Tierische Diplomatie
Wenn Tiere für politisches Marketing missbraucht werden
Seit Menschen Tiere halten, wird mit denselben geprahlt, gedroht und auch Politik gemacht. Ein Blick in die Geschichte diplomatischer Tiergeschenke verrät vieles über machtpolitische Strategien und massentaugliches Marketing.
Welch ein Anblick muss der indische Elefant Hanno im frühen 16. Jahrhundert für die Römer Stadtbevölkerung gewesen sein. Kaum jemand in Europa hatte zu der Zeit je ein solches Tier gesehen. Das Geschöpf schien wie aus einer anderen Welt und löste eine Faszination aus, die noch lange über den frühen Tod des Elefanten hinauswirkte. Damit erreichte der portugiesische König Manuel I. genau das, was er mit seinem Geschenk an den neu gewählten Papst beabsichtigt hatte. In der damaligen Blütezeit des Kolonialismus galten exotische Tiere aus Afrika, Asien und Südamerika als Statussymbole ersten Ranges, denn sie standen für Reichtum und weltweiten Einfluss. Wer ein exotisches Tier verschenken konnte, demonstrierte Zugang zu fernen Regionen, Einfluss und bemerkenswerte organisatorische Fähigkeiten. Der Belgier Max Kirchens forschte für seine Masterarbeit intensiv zu diesem Thema. Daraus entstanden ist ein Buch mit dem Titel «Die Zoologie der Diplomatie», in welchem Kirchens die Geschichte und…
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