Tierwohl in der Praxis

Schweinebauer tierfreundliche Stallhaltung

Schweinemast ist sinnvoll, sagt Jörg Kenel. «Die Tiere verwerten die Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung.»

Katharina Scheuner

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Seit 25 Jahren gibt es das Tierwohlprogramm für «Besonders tierfreundliche Stallhaltung». Schweinemäster Jörg Kenel erzählt, was es bedeutet und warum er Schweinemast sinnvoll findet.

Im Stall ist es 25 Grad warm, angenehm nach der herbstlichen Kühle draussen. Die 90 Schweine in den drei Stallabteilen rennen vor und zurück, Augen und Rüssel sind neugierig auf den Besuch gerichtet. Schweinemäster Jörg Kenel trägt aus Hygienegründen einen Overall über der Kleidung und Stiefel, die er nur hier im Stall trägt. Die Schweine sind rund 30 kg schwer und 11 Wochen alt. Vor einer Woche kamen sie vom Zuchtbetrieb hierher. Die Gruppen à 30 Tiere bleiben zusammen, während sie wachsen, an Gewicht gewinnen und von Stallabteil zu Stallabteil wandern, bis sie 100 Tage später und mit einem Gewicht von 110 kg den Stall in Richtung Schlachthof verlassen.

Nicht alle Stallteile haben die gleiche Temperatur, in der «Mittelmast» und in der «Ausmast» ist es mit 18 Grad kühler. Hier sind auch die Abteile breiter – grössere Schweine benötigen mehr Platz. Jörg Kenel bezieht seine Tiere immer vom gleichen Zuchtbetrieb in Neuenkirch LU. Das mindert das Risiko von Erkrankungen, kostet allerdings auch mehr, als wenn er von verschiedenen Betrieben Tiere zukaufen würde. Seit Beginn ist Kenel Mitglied beim Schweinegesundheitsdienst und dessen Programm SuisSano.

Besonders tierfreundlich

Den Stall am Rand von Arth SZ hat 1969 ein Onkel gebaut. 2001 übernahm Kenel und baute nach dem Verbot von Vollspaltenböden 2018 den Stall um. «Es war mir wichtig, im Rahmen des Umbaus möglichst viel fürs Tierwohl zu machen», sagt er. Deshalb nimmt er am Förderprogramm des Bundes für «Besonders Tierfreundliche Stallhaltung» (BTS) teil. Die Tiere haben deshalb Zugang zu einem eingestreuten Liegebereich ohne perforierten Boden und Tageslicht. Die Tiere haben deshalb Zugang zu einem eingestreuten Liegebereich ohne perforierten Boden. Standard ist hingegen die Gruppenhaltung, Tageslicht und das Vorhandensein von Beschäftigungsmaterial. Im Stall von Jörg Kenel sind dies neben der Einstreu Rohfaserwürfel aus Dinkelspelzen, an denen die Tiere nagen können. Viermal täglich fallen automatisch Strohwürfel durch ein Rohr in die Buchten; die Schweine verteilen sie selbst.


Allerdings gibt es im Sommer mehr Fliegen im Stall als früher, sie brüten unter den Trögen in der Einstreu – einer der vielen Zielkonflikte in der Tierhaltung. Die BTS-Beiträge des Bundes liegen im Bereich der Ausgaben für die Strohwürfel und die Verteilanlage. Ausserdem fällt mehr Handarbeit an. «Dennoch: Es stimmt für mich», sagt Kenel. Das andere Tierwohlprogramm, «Regelmässiger Auslauf ins Freie» (RAUS), kam für ihn nicht in Frage. Der Siedlungsrand liegt rund hundert Meter entfernt und abends würde die Thermik den Geruch genau in diese Richtung blasen. «Allerdings haben wir uns beim Umbau für einen Luftwäscher entschieden, um den Geruch zu minimieren», erzählt er.

Mit offenen Türen

Vor der Baueingabe habe der Informationsnachmittag für Anwohnerinnen und Anwohner sicher zur Akzeptanz beigetragen, ist der Landwirt überzeugt. Jedenfalls gab es keine Einsprache und seither auch keine Beschwerden mehr wegen Geruchsbelästigung. «Auslauf ist auch nicht nur gut», führt der Landwirt weiter an. Kälte und Sonnenbrand seien nicht zu unterschätzen und Ammoniak gelange über die verkoteten Oberflächen in die Luft. Die Luft des geschlossenen Schweinestalls hingegen wird mit fein versprühtem Wasser auf einer durch geringelte Plastikstücke vergrösserten Oberfläche gereinigt. Staub und Ammoniak werden im Wasser gebunden und später mit der Gülle auf die Wiesen ausgebracht. Die Gülle wird an Landwirte in der näheren Umgebung geliefert, welche in ihrer Nährstoffbilanz einen Bedarf an Stickstoff und Phosphor ausweisen.

