Alle an einem Strang

20-Spänner

Mehr als 30 Kilometer weit zog der 20-Spänner den Wagen von Jérôme Voutaz durchs Unterwallis. Er wurde auf der Ausfahrt auch per Drohne von oben gefilmt.

© Bildausschnitt aus dem Video von Michaël Maillard

Nutztiere
Er habe nur etwas Spass mit Freunden haben wollen, sagt Weltklasse-Vierspännerfahrer Jérôme Voutaz. Also hat er 20 Pferde vor seinen Wagen gespannt.

Corona macht erfinderisch. So erging es im Frühling auch Jérôme Voutaz, als klar wurde, dass bis auf Weiteres alle Pferdesport-Turniere abgesagt werden mussten. Der 41-jährige Walliser aus Sem­brancher ist aktuell einer der zehn besten Fahrsportler weltweit und normalerweise mit einem Vierspänner unterwegs. Aber eben, dieses Jahr ist ja alles ein wenig anders.  

Um nicht ganz auf Herausforderungen verzichten zu müssen, hat der hauptberufliche Mechaniker seine Sportlerkollegen samt ihren Pferden zusammengetrommelt und mit ihnen die Idee ausgeheckt, passend zum Jahr 2020 ganze 20 Pferde vor einen Wagen zu spannen. «Das Ziel war, mit einer Gruppe von Freunden Spass zu haben», sagt Voutaz. 

Film: «Challenge 20 sur 20»

Doch einfach nur im 20-Spänner ein paar Meter geradeauszurollen, das wäre Voutaz zu simpel gewesen. «Es dauerte allein drei Stunden, bis wir die 20 Pferde vor den Wagen gespannt hatten, da wäre es schade gewesen, nur 800 Meter weit zu fahren.» Also nahm Voutaz Mitte Juni seine übliche Spazierstrecke in Angriff: 23 Kilometer weit, über Waldwege, durch Kreisel und über schmale Brücken – nur halt mit fünfmal so vielen Pferden wie üblich. Geübt hat er das im Vorfeld nie. Elf Pferde waren bislang das Maximum an Tieren, die er gleichzeitig kontrolliert hatte. 

Internet-Ruhm dank Video
Richtig gefährlich, sagt Voutaz, sei es für ihn und die zwanzig Freibergerpferde nie geworden. «Am Anfang war es etwas schwierig, die Zügel allein in den Griff zu bekommen.» Das war nicht nur eine intellektuelle, sondern auch eine körperliche Herausforderung, denn der Pferdesportler musste pro Hand zehn Pferde führen und jedes einzeln unter Kontrolle haben. «Sonst wären wir spätestens bei der Bahnunterführung in der Mauer gelandet.» 

Voutaz’ Sportlerkollegen wären zwar an den heiklen Stellen der Strecke bereitgestanden, falls etwas schiefgegangen wäre, doch sie wurden nicht gebraucht; die Pferde, so Voutaz, waren gut dressiert und gehorchten ihm aufs Wort – oder aufs Zügelkommando. Und so war die Ausfahrt mit dem Projekttitel «Challenge 20 sur 20» – «Herausforderung 20 auf 20» – ein voller Erfolg, der inzwischen dank Youtube und den Sozialen Medien in Pferdesportkreisen weit über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregt hat. 

«Einer unserer Sponsoren hat mich angefragt, ob jemand die Fahrt filmen soll», erzählt Jérôme Voutaz. Er sagte zu und ist nun Protagonist eines aufwendig produzierten Videos samt spektakulären Drohnenaufnahmen. «Am ersten Tag bekam das Video direkt 10 000 Aufrufe», sagt er. «Es hat mich erstaunt, dass die Leute so viel Freude daran hatten.» 

Eine Grenze, sagt Voutaz, sei mit den 20 Pferden vor dem Wagen noch nicht erreicht. «Es würden schon noch mehr gehen.» Er wolle nichts versprechen, aber vielleicht versucht er, nächstes Jahr noch eine Schippe draufzulegen. Vorher sind aber erst einmal wieder Wettkämpfe angesagt. Die sollen nämlich nach langer, Corona-bedingter Durststrecke bald wieder über die Bühne gehen können. Statt zwanzig Pferden muss Voutaz dann allerdings nur vier unter Kontrolle haben.

www.team-lafermedesmoulins.ch

Autor

Matthias Gräub

Matthias Gräub

Matthias Gräub kümmert sich bei der «Tierwelt» um die Porträts. Weil er dort mehr mit Menschen als mit Tieren zu tun hat, kompensiert er seinen Tierlidrang mit Zoobesuchen, Waldspaziergängen und Wanderungen in der Natur. Könnte er auswählen, bestünden seine Berner Stadtmusikanten aus Alpaka, Luchs, Laufente und Nacktmull. Das gäb ein Konzert!

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