Vierbeiner ausgebüxt
So spüren Pettrailer entlaufene Hunde auf
Entwischt ein Hund seinen Besitzern, sorgt das bei Tier und Mensch für Angst und Stress. Der Verein Pettrailer Schweiz unterstützt Hundehaltende bei der Suche nach ihren Vierbeinern. Präsident Markus Baumgartner erklärt, wie Pettrailer-Einsätze ablaufen.
«In der näheren Umgebung befindet sich eine Futterstelle für ein entlaufenes Tier. (...) Bitte nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine und halten Sie Abstand.» Wer Anfang Oktober im Könizbergwald bei Bern unterwegs war, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit mindestens einen Flyer mit diesem Text bemerkt. Mit dem entlaufenen Tier war Hundedame Kari gemeint, die Ende September verschwunden ist.
[IMG 2]
Hinter der Suchaktion steckt der Verein Pettrailer Schweiz, der es sich zum Ziel gemacht hat, Hundebesitzerinnen und -besitzer bei der Suche nach ihrem Vierbeiner zu unterstützen. «Pettrailer sind aus Hund und Hundeführer bestehende Teams, die speziell für die Tiersuche ausgebildet sind», erklärt Markus Baumgartner.
Der Vereinspräsident war ursprünglich im Mantrailing – der Suche nach vermissten Personen – aktiv. Bei Redog, dem Schweizerischen Verein für Such- und Rettungshunde, trainierte und leitete Baumgartner die Regionalgruppe Berner Oberland. «Irgendwann realisierte ich, dass das Thema entlaufene Hunde in der Schweiz zunehmend aktueller wird – vor allem mit all den Hunden, die aus dem Ausland importiert werden», erzählt er.
Zusammen mit seinem Bruder Daniel gründete Baumgartner 2020 den Verein Pettrailer Schweiz. Der Wechsel auf die Tiersuche sei am Anfang nicht ganz einfach gewesen, erinnert sich der Vereinspräsident. «Wir haben gemerkt, dass wir – im Gegensatz zur Personensuche – etwas mehr Equipment benötigen als lediglich unsere Suchhunde.»
Individueller Einsatz verschiedener Methoden
Die Suchhunde des Vereins Pettrailer Schweiz nehmen den Individualgeruch des entlaufenen Tieres auf und verfolgen die entsprechende Geruchsspur. «Die Suchhunde setzen wir meistens ein, wenn ein Hund mit einer langen Schleppleine entlaufen ist und die Möglichkeit besteht, dass er sich damit irgendwo verheddert hat», erklärt Baumgartner. Kombiniert dazu nützt der Verein Drohnen, um mittels Wärmebildkamera nach dem ausgebüxten Tier zu suchen. «Drohen ermöglichen es uns, relativ schnell eine grosse Fläche abzuchecken – auch in einem Gelände, in dem wir gar nicht hinkämen», so der Vereinspräsident. In vielen Fällen werde der entlaufene Vierbeiner so entdeckt.
Zentral für die Suchaktionen des Vereins Pettrailer Schweiz ist jeweils, ob das vermisste Tier gesehen wurde. In der Umgebung angebrachte Flyer mit Foto und Beschreibung spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn: «Anhand der Sichtungsmeldungen, die wir dadurch erhalten, können wir das Laufmuster des Tieres eingrenzen.» Wenn ein ungefährer Bereich bekannt ist, in dem sich der Hund aufhalten könnte, arbeiten die Pettrailer nicht mit Suchhunden, sondern mit Futterstellen – wie im Fall von Hundedame Kari. «Entdeckt der entlaufene Hund eine solche Stelle, kehrt er in der Hoffnung auf Futter oft wieder dorthin zurück», erklärt Baumgartner. Sämtliche Futterstellen der Pettrailer sind kameraüberwacht. «Sobald eine Bewegung stattfindet, bekommen wir das live mit.»
Hat ein Hund eine Futterstelle angenommen, kommt die Lebendfalle zum Einsatz. Dabei handelt es sich um getarnte Käfige, in denen ebenfalls Futter platziert wird, um die Hunde anzulocken. Betreten sie den Käfig, lösen sie eine Lichtschranke aus und die Falle schnappt zu. Solche Fallen kämen vor allem bei Angsthunden zum Zug, so der Vereinspräsident. «Wenn diese entlaufen, wittern sie in allem eine potenzielle Gefahr und lassen sich nicht mehr anlocken.» Um den gefangenen Vierbeiner möglichst rasch zu befreien, bleibt ein Teammitglied der Pettrailer immer in der Nähe – Tag und Nacht. «Im Winter kann es im Auto ziemlich kalt werden über Nacht», schildert der Vereinsgründer lachend. «Aber unseren Leuten macht das nichts aus – wir sind alle mit viel Herzblut dabei.»
«Sicherungen sind emotional»
Fünf Suchhunde und 15 Mitglieder zählt der Verein Pettrailer Schweiz aktuell. Aktiv ist er vor allem in der Deutschschweiz. «Regionen wie das Tessin oder das Wallis sind einfach zu weit weg», so Baumgartner. Der Verein arbeitet grösstenteils ehrenamtlich – die meisten Mitglieder sind arbeitstätig. Oft könne der Verein schon mit Beratung weiterhelfen, erzählt Baumgartner. «2023 wurden wir in über 250 Fällen kontaktiert. Die meisten kamen durch richtiges Verhalten der Besitzerinnen oder Besitzer von selbst zurück nach Hause. Gesichert haben wir rund 40 Tiere.»
[IMG 3]
Hundehalterinnen und -haltern, die ihren Vierbeiner verloren haben, rät Baumgartner zuallererst, «Ruhe zu bewahren – auch, wenn es in solchen Momenten schwierig ist». Vielfach würden Hunde von allein wieder an den Ort zurückkehren, wo sie entlaufen sind. «Es empfiehlt sich daher, an dieser Stelle zu bleiben.» Dann gelte es, Polizei, Wildhüter, Tierärztinnen und andere Behörden in der Region zu informieren und eine Vermisstenmeldung bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) aufzugeben.
Wenn der Verein Pettrailer Schweiz dennoch zum Einsatz kommt, den Hund sichern und ihn seinen Besitzenden zurückgeben kann, seien das jeweils «sehr emotionale Momente», erzählt Baumgartner. Ein Happy End gab es auch im Fall von Kari, der entlaufenen Hundedame beim Könizbergwald. «Mit einer Lebendfalle konnten wir sie glücklicherweise sichern.»
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren