Die Produktion von Schafmilch boomt

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Feta ist das wohl bekannteste Produkt, das traditionellerweise aus Schafkäse hergestellt wird.
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Mehr als nur Wolle
Noch vor zehn Jahren waren Produkte aus Schaf- und Ziegenmilch in der Schweiz kaum gefragt. Heute nehmen sie eine beachtliche Nische im Lebensmittelmarkt ein. Und der Trend hält an.

Feta, Manchego, Roquefort, Pecorino. Das sind die wohl bekanntesten Produkte, die aus Schafmilch hergestellt werden. Auf dem Schweizer Markt kommen diese Käsesorten gut an und werden immer besser verkauft. Doch auch einheimische «Schafmutschli» oder «Schafsbrie», wie es sie etwa bei Urs Maier auf dem Iselisberg gibt, boomen.

Maier hält auf seinem Hof im Thurgau 400 Milchschafe der Rassen «Schwarze Ostfriesen» und «Lacaune». Auch wenn die Schafhaltung in dieser Grössenordnung kein Kinderspiel sei, wolle er sogar auf 500 Tiere aufstocken. «Das Geschäft mit der Schafmilch lief noch nie so gut wie heute», sagt er. 

Bessere Verdaulichkeit als Kuhmilch
Während es im Jahr 2002 noch etwas über 7000 Milchschafe in der Schweiz gab, sind es nun fast 12'000. «Neugier auf neue, innovative Produkte sowie die Rückbesinnung auf traditionelle Tierhaltungen» sind laut Ruedi Hochstrasser Gründe für den Aufschwung von Schaf- und Ziegenmilch der letzten Jahre. Doch nicht nur das: Auch gesundheitliche Aspekte spielen laut dem Geschäftsführer der Molkerei Biedermann, einer Tochterfirma der Emmi, eine Rolle. 

Immer mehr Menschen leiden an Lebensmittel-Unverträglichkeiten. So sind auch viele betroffen, die Kuhmilch schlecht vertragen. Dies liegt meist an einer Allergie auf ein bestimmtes Eiweiss. Da Schafmilch nur neun Eiweisse enthält, Kuhmilch aber ganze 57, ist die Chance viel grösser, Schafmilch zu vertragen. Ausserdem ist Schafmilch besser verdaulich als Kuhmilch, da das Fett darin in kleineren «Kügelchen» schwimmt.

«Swissness» gegen Preisdumping
Gute Zeiten also für Produzenten, die alles auf die «Schafs-Karte» gesetzt haben. Doch wie überall, wo Nischen entstehen, wird auch diese rasch gefüllt. Konkurrenz drängt sich in den Wettbewerb. Im Ausland kann man Schafskäse zu so tiefen Preisen einkaufen, dass einheimische Produzenten chancenlos bleiben.

Doch eine Trumpfkarte gibt es noch, weiss auch «Geisskäsepionier» Hermann Odermatt aus Dallenwil NW: «Swissness ist heute das einzige, was wir zu bieten haben», sagt er und freut sich über Händler, die ihm das Kilo Ziegenkäse für 17 Franken abkaufen, anstatt es im Ausland für deren neun zu kaufen.

«Swissness», ein Begriff, an dem sich die Schweizer Milchproduzenten festhalten können, denn er liegt im Trend und ist gewiss ebenfalls ein Grund für den Aufschwung der Schaf- und Ziegenmilchproduktion. Das weiss auch Ruedi Hochstrasser: «Der Schweizer Konsument will Swissness, und das ist gut so.»

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