Mehr Mühe bereite den Nachbarn der Verkehr, erzählte Kenel weiter. Wöchentliche Schotte-Lieferungen, dazu die Anlieferung von Schweinen und Futter, rund 120 Fahrten jährlich mit der Gülle und die nächtlichen Abtransporte von Schweinen zum Schlachthof. Diese passieren nachts, weil es dann weniger Verkehr gibt und im Sommer die Temperaturen niedriger sind. «Die Chauffeure geben sich alle Mühe, aber die Zufahrtsstrasse führt nun mal durch das Wohnquartier», sagt Kenel. Dennoch ist das Verhältnis gut. 2019 hat Jörg Kenel am «Tag der offenen Hoftüren» teilgenommen und von einem Anwohner eine Flasche Wein erhalten.

Betriebsspiegel

Auf rund 1000 m, oberhalb von Arth, liegt der Betrieb von Jörg Kenel und seiner Familie in der Bergzone II. Hier halten sie 35 Brown-Swiss-Milchkühe und 25 Aufzuchttiere und produzieren Käsereimilch. Die 42 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche teilen sich in 29 ha Wiese und 13 ha Weide. Im Tal steht der Schweinemaststall mit 660 Plätzen. Auf dem Betrieb arbeiten neben dem Betriebsleiter eine Lernende sowie ein teilzeitangestellter Landwirt. Die Seniorin kümmert sich im Sommer um die Aufzuchttiere, die Partnerin arbeitet zu 100 % auswärts und hilft auf dem Betrieb bei Arbeitsspitzen. Zudem ist Jörg Kenel im Winterdienst auf der Zufahrtsstrasse tätig und macht Gülletransporte mit seinem Lastwagen

Technik fürs Tierwohl

Am Stall vorbei drehen vor allem Einheimische ihre Runden. Ist Jörg Kenel im Stall und die Türe offen, würde hie und da jemand reinschauen. «Ich rede mit den Leuten und biete ihnen an, einen Blick in den Stall zu werfen», erzählt der Landwirt. Beim Eingang hängen Informationsblätter: Hier erklärt er, wie ein Schweinemastbetrieb funktioniert, gibt Informationen zum Stall, zur Tiergesundheit, zur Fütterung, Abluftreinigung, Wärmerückgewinnung, Photovoltaikanlage, Gülle und zur Überwachung ab. Er nennt die Transportfirma, den zuständigen Tierarzt und seine eigene Handynummer. Kenel findet das normal. «Schweine sind ein wichtiger Teil in der Nahrungskette, schliesslich füttern wir sie mit Nebenprodukten aus der Lebensmittelherstellung und aus der Landwirtschaft», sagt er.

Wöchentlich verfüttert er rund 35 000 Liter Schotte. Das Nebenprodukt aus der Käseherstellung hat ähnliche Gehalte an Energie und der wichtigen Aminosäure Lysin wie ein Schweinefutter – damit kann der Landwirt rund 85 Tonnen Futter pro Jahr einsparen. Auch im Futter, das die Futtermühle für Kenels Betrieb mischt, sind viele Nebenprodukte enthalten, zum Beispiel Getreidekleie oder Rapspresskuchen aus der Ölherstellung. Bei der Fütterung arbeitet der Landwirt ressourceneffizient. Passend zu den Wachstumsbedürfnissen füttert er den Schweinen vier verschiedene Rationen. Je älter die Tiere sind, desto tiefer ist der Proteingehalt im Futter.

In einem Schweinestall ist sehr viel Technik verbaut. Da gibt es eine Bodenheizung, automatische Fütterungs- und Einstreusysteme, die Lüftung saugt Frischluft an und leitet die Abluft durch den Luftreiniger. Eine Wärmepumpe nutzt die Wärme der Tiere in der Abluft für die Bodenheizung und das Warmwasser. Auf dem Dach hat Kenel eine Photovoltaikanlage installiert. Damit könne er einen wesentlichen Teil des eigenen Stromverbrauchs decken. Für die heissen Sommertage gibt es eine Verneblungsanlage.

Dann wälzen sich die Schweine meist auch in der feuchten Einstreu – dadurch können sie sich abkühlen, sind aber etwas schmutziger. Rund 2300 Schweine wandern jährlich durch Kenels Stall. «Viele Konsumentinnen und Konsumenten haben keine Vorstellung davon, was moderne Schweinehaltung bedeutet», bedauert er. Und wenige wissen, wie viele Nebenprodukte die Schweine verwerten würden. «Kühe fressen unser Gras, Schweine reduzieren unseren Foodwaste.»