Kritik an fehlender Tierwohlperspektive

Schweinezucht

Obwohl das Tierwohl in den UN-Nachhaltigkeitszielen nicht als Ziel formuliert ist, gehört es zu den zentralen Elementen einer nachhaltigeren Ernährung. Der STS erwartet von den Nachhaltigkeitsleitlinien des Bundes ambitiösere Ziele.

Mark Agnor/Shutterstock

Tierwohl
Der Schweizer Tierschutz STS hat die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 des Bundes - mit Fokus auf dem Themenschwerpunkt Landwirtschafts- und Ernährungssystem - unter die Lupe genommen. Er übt Kritik.

Für den Schweizer Tierschutz STS ist klar: Die vorliegende Strategie ist sowohl aus Nachhaltigkeits- wie auch aus Tierwohlsicht wenig ehrgeizig und nicht zukunftsfähig. In eine integrierte Ernährungspolitik sind Tierwohl- und Umweltziele gleichwertig aufzunehmen. Tierwohl ist ein Angelpunkt nachhaltiger Entwicklung.

Der Bundesrat hat im November 2020 die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 (SNE 2030) präsentiert und die Vernehmlassung eröffnet, deren Frist in diesen Tagen ausläuft. Das Strategiepapier zeigt auf, wie in der Schweiz die UNO-Nachhaltigkeitsziele (Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung) umgesetzt werden sollen.

«Landesregierung klammert Tierwohlaspekte völlig aus»
Darin identifiziert der Bundesrat den Bereich «nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion» als einen jenen Schwerpunkte, in dem besonderer Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig klammert die Landesregierung dabei Tierwohlaspekte völlig aus, die aber in einer integrierten Ernährungspolitik eine zentrale Rolle einnehmen müssen.

Obwohl das Tierwohl in den UN-Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) nicht als Ziel formuliert ist, gehört es zu den zentralen Elementen einer nachhaltigeren Ernährung. Der STS erwartet von den Nachhaltigkeitsleitlinien des Bundes ambitiösere Ziele: Zu einer integrierten Ernährungspolitik gehören sowohl Tierwohl- wie Umweltziele.

Der Tierschutz-Dachverband verlangt vom Bund eine aktivere Rolle, indem dieser zum Beispiel durch Bildung und Aufklärung einen nachhaltigen und tierwohlorientierten Konsum aktiv und stärker fördert. Aber auch indem Rahmenbedingungen gesetzt werden, damit Konsumentinnen und Konsumenten für nachhaltig und tiergerecht produzierte Nahrungsmittel nicht mehr bezahlen müssen als für Lebensmittel, die auf Kosten der Umwelt und des Tierwohls hergestellt wurden.

Der Bund soll die Zügel in die Hand nehmen
Eine ehrgeizigere, klar formulierte Zielsetzung wünscht sich der STS auch bezüglich dem angestrebten Anteil der Bevölkerung, der sich gesund, ausgewogen und tierwohlverträglich ernährt. Dieser soll im Jahr 2030 bei zwei Drittel liegen. Der Bund habe nun dringend die Zügel in die Hand zu nehmen und zu erklären, wie er die Schweizer Nutztierhaltung in eine neue, tiergerechtere Zukunft führen will. Das schreibt er in einer Medienmitteilung. Denn nur tiergerechte Haltungssysteme seien mit einer nachhaltigen Ernährungspolitik zu vereinbaren. Da hat die Schweiz international eine Führungsrolle zu übernehmen. 

Kommentare (0)