die aktuelle Versorgungslage mit Mineralstoffen ermitteln. Abgestimmt auf die Ergebnisse kann ein geeigneter Düngerplan ausgearbeitet werden. Nach dem Ausbringen müssen die Weiden je nach Witterung zwei bis drei Wochen für die Pferde gesperrt werden, damit sie keine Düngerrückstände aufnehmen können.  

Während der Weidesaison ist darauf zu achten, dass der Wiesenbestand nicht zu tief abgeweidet wird. Pferde fressen besonders schmackhafte Gräser gerne bis an die Halmbasis ab, was das Nachwachsen erschwert. Wichtig sind deshalb Ruhezeiten, in denen sich der Grasbestand erholen kann. Dafür können einzelne Weiden oder bestimmte Bereiche vorübergehend für die Nutzung gesperrt werden. Auf stark strapazierten Koppeln sollte man eine Beweidung bei zu nassen Bodenverhältnissen vermeiden, weil durch die Tritte der Pferde mit ihren harten Hufen das Wurzelwerk stark beschädigt wird. 

Zur Weidepflege gehört auch das möglichst tägliche Absammeln der Pferdeäpfel. Zum einen, um Würmer und andere Parasiten zu reduzieren; zum anderen, um die Geilstellen zu vermeiden. 

Der Aufwand für eine gute Pferdeweide ist zwar gross, lohnt sich aber, weil die Rösser dadurch einen unbeschwerten Aufenthalt in der Umgebung haben, der ihren natürlichen Bedürfnissen am nächsten kommt.

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