Pferde sind nicht zum Tragen von Reitern geboren – sie können jedoch dazu ausgebildet und trainiert werden. Ein Pferd im Gleichgewicht ist fähig einen Menschen zu tragen, trotzdem ist das Gewicht des Reiters entscheidend. Das vom Pferd effektiv gespürte Gewicht ist jedoch nicht nur von der Ziffer der Waage abhängig. 

Wie viel kann ein Pferd tragen? 

Neben dem Körpergewicht und der Grösse des Pferdes spielen laut dem Tierschutz auch weitere Faktoren wie das Alter, der Trainings- und Bemuskelungszustand eine zentrale Rolle dabei, wie viel ein Pferd in einem gesunden Rahmen tragen kann. Es gibt verschiedenste Formeln zur Berechnung der maximalen Gewichtsbelastung eines Pferdes. Die gängigsten beruhen auf der Wiederristhöhe oder dem Gewicht des Pferdes. Aber Achtung! Bei übergewichtigen Pferden gelten solche Gewichtsformeln nicht. Der Bewegungsapparat der Tiere ist durch das übermässige Eigengewicht schon genug belastet. Auch bei untergewichtigen und schlecht bemuskelten Pferden sollte der Reiter weniger wiegen. 

Fundament des Pferdes 

Entscheidend für die Tragfähigkeit eines Pferdes ist der Umfang des Röhrbeins. Dieses beeinflusst das Fundament des Pferdes und ist je nach Pferdetyp anders.  

Der Röhrbeinindex berechnet sich wie folgt:  

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Beeindruckend ist der RI (Röhrbeinindex) von Shetlandponys von 7.4. Dies erklärt, weshalb die Tiere zur Relation ihres Körpergewichts mehr tragen können als andere Rassen. Zum Beispiel der Hannoveraner, eine Warmblutrasse, hat im Gegensatz dazu einen RI von 3.7.  Nicht nur der Röhrbeinindex gibt einen Hinweis darauf wie viel ein Pferd tragen kann, für eine hohe Belastbarkeit spricht auch eine breite und gut bemuskelten Lendenpartie (zwischen letzter Rippe und dem Hüfthöcker) des Pferdes.  

Jedoch ist auch entscheidend für welche Arbeiten das Pferd gebraucht wird, wie intensiv und wie lange. Die Belastbarkeit des Pferdes kann jedoch auch Tages abhängig sein und durch das Wetter, die hormonelle Phase und die Bodenbeschaffenheit beeinflusst werden. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist das Können des Reiters. Wichtig sind die nötige Körperspannung und ein ausbalancierter Sitz.  

Entlastung des Pferderückens 

Laut dem Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS) gibt es Möglichkeiten, um das Reitergewicht gerade bei jungen Pferden zu reduzieren. Das Gewicht des Reiters ändert sich dadurch zwar nicht, aber die Entlastung kann dem Pferd helfen im Gleichgewicht zu bleiben. Zudem ändern sich die effektiven Kräfte, die sich auf den Pferderücken auswirken. Die Kräfte umfassen nicht nur das Gewicht des Reiters, sondern sind vom Tempo abhängig: Im Trab kann die Kraft zwei bis dreimal so gross sein wie das Reitergewicht. 

Zur Entlastung des Pferderückens empfiehlt der SVPS seine Knie und Oberschenkel als Stossdämpfer zu nutzen, oder im Leichtsitz zu reiten. Grundvoraussetzung für die Entlastung des Pferdes ist der «guter Sitz» des Reiters. Essenziell dafür ist die Körperspannung und die Balance. Der Sitz sollte geschmeidig sein und das Becken mit der Bewegung des Pferdes mitschwingen. 

Wichtig für einen guten Sitz und das reiterliche Können ist die physische Verfassung des Reiters. Zum eigenen Wohl und zum Wohl des Pferdes konzipierte der SVPS ein spezifisches Fitnessprogramm

Gutsitzender Sattel 

Entscheidend für das Wohl des Pferdes ist auch der Sattel. Dieser sollte passen, deshalb sind einige Dinge zu beachten. Ein schlechtsitzender Sattel kann eine Hebelwirkung auf den Pferderücken ausüben und die effektive Kraft des Reitergewichts verstärken. Das Bundesamt für Veterinärwesen und die Universität Zürich machen in einem Video auf die häufigsten Sattelpassformmängel aufmerksam. 

Training des Pferdes 

Darüber wie ein Pferd korrekt trainiert werden soll, wird immer wieder gestritten. Die verschiedenen Reitweisen und Philosophien sind sich nicht immer ganz einig. Zudem passen nicht alle Trainingsweisen zu jedem Pferd- und Reiterpaar. Laut dem Tierschutz unumstritten ist jedoch, dass durch korrekte Anspannung der Bauchmuskeln und Aufwölben des Rückens die Pferde ein Teil des Reitergewichts kompensieren können – dies sollte in jeder Reitweise angestrebt werden. Wichtig ist eine genügende Bemuskelung des Pferdes, welche durch regelmässiges Training erreicht werden kann.  

Verspannungen 

Wenn der Reiter zu schwer ist, biegt sich die Wirbelsäule des Pferdes zu stark durch. Dies führt zu einer Versteifung der seitlichen Bewegung und zu Schmerzen. Die Versteifungen können zu chronischen Veränderungen im Rücken und den Beinen führen. Deshalb sollte übermässige Gewichtsbelastung in jedem Fall verhindert werden. 

Maximalgewicht 

Ein tierschutzrechtliches Maximalgewicht gibt es nicht, da zu viele Faktoren dieses beeinflussen und jedes Pferd-Reiterpaar unterschiedlich ist. Trotzdem empfiehlt der Tierschutz eine Maximale Gewichtsbelastung von 15% des Pferdegewichts. Bei 20 % komme es schon zu erheblichen Veränderungen der Muskulatur in der Form von Verspannungen und Verhärtungen.  

Neben den Empfehlungen vom Tierschutz sind Tierärzte, Trainer und Sattler ideale Ansprechpartner zur Bestimmung der Belastbarkeit des Pferdes. 

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