Karbonzeitalter
Als Insekten Giganten waren
Libellen so gross wie Möwen und Tausendfüssler länger als Menschen: Im Karbonzeitalter schienen manche Tiere alle uns bekannten Grössenregeln zu sprengen.
Wer heute im Wald einen Tausendfüsser entdecken will, muss genau hinsehen. Vor rund 300 Millionen Jahren hätte dieselbe Begegnung anders ausgesehen: Im sogenannten Karbonzeitalter lebten riesige Gliederfüsser wie Arthropleura, die mehr als zweieinhalb Meter lang werden konnten. Libellenähnliche Fluginsekten der längst ausgestorbenen Tiergruppe Meganeura erreichten nach heutigem Kenntnisstand Flügelspannweiten von bis zu 70 Zentimetern. Doch weshalb erreichten manche Insekten damals solche Ausmasse?
Lange gingen Forschende davon aus, dass die Erklärung im Sauerstoffgehalt der Luft liege. Während des späten Karbons lag der Sauerstoffanteil in der Atmosphäre vermutlich deutlich höher als heute – Schätzungen gehen von bis zu 30 bis 35 Prozent aus statt der heutigen 21 Prozent. Verantwortlich dafür könnten ausgedehnte Sumpfwälder gewesen sein, deren Pflanzen grosse Mengen organischen Materials einlagerten.
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Vor allem Insekten und andere Gliederfüsser galten als ideale Kandidaten für diese Theorie. Anders als Säugetiere besitzen sie keine Lungen, sondern ein Röhrensystem, das Sauerstoff direkt ins Gewebe transportiert. Mehr Sauerstoff in der Luft hätte grössere Körper ermöglicht – so lautete lange die vorherrschende Erklärung.
Neuere Untersuchungen stellen jedoch infrage, ob der Sauerstoffgehalt tatsächlich die alleinige Erklärung sein kann. Forschende vermuten deshalb weitere Faktoren: geringe Konkurrenz, reichlich Nahrung und evolutionäre Nischen, die damals noch unbesetzt waren.
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