Was früher Kleinanzeigen in der Zeitung waren, ist heute ein Milliardenmarkt im Netz: der Handel mit Tieren. Das Internet ist zur Drehscheibe für unseriöse Züchter und skrupellose Händler geworden. Welpen aus Osteuropa werden viel zu früh von der Mutter getrennt, krank, ungeimpft und traumatisiert über die Grenze gebracht. Exoten, die in Wohnzimmern nichts verloren haben, landen per Postpaket beim Käufer. Auf Onlineplattformen finden sich Katzen, Hunde oder Vögel neben Möbeln und Fahrrädern – als wären Lebewesen beliebige Waren. Wer hier kauft, unterstützt oft unwissentlich Tierleid und illegalen Handel. Der Klick auf «Jetzt kaufen» ersetzt heute vielfach die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage, ob man einem Tier überhaupt gerecht werden kann. Spontankäufe führen zu überfüllten Tierheimen und ausgesetzten Haustieren – das Internet macht’s möglich.

Die Verantwortung liegt jedoch nicht allein bei den Händlern, sondern auch bei den Plattformen. Zu lange haben sie weggeschaut und den Handel laufen lassen. Filter oder freiwillige Hinweise reichen nicht. Solange jeder ohne Nachweis Tiere einstellen kann, bleibt der Markt ein Paradies für Schwarzzüchter und illegale Händler. Besonders perfide: Mit professionell wirkenden Fotos und falschen Angaben werden Käufer bewusst in die Irre geführt. Ein Welpe wirkt gesund, die Realität ist oft ein ausgemergeltes Tier aus einem Kellerverlies.

Was es braucht, ist eine klare Regulierung: verpflichtende Registrierung für Anbieter, Herkunftsnachweise für jedes Tier, strengere Kontrollen und empfindliche Strafen für Verstösse. Plattformen müssen verpflichtet werden, Angebote zu prüfen – und nicht erst zu reagieren, wenn der Schaden bereits angerichtet ist. Ebenso wichtig ist eine europaweite Vereinheitlichung, denn solange Länder unterschiedliche Standards haben, verlagert sich der illegale Handel einfach über die Grenze.

Natürlich tragen auch Käufer Verantwortung. Wer beim billigsten Angebot zuschlägt, riskiert nicht nur ein krankes Tier, sondern macht sich mitschuldig an einem System, das auf Leid basiert. Doch ohne verbindliche Regeln bleibt der Markt unüberschaubar, und seriöse Anbieter haben keine Chance gegen Dumpingpreise aus dem illegalen Geschäft. Tiere sind keine Ware. Solange sie im Netz wie Gebrauchsgegenstände gehandelt werden, bleiben Missbrauch, Tierquälerei und Artenverlust programmiert. Es ist höchste Zeit, dem Wildwuchs ein Ende zu setzen. Europaweit, verbindlich und ohne Schlupflöcher. Alles andere ist ein Freibrief für Tierleid.

Zur PersonYvonne Beck ist Chefredaktorin der TierWelt. Sie fordert strengere Regeln, mehr Verantwortung der Plattformen und einen bewussteren Umgang mit Tieren.