Frische Eier, knackige Gurken, lokale Würste – und einen Schwatz dazu

Im Hofladen
Die Wochenmärkte sind geschlossen. Bauern suchen neue Wege, um ihre Produkte an die Bevölkerung zu bringen, deren Bewegungsradius derzeit eingeschränkt ist. Nun schlägt die Stunde innovativer Landwirte, die sich zusammentun und das Sortiment ihrer Hofläden erweitern, wie ein Beispiel aus dem Kanton Zürich zeigt.

Weiningen im Limmattal vor den Toren der Stadt Zürich: Mitten im Dorf muhen vor einem Stall ein paar Kühe, machen sich Rösseler bereit zum Ausritt. Alle paar Minuten spazieren Menschen – meist zu Zweit – am Hof von Nicole und Godi Werffeli vorbei. Da man sich in Zeiten von Corona immer wieder umdreht und schaut, dass man Fremden nicht zu nahe kommt, entdecken sie auch das Schild mit der Aufschrift «Feins vom Buur» und wollen genauer wissen, was es hier gibt.

Eier, Milch, Fonduemischungen, Kräuterbutter, Honig, Glace und verschiedene Bratwürste entdecken zwei Freundinnen in den hohen Kühlschränken. Sie würden fast jeden Tag aus dem Nachbarort Geroldswil nach Weiningen und wieder zurücklaufen, erklären sie, während sie die weiter hinten ausgelegten Salate, Cherry-Tomaten, Gurken, Auberginen, Radieschen und Kartoffeln begutachten. Ihnen gefällt, was sie sehen: «Wir müssen später mit dem Auto wiederkommen», sagen sie, als sie sich zum Heimweg aufmachen.

Wiederkommen wollen auch die beiden Schwestern, denen es die «Rindsschnägge» angetan haben. Die scharfen, wie sie augenzwinkernd verkünden. Da an diesem Tag aber das Portemonnaie zu Hause geblieben ist, gehen sie mit leeren Händen weiter.

Kaum sind sie einige Schritte entfernt, marschiert ein Ehepaar im Seniorenalter, das zuvor mit gebührendem Abstand gewartet hat, Richtung Dispenser mit dem Desinfektionsmittel. Einmal Pumpen pro Person, gut einreiben – und los geht es mit dem Einkauf. Einige Flaschen Milch sowie etwas Salat und Gemüse wandern in die mitgebrachte Einkaufstasche. Das Geld ins Kässeli gesteckt, schlendert das Paar mit einem freundlichen «Adieu» nach Hause.

Schwatz mit dem Kalb
Auch die nächste Kundin ist aus dem Dorf. Nach dem Einkauf bleibt sie bei den Kühen stehen und plaudert mit einem Kalb, das sich gerade genüsslich an der Bürste kratzt. Lächelnd sagt die ältere Dame in Richtung Journalistin: «So ein kleiner Schwatz tut gut.» Man könne doch nicht immer zu Hause sein. Und der Gang zum Hofladen sorge für Bewegung und Frisches für den Znacht.

Es ist ein Kommen und Gehen im neu eingerichteten Openair-Hofladen der Werffelis. «Meist kommen die Kunden am Nachmittag, wenn die Sonne scheint. Doch heute ging es schon den ganzen Tag so», erklärt Nicole Werffeli und stellt etwas erstaunt fest, dass bereits mittags eine von vier Kisten mit Salaten leer ist. Seit zwei Wochen ist der improvisierte Hofladen offen. Bisher verkauften die Werffelis in erster Linie Kalb-, Rind- und Schweinefleisch im Untergeschoss des Hauses. Sie haben einen Hof mit Mutterkühen und ihren Kälbern und machen mit beim Projekt «Mein Schwein», für das sie zweimal jährlich einer Gruppe Freilandschweinen eine ihrer Weiden zur Verfügung stellen.

Die Erweiterung des Eigenvertriebs um andere Produkte und ein richtiger Hofladen neben dem Stall sei schon länger geplant, sagt Nicole Werffeli. Nun hat die Corona-Krise die Entwicklung vorweggenommen. «Wir haben gemerkt, dass die Leute etwas suchen», sagt die Landwirtin, die sich auch um die Pferdepension kümmert, «denn wir hatten viele Anfragen, ob wir nicht auch Gemüse verkaufen können.»

Regional und saisonal
Und so hat sich das Ehepaar Werffeli mit vier anderen Bauernbetrieben aus dem Kanton Zürich zusammengetan. «Alles ist regional und saisonal», betont Godi Werffeli, «keine Importware.» Mit von der Partie ist auch die lokale Käserei, die allseits geschätzte Fonduemischungen sowie verschiedene Kräuterbutter liefert. Und eine Confiseurin aus dem Dorf bäckt Brot, Laugenbrot und Zopf. «30 Brote habe ich an einem einzigen Tag verkauft», sagt Nicole Werffeli.

Weil alles so gut läuft und weil die Abstandsregeln auch hier gelten, haben die innovativen Landwirte begonnen, die Anfragen zu kanalisieren. «Wir raten, das Fleisch vorzubestellen. Dann packen wir alles ab und die Kunden müssen es nur noch abholen», erklärt Godi Werffeli. Selbstverständlich dürfe auch immer nur eine Partei aufs Mal in den eher engen Verkaufsraum im Keller. Ein grünes «frei»-Schild signalisiert, wenn die Kundschaft hinabsteigen darf. Wenn sie offizielle Verkaufstage für hofeigene Fleisch haben, hilft Ihnen ein Türsteher, der – wie bei den Grossverteilern – den Kunden Zetteln mit Nummern verteilt. Und weil wir in speziellen Zeiten leben, putzt Nicole Werffeli mehrmals täglich alle Griffe.

Weiterführende Links

www.bauernhof-werffeli.ch

Hofsuche auf: www.vomhof.ch

Der Schweizer Bauernverband setzt sich zudem für die Reduktion von «Food Waste» ein. Auf der App «Too Good To Go» bieten Landwirte nicht ganz perfekte oder im Hofladen liegen gebliebene Produkte wie Backwaren, Gemüse, Obst oder Salat an.

Autor

Petra Stöhr

Petra Stöhr

Petra Stöhr ist «Tierwelt»-Redaktorin und geht als Historikerin gerne der Geschichte der Schweizer Nutztiere auf den Grund. Noch lieber geht sie für Geschichten ins Feld und macht sich für ihre Begegnungen mit den medidativen Kühen, den gmögigen Schafen und den quirligen Geissen auch die Gummistiefel dreckig oder lässt es über sich ergehen, dass sich Schweine überaus gerne an ihren Beinen reiben.

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