Bienen plaudern miteinander

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Tierwelt 44/2013
Sie sind keineswegs stille Schaffer: Die fleissigen Bienen schwatzen regelrecht miteinander – und übertreffen damit sogar die modernen Kommunikationsformen des Menschen.

Bienen können nicht reden und haben keine Ohren. Ausserdem ist es im Bienenstock dunkel und Zehntausende  der Insekten leben auf engem Raum zusammen. «Trotzdem sind Bienen exzellente Kommunikatoren», sagt Robert Sieber, Imker und Vizepräsident des Vereins Deutschschweizer und Rätoromanischer Bienenfreunde VDRB. Bienen kommunizieren nicht nur im Bienenstock, sondern auch ausserhalb, zum Beispiel wenn sie Blüten anfliegen. Vieles von ihrem Verhalten erstaunt uns Menschen. Ja, es scheint, dass uns das kleine Tier in vielem überlegen ist.

Wer eine Bienenwabe genau betrachtet, der sieht oben an den Waben eine Wulst. Diese Wulst dient den Bienen einerseits als Laufsteg, um nicht im Honig zu versinken, andererseits auch als Resonanzkasten. Über ihre sechs Beine geben sie feinste, von der Flügelmuskulatur erzeugte Vibrationen ab und nehmen solche anderer Bienen wahr. «Damit schwatzen sie miteinander», sagt Sieber anlässlich der Honigprämierung an der Landwirtschaftsmesse OLMA in St. Gallen. Er  vergleicht den Vorgang gar mit einem modernen LAN-Netzwerk, das verschiedene Workstations miteinander verbindet. Eine ganz besondere Art der Kommunikation ist der «Tanz» der Bienen. Der österreichische Verhaltensforscher Karl von Frisch hat ihn schon vor fast 100 Jahren als eine der Sprachen der Bienen entdeckt. Mit Rund- und Schwänzeltänzen zeigen die Kundschafter den Honigsammlerinnen an, wo sich eine Futterquelle befindet, wie weit weg und wie ergiebig sie ist. Sogar den Geruch der Blüte können die daheimgebliebenen Bienen von den Kundschaftern aufnehmen und sich danach orientieren. «Die Biene vermag so viel mehr zu vermitteln, als wir etwa auf unseren Einkaufszettel schreiben», sagte Sieber.

Fremde Bienen werden an ihrem Geruch erkannt – und in die Flucht geschlagen
Bienen riechen mit den Antennen. Sie senden und empfangen für uns Menschen nicht wahrnehmbare Botenstoffe, sogenannte Pheromone. Jedes Bienenvolk hat einen eigenen «Hausduft», der vom Wachs ausgeht. Es ist sozusagen das Hausnummernschild der Biene, wenn sie den Bienenstock anfliegt. Die Wächterbienen erkennen daran fremde Eindringlinge. Düfte aus der Nasanov- oder Sterzeldrüse dienen dazu, nach Hause fliegenden Bienen den Heimweg zu signalisieren. Mit dieser Drüse können die Bienen auch auf Futterquellen aufmerksam machen.

Die Königin regiert sogar ihr Volk mittels Pheromonen. Indem sie einen speziellen Duftstoff abgibt, hemmt sie die Entwicklung der Eierstöcke der Arbeiterinnen. Auch andere biologische Vorgänge in diesem Matriarchat werden über Pheromone gesteuert. Wieder andere Düfte versetzen die Bienen in Alarmbereitschaft, helfen ihnen, gemeinsam ihren Stock zu verteidigen. Sticht eine Biene, wird Essigsäure freigesetzt, welche die Bienen aggressiver macht. Man kann diese Art der Verständigung mit der modernen Kommunikationstechnik mittels Handy vergleichen. Eine Verkabelung wie beim Festnetz ist nicht mehr nötig, um Infos auszutauschen. Auch Geräusche dienen der Biene zur Kommunikation. Der Flügelschlag einer Wächterin, welche angreift, tönt anders als derjenige einer Biene, die Nektar einträgt.

Fasziniert ist Sieber von der Selbstregulation der Bienen. Ist das Volk klein und gibt es zu viel Honig, dann werden die fleissigen Nektarsammler dadurch gestoppt, dass ihnen der Nektar nicht mehr abgenommen wird. Es ist wie beim modernen Prozessmanagement. Der Fluss wird durch Rückkoppelung gesteuert. Solche Beispiele gäbe es noch viele.

Bei der Kommunikation der Bienen haben wir Menschen vieles noch nicht einmal ansatzweise verstanden. Einerseits, weil uns die technischen Messapparate fehlen, andererseits wohl auch, weil wir die Zusammenhänge zu wenig erkennen. «Sind wir Menschen wirklich die Krönung der Schöpfung?», fragt sich Sieber. Jedenfalls, folgert er, stehe es uns gut an, zu den Bienen Sorge zu tragen.

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