Was ist der Reiz eines Aquariums?

Darüber könnte ich stundenlang erzählen. Es ist sehr spannend, die Verhaltensweisen der Tiere im Aquarium zu studieren. Eine weitere Faszination ist, die Natur unter Wasser nachzuahmen, sie zu gestalten und biologische Abläufe zu verstehen. Ein Aquarium ist einfach schön – auch eine wichtige Komponente. Denn der Blick in ein Aquarium beruhigt, lässt den Betrachter alles rund herum vergessen, und er ist von dieser anderen Welt gefesselt.

Wer sollte sich ein Aquarium anschaffen?

Im Prinzip alle, die bereit sind, den Unterhalt zu bestreiten, und die Freude daran haben. Es ermöglicht einen Blick in die Natur. Kleinkinder können allerdings kaum selbst den Wasserwechsel vollbringen. Da müssen Eltern helfen. Natürlich sind Fische keine Tiere für Menschen, die sich in erster Linie den direkten Kontakt zum Tier wünschen.

Wie gross muss ein Aquarium sein?

So gross wie möglich. Ein Becken von einem Meter wäre schön. Wenn ein kleineres Aquarium angeschafft wird, stösst man schnell an Grenzen. Viele wollen dann gerne mehr Fische halten, doch das Aquarium limitiert. Es gibt gute Angebote für Becken ab einem Meter Länge.

Was halten Sie von den Kleinstbehältern, den Nanoaquarien?

Es kommt darauf an, was man damit erreichen will. Der Hype scheint etwas vorbei zu sein. Für Aquascaping, also das kunstvolle Gestalten von Landschaften unter Wasser, werden sie noch verwendet. Garnelen und Zwergbärblinge können zwar in Nanoaquarien gehalten werden, aber grundsätzlich sind Nanoaquarien heikel und nicht empfehlenswert. Für die meisten Fische sind Nanobecken nicht geeignet.

 

Geben viele wieder auf, die ein Aquarium angeschafft haben?

Darüber gibt es kaum Zahlen. Als ich noch im Zoofachhandelarbeitete, fiel mir auf, dass Leute, die nicht so richtig über die Aquaristik aufgeklärt worden sind, rascher aufgaben. In unserem Aquarienverein haben wir konstante Mitgliederzahlen.

Wie viele Liter umfasst das grösste Aquarium, das Sie je in einer Wohnung gesehen haben?

Es handelt sich um ein 10 000-Liter-Aquarium mit Fischen und Wasserpflanzen, das ein Liebhaber in Deutschland bauen liess und in seiner Wohnung eingerichtet hat. Weiter kenne ich auch in der Schweiz ein Beispiel eines viereinhalb Meter langen 3000-Liter-Amazonas-Aquariums im Wohnzimmer.

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Kann ein Aquarium auch ohne Technik, also ohne Licht, Heizung und Filter, betrieben werden?

Wenn es auf einer Fensterbank mit Lichteinfall steht, ist das möglich. Licht ist der Taktgeber für die innere Uhr der Tiere. Es gibt durchaus Fische, die in einem Aquarium bei Raumtemperatur gut gedeihen, so wie etwa Makropoden oder Endler-Guppys. Im Hochsommer muss man aber aufpassen, dass sich das Aquarium am Fenster nicht zu sehr aufheizt.

Wird es Ihnen nie langweilig vor dem Aquarium?

Nein, definitiv nicht. Ich entdecke immer etwas. Das Verhalten der Fische ist so spannend.

Die Geschichte ging um die Welt: In einem Berliner Hotel brach 2022 ein Riesenaquarium auseinander. Muss eine Aquarianerin oder ein Aquarianer damit rechnen, dass das passiert?

Ein Restrisiko besteht immer, da muss man sich nichts vormachen. Das ist aber in jedem Lebensbereich so. Natürlich muss man vorbeugen, indem die Vorgaben für das korrekte Aufstellen eingehalten werden. Ein Aquarium muss auf einem dafür vorgesehenen Möbel zum Beispiel auf eine Styroporplatte oder auf eine im Handel erhältliche Matte gestellt werden. Es sollte nicht direkt mit dem Glas auf der harten Unterlage stehen. Zudem sollte kein Billigbecken mit dünnen Scheiben erworben werden.

Werden nur Fische in Aquarien gepflegt oder auch andere Tiere?

Es gibt ausser Fischen Garnelenarten, Zwergkrallenfrösche und Axolotl, die in Aquarien gehalten werden. Zunehmend werden auch Wasserschneckenarten gepflegt. Es gibt aber auch Leute, die sich auf Wasserpflanzen konzentrieren. Im Meerwasserbereich bereichern die niederen Tiere wie Korallen und Anemonen das Spektrum oder auch Krebse.

Können alle Fische in Aquarien gehalten werden?

Es gibt gut 23 000 Fischarten. Darunter hat es Spezialisten mit Wanderverhalten, manche werden sehr gross. Sie können nicht artgerecht gepflegt werden. Da gibt es schon Grenzen.

Wie kommt man zu einem Aquarium und zu Fischen?

Der gängigste Weg ist der Besuch einer Zoofachhandlung. Vorher muss man sich aber gut informieren.

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Was ist einfacher, ein Meerwasser- oder ein Süsswasser-aquarium?

Sicher Süsswasser. Das ist zwar eine vereinfachte Antwort, doch ein Süsswasseraquarium ist auch wesentlich billiger.

Kann man einfach Leitungswasser verwenden, um das Aquarium zu füllen?

Ja, das geht durchaus, zumindest mit robusten Fischen. Mit Endler-Guppys macht man da gute Erfahrungen. Auch Zebrabärblinge, Salmlerarten wie der Trauermantelsalmler und ostafrikanische Buntbarsche gedeihen hervorragend in Leitungswasser. Bei der Haltung von Buntbarschen muss man sich aber entscheiden, ob man lieber ein Wasserpflanzenbecken oder Fische möchte, denn Buntbarsche graben und beschädigen Pflanzen.

Welcher Aufwand ist mit einem Aquarium verbunden?

Aquarien sollten täglich kontrolliert und die Fische gefüttert werden. Beim Füttern ist weniger mehr. Alle zwei Wochen sollte mindestens ein Drittel bis zur Hälfte des Wassers gewechselt werden. Wenn man das so durchzieht, klappt es gut bei einem normal besetzten Aquarium. Regelmässig sollte auch der Filter gereinigt werden. Der Aufwand ist nicht so gross.

Kann es Probleme mit dem Gewicht geben, wenn in einer Mietwohnung ein Aquarium aufgestellt wird?

Gesetzlich darf ein Aquarium nicht verboten werden. Je nach Mietwohnung muss man aber auf den Boden achten. In einem alten Holzhaus darf aufgrund des Gewichts kein zu grosses Aquarium aufgestellt werden. Bei Meterbecken in einer normalen Wohnsiedlung gibt es aber kein Problem. Ein Aquarium darf aus Tierschutzgründen nicht von jeder Seite her einsehbar sein. Schon darum und auch wegen des Gewichts sollte es an einer Wand stehen.

Braucht es eine Luftpumpe, die Blasen durch das Aquarienwasser perlen lässt?

Nicht zwingend. Das Wasser muss mit Sauerstoff angereichert werden. Bei wenig Fischen und mit viel Pflanzen braucht es keine Luftpumpe. Auch ein Filter, der die Wasseroberfläche bewegt, bringt Sauerstoff ein.

Gibt es einen Tierarzt für Fische?

Ja, den gibt’s. Fishdoc.ch ist die erste und grösste Tierarztpraxis für Fische. Die Hauptkundschaft besteht aber aus Leuten, die Kois und Störe in Teichen pflegen.

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Wie teuer ist ein Aquarium?

Ein Standardbecken von etwa einem Meter Länge mit Unterschrank, Beleuchtung, Filter und Heizung kostet zwischen 800 und 1000 Franken. Hinzu kommen Kosten für den Bodengrund, Dünger, Wasserpflanzen und Einrichtung von etwa 300 Franken. Läuft ein Aquarium, halten sich die Kosten tief. Die Stromkosten sind unbedeutend, insbesondere auch, da die neuen Beleuchtungssysteme heute alle aus energiesparenden LED bestehen.

Wie erreicht man, dass Wasserpflanzen gut wachsen?

Wenn man eine gewisse Artenvielfalt pflegen möchte, darf das Wasser nicht zu hart sein und der pH-Wert sollte bei ungefähr 7 liegen. Dünger, entsprechender Bodengrund und Wasserwechsel sind wichtig. Ebenso entscheidend sind eine CO2-Zufuhr bei ausreichend Licht und eine Standardtemperatur von 25°C. Dann hat man gute Chancen, dass Wasserpflanzen wachsen.

Welche Fachliteratur empfehlen Sie, wenn sich jemand über Aquaristik informieren möchte?

Ich gehöre zur alten Schule und finde es wichtig, dass vorher Fachbücher gelesen werden. Die Bücher von Gräfe und Unzer eignen sich da ganz gut, so wie etwa der Titel «Das grosse GU-Praxishandbuch Aquarium» von Ulrich Schliewen.

Wo in der Wohnung muss ein Aquarium aufgestellt werden?

Ein guter Ort ist das Wohnzimmer. Da hat man es stets im Blick. Ein Aquarium sollte nicht dort stehen, wo viel Sonnenlicht hinkommt.

Was tun, wenn Algen wachsen und die Freude am Aquarium trüben?

Ein gutes Pflanzenwachstum verhindert eine Algenexplosion. Fremdeinstrahlung durch Sonnenlicht sollte vermieden werden. Die Fische dürfen nicht überfüttert werden.

Welche Fische sind empfehlenswert?

Endler-Guppys sind gute Einstiegsfische. Sie sind farbig, vital und anpassungsfähig. Auch die lebhaften Zebrabärblinge eignen sich.

Vermehren sich Fische einfach so in einem Aquarium?

Ja, durchaus, beispielsweise die Guppys. Sie sind lebendgebärend. Aber auch Buntbarsche vermehren sich in Aquarien.

Welches ist das schönste öffentliche Aquarium?

Grundsätzlich sind alle Aquarien in den Schweizer Zoos sehr schön. Jeder Zoo hat diesbezüglich ein anderes Konzept. So ist es durchaus empfehlenswert, alle Schweizer Zooaquarien zu besuchen, um sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen.

Wie viele Aquarienvereine und Mitglieder gibt es in der Schweiz?

Leider immer weniger. In der deutschsprachigen Schweiz haben wir um die 20 Vereine mit etwa 1000 Mitgliedern.

Was bringt eine Mitgliedschaft in einem Verein?

Informationsaustausch, ein gutes Netzwerk, Hilfe bei Problemen und Tipps. Viele Vereinsmitglieder sind Züchter. In einem Verein werden auch Wasserpflanzen abgegeben, und man kommt zuspeziellen Arten.

Welches sind die interessantesten Aquarienfische?

Ich mag Buntbarsche. Ihr Verhalten ist sehr interessant. Sie wechseln sogar je nach Stimmung ihre Farben und betreiben Brutpflege.

Welcher Bodengrund ist richtig?

In den meisten Fällen ist eine kleine Kieskörnung empfehlenswert.

Wie muss ein Aquarium eingerichtet werden?

Die Fische sollten Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten haben, kurz, eine Struktur, die ihrem Verhalten entspricht. Sie kann auch mit Pflanzen geschaffen werden. Schwimmfreudige Fische brauchen viel Freiraum.

Können Fische nach Farben zusammengestellt werden?

Sicher nicht, sondern sie müssen nach ihren Bedürfnissen ausgesucht werden. Grundsätzlich gilt: Weniger verschiedene Arten sind besser als ein Sammelsurium.

Woher stammen die Fische, die in den Zoohandlungen angeboten werden?

Die meisten stammen aus kommerziellen Zuchtbetrieben.

Werden viele Zierfische in Privathand gezüchtet?

Ja, durchaus. Im Dachverband der Schweizer Aquarien- und Terrarienvereine führen wir eine beachtliche Nachzuchtliste. Ich staune immer wieder über die Artenvielfalt. Die Zucht der meisten Arten gelingt nur unter speziellen Bedingungen.

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Zur PersonErich Bühlmann aus Villmergen (AG) ist seit seiner Kindheit Aquarianer. Er unterrichtet als Kantonsschul- und Gymnasiallehrer Biologie und beschäftigt sich vorallem mit Buntbarschen aus dem Tanganjikasee, aus Flusssystemen Afrikas und aus Mittelamerika. Er hat acht Aquarien und ist seit dem Jahr 2000 Präsident des Schweizerischen Dachverbands der Terrarien- und Aquarienvereine (SDAT